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Mai 27

Die geheime Sammlung

Die geheime Sammlung

Elizabeth ist 15 Jahre alt – und wenn sie es sich aussuchen dürfte, hätte sie gerne ein anderes Leben: Ihres ist nicht nur langweilig, sondern auch ein bisschen einsam, da sie in ihrer Schule noch keine Freunde gefunden hat. Doch dann ändert sich alles. Elizabeth bekommt einen Aushilfsjob im kuriosen New Yorker Repositorium der verleihbaren Schätze, in dem man Kunst und Krempel, Wertvolles und Verrücktes ausleihen kann. Hier lernt Elizabeth Gleichaltrige kennen, die sie verstehen. Hier verliebt sie sich zum ersten Mal. Und hier wartet ein ganz besonderes Abenteuer auf sie: Im Keller gibt es eine geheime Sammlung magischer Schätze darunter die Siebenmeilenstiefel, gleich zwei Tischlein-deck-dichs und der übellaunige Spiegel von Schneewittchens Stiefmutter. Sie beweisen, dass die Märchen der Gebrüder Grimm alles andere sind als erfundene Geschichten. Doch nun hat jemand begonnen, ihren Zauber zu stehlen, und nur Elizabeth und ihre Freunde können dies noch aufhalten.

Ich hatte schon eine ganze Zeit vor dem Erscheinunsgtermin von diesem Buch gehört und der Klappentext hatte mich sofort angesprochen. Wieso, das kann ich gar nicht so klar sagen, denn eigentlich bin ich kein Märchen-Fan, aber dann wurde mir klar, dass Märchen ja irgendwie quasi die Vorreiter auf dem Gebiet der Fantasy-Literatur sind, die gerade so angesagt ist. Außerdem klang die kurze Inhaltsangabe auch ganz witzig. Und so zog das Buch letztlich doch in mein Regal ein, was ich keine Sekunde lang bereut habe.

Elisabeth war mir vom ersten Moment an sympathisch. Ein nettes Mädchen, sehr ehrlich und auch mit einer gesunden Portion Humor ausgestattet. Zudem geht es schon mit ihrem Leben alleine recht märchenhaft zu, denn ihr Vater hat zum zweiten Mal geheiratet, die neue Frau hat zwei Töchter mit in die Ehe gebracht und die beiden -zusammen mit ihrer Mutter- behandeln Elisabeth nicht sonderlich gut. Sie muss kochen, putzen, abwaschen, eben genau wie Schneewittchen, nur moderner.
Und dann ist da natürlich Elisabeths neuer Job im „Repositorium der verleihbaren Schätze“. Alleine die Idee einer Art Bibliothek für extravagante, seltene, uralte und eben auch magische Gegenstände hat mir sofort gefallen. Und so wie das Repositorium beschrieben wird, so detailverliebt und auf ungewöhnliche Art charmant, da würde ich dort sehr gerne einmal stöbern gehen. Dort lernt Elisabeth andere Jugendliche in ihrem Alter kennen: die indische Anjali, den Basketball-Star Marc und den eigenbrödlerischen Aaron. Es ist schon eine illustre Clique und man kann eigentlich gar nicht anders als sie sofort zu mögen.
Anfangs arbeitet Elisabeth nur in „normalen“ Abteilungen des Repositoriums, doch schon bald kommt die Grimm-Sammlung zur Sprache, eine geheimnisvolle und wohl gehütete Sammlung, deren Inhalt von den Brüdern Grimm (oder doch aus ihren Märchen?) stammt und offenbar ganz besondere Eigenschaften hat. Genau wie Elisabeth ist man von der ersten Erwähnung mächtig neugierig auf diese Sammlung und fiebert mit ihr zusammen auf den Tag hin, an dem sie zum ersten Mal dort arbeiten darf. Allerdings kündigt sich schon hier im Vorfeld an, dass etwas mit der Sammlung nicht stimmt, Gegenstände verschwinden, werden durch Fälschungen ersetzt…wer mag dahinter stecken?
Dieser Frage gehen schließlich auch Elisabeth und ihre Freunde nacht und damit nimmt ein märchenhaftes, wunderschönes, phantasiereiches und teilweise äußerst komisches Abenteuer seinen Lauf. Die Suche ist nämlich brandgefährlich und es gilt einige Schwierigkeiten zu bewältigen. Viele Gegenstände aus der Grimm-Sammlung haben ihren ganz eigenen Willen, was für viel Witz und Chaos sorgt, zwielichtige Gestalten scheinen ihre Finger im Spiel zu haben und Elisabeth und ihre Freunde wissen bald nicht mehr, wem sie eigentlich noch trauen können.
Das hat mir in Sachen Spannung am besten gefallen, dass die Geschichte nicht durchschaubar ist. Hat man gerade eine Person als tatverdächtig ausgeschlossen, wird sie zwei Seiten später schon wieder sehr verdächtig und so bleibt man mit Spannung bei der Sache.

Ich habe „Die geheime Sammlung“ nach zwei Tagen ausgelesen gehabt und das obwohl es 345 Seiten hat, aber es lässt einen einfach nicht mehr los, wenn man erst mal angefangen hat. Elisabeth erzählt jugendlich locker und mit viel Witz, aber oft auch verträumt von ihrem Abenteuer, was von Anfang an für gleichermaßen märchenahaftes, wie auch modernes Flair sorgt. Man hat einfach das Gefühl, dass auch im Heute Märchen noch ihren Platz haben und auchberechtigterweise  fordern. Ich hatte nach der Lektüre jedenfalls plötzlich Lust, mal wieder ein Märchen zu lesen 🙂 Schön sind auch die Überschriften der Kapitel, die in einer geschwungenen, kursiven Schrift geschrieben sind.

Optisch bietet „Die geheime Sammlung“ ohnehin einiges, nicht nur die wunderschönen Überschriften. Das Papier des Umschlags ist sehr fest und fühlt sich leicht rauh an, wie Papier aus früheren Zeiten, solche, auf denen womöglich auch mal Schatzkarten gezeichnet waren. Die Ornamente rundum, die Bilder und auch die Schrift sind leicht erhaben geprägt und es macht alleine schon Spaß, mit den Fingern darüber zu streichen. Entfernt man den Umschlag hat man ein tiefrotes Buch vor sich, dessen Rückentext in der Schrift der Überschriften geschrieben und gold glänzend ist.
Und ein Lesebändchen ist ebenfalls vorhanden.

Fazit: Märchenhaft und spannend, mal eine ganz außergewöhnliche Fantasy-Geschichte, die ich wärmstens empfehlen kann.


Titel:  Die geheime Sammlung
Autor: Polly Shulmann
Seiten:  345
Verlag: PAN Verlag
ISBN: 978-3-426-28331-8
Preis:  € 14,95

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