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Jun 17

Rezension – Der Augensammler (Sebastian Fitzek)

Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken. Er spielt es mit deinen Kindern. Er gibt dir 45 Stunden, sie zu finden. Doch deine Suche wird ewig dauern. Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer in seinem Versteck. Doch damit ist das Grauen nicht vorbei: Den aufgefundenen Kinderleichen fehlt jeweils das linke Auge. Bislang hat der Augensammler keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt.

Von den Fans sehnsüchtig erwartet ist er nun endlich da: der neue Psychothriller von Sebastian Fitzek.
Ich könnte meine Besprechung nun sehr kurz halten und einfach sagen: wieder super spannend, unbedingt lesen!
Aber „kurz“ hat mir irgendwie noch nie gelegen, daher gibt es hier also die Lang-Fassung 😉
Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich das Buch nicht drei Tage vor meiner Abreise (in einen kleinen Urlaub) angefangen habe, sonst hätte ich nichts anderes sonst hinbekommen. Daher war es ganz praktisch zu warten und die sechsstündige Zugfahrt dafür zu nutzen. Ich war schon deutlich früher durch, weil ich es nicht mehr beiseite legen konnte.
Mit Alexander Zorbach und Alina Gregoriev hat die Geschichte zwei Hauptcharaktere, die man sich leicht zu Eigen macht. Alexander Zorbach, Polizeireporter, irgendwie schon etwas kaputt, aber so menschlich, dass er einem sofort sympathisch wird.
Ich muss aber schon sagen, dass Alina Gregoriev mein heimlicher Favorit unter den Charakteren war. Ihre Blindheit macht sie alleine schon zu etwas Besonderem, aber erst recht ihr Umgang damit. Würde es nicht immer wieder angesprochen, dass sie blind ist, würde man das bald vergessen, so ein einnehmendes, leicht verrücktes, aber auch ab und an verletzliches Wesen hat sie.
Sehr schön fand ich es in diesem Zusammenhang, wie viel man in diesem Buch über Blinde und ihr Leben erfährt. Wirklich interessant, aber so sorfältig in die Story verpackt, dass man nie das Gefühl hat, gerade ein Fachbuch zu lesen. Das spricht für gründliche Recherche auf diesem Gebiet.
Was die Story angeht, stoße ich mit ja etwas an der Bezechnung „Psychothriller“, denn dem, was man sonst von Sebastian Fitzek in Sachen „Psychothriller“ kennt, kommt „Der Augensammler“ nicht gleich. Das heißt aber hier nichts Schlechtes. Mir hat es sehr gefallen, dass die Geschichte einen geradlinigen Verlauf hat, dem man entsprechend gut folgen kann und der dennoch hoch spannend ist. Wenn ich dagegen an „Die Therapie“ zurückdenke…da habe ich vor lauter „psychologischer Verwirrung“ schon manchmal den Faden verloren. Das war bei „Der Augensammler“ nicht der Fall, denn hier halten sich die Passagen, in denen man nicht genau weiß, was nun Realität und Phantasie der Charaktere ist, im Rahmen. Es gibt sie -glücklicherweise, solche Szenen erwarte ich bei Fitzeks Büchern-, aber die Geschichte bleibt trotzdem gut überschaubar.
Daran ändern auch die verschiedenen Blickwinkel nicht, aus denen die Geschichte erzählt wird. Mal werden ein oder mehrere Kapitel aus Alex‘ Sicht erzählt, mal aus Alinas, dann wieder von der Warte eines Kripobeamten oder von der eines Kindes. Das bringt Abwechslung in die Geschichte und hält sie zusätzlich spannend. Denn automatisch sucht man ja beim Lesen nach Hinweisen, wer der „Augensammler“ sein könnte und solche unterschiedlichen Sichtweisen laden praktisch zum Tüfteln ein. Da fragt man sich immer wieder auf’s Neue, wer nun noch mit drin stecken könnte, und warum eigentlich. Diese Maßnahme hat bei mir ganz gut gewirkt. Obwohl ich zwischendrin schon so eine Ahnung hatte, wer es ist, war das Ende dann doch noch eine große Überraschung.
Zum Ende hin hätte ich mich übrigens gerne beim Lesen quasi „selbst überholt“ so eilig hatte ich es, zu erfahren, wem Zorbach da nun nachjagt und ob es ihm gelingt, das letzte Versteckspiel ein gutes Ende finden zu lassen. Da musste ich mich bremsen, sonst hätte ich glatt den einen oder anderen Satz übersprungen, was natürlich nicht geht 😉
In einigen Punkten (ein Spiel, bei dem die Spieler durchaus „Chancen“ haben, ein sehr intelligenter Spielleiter, das Versteck) hat mich „Der Augensammler“ sehr an den ersten SAW-Film erinnert, den ich bis heute genau aus diesen Gründen genial finde. Von daher ist das jetzt auch nicht als negative Kritik gemeint. Auch in Sachen Härte kommt die Geschichte dem Film nahe, denn einen empfindlichen Magen sollte man bei gewissen Passagen besser nicht haben.

Wie gesagt, ich habe das Buch in rund fünf Stunden ausgelesen gehabt, wobei die besagte Zugfahrt -eingepfercht auf einem IC-Platz mit wenig Raum für umfangreichere Bewegungen als das Umblättern einer Seite- da sicher hilfreich war. Generell lag es aber natürlich daran, dass „Der Augensammler“ einfach sauspannend und klasse geschrieben ist.

Hardcover mit stabilem Umschlag, so mag ich Bücher am liebsten. Mit dem ungewöhnlichen Covermotiv, das trotzdem oder auch gerade deswegen, ein Hingucker ist, hat „Der Augensammler“ noch in Folie verschweißt bei mir Punkte sammeln können. Eine erstes Durchblättern hat gleich noch mehrere Punkte hinterher geschoben. So beginnt das Buch mit dem Epilog auf Seite 442 und dann zählen die Seitenzahlen runter bis zum Prolog am Ende.
Irgendwie hatte ich dadurch übrigens etwa nach einem Viertel des sonderbare Gefühl falsch herum zu blättern, obwohl man ja -von Mangas mal abgesehen- immer von rechts nach links blättert. Komisches Gefühl, aber cool.

Fazit:   Super spannend, unbedingt lesen!  Daher vergebe ich ganz klar

Die Ehren-Ratte für „Der Augensammler

Im Anhang des Buches erwähnt Sebastian Fitzek übrigens, dass er mit dem Gedanken spielt, Zorbach und Alina noch einmal in einem (oder mehreren?) Büchern auftauchen zu lassen. Das lässt mich etwas zweigespalten zurück. Ich bin kein Fortsetzungs-Fan. Nur weil eine Idee beim ersten Mal toll funktionierert hat, tut sie das nicht unweigerlich auch beim zweiten, dritten oder x-ten Mal. Mir wäre es daher lieb, man träfe die beiden eher nebenbei noch mal an. Etwa so wie in „Der Augensammler“ auch Dr. Larenz und Robert Stern erwähnt werden. Aber da vertraue ich Sebastian Fitzek jetzt einfach mal.

1 Kommentar

  1. caruschia

    Hallo!

    Tolle Rezension. Ich habe mir das Buch aus der Bibliothek ausgeliehen und freue mich schon sehr drauf, es zu lesen.

    Alles Liebe, Jule

    Magst du mal bei mir vorbeischauen? Ich würde mich sehr freuen 🙂
    http://good-books-never-end.blogspot.de/

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