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Sep 26

Rezension – Larry Brent – Striptease einer Zombie-Hexe (Dan Shocker)

Das Gesicht des Priesters war eine einzige abstoßende Fratze. Das Innere der Hütte glich einem Tollhaus. Fackeln und Öllichter rußte. Auf den schmutzigen Lehmboden waren mit Kreide und Asche Schlangen, Sterne und Fische gezeichnet. Dunklehäutige Menschen sangen und tanzten, torkelten wie Betrunkene, befanden sich in Trance. Der Mann auf der primitiven Liege aus Holz und Bast zerrte vergeblich an den Fesseln.Donovan Huker brüllte los. „Ich will nicht! Laßt mich leben! Ich will nicht zum Zombie werden, verdammt! Ihr elenden Schweine, gebt mich frei…“

Viele der gruseligen Hörspiel-Serien haben ja solche „Groschenromane“ als Grundlage. Und so nehme ich auf dem Trödelmarkt immer gerne auch mal solche Vorlagen mit. Von den vier Heften, die ich neulich gekauft habe, durfte „Larry Brent“ den Anfang machen, und weil es in diesem Blog um Literatur geht und auch solche Heftchen eine Form der Literatur sind, sollen sie hier auch eine Chance auf eine Vorstellung und Besprechung bekommen.
Ich denke, der Titel alleine sagt schon eine ganze Menge über den Stil und die Story an sich aus, und die hält auch was der Titel verspricht. Ich glaube, man ist heute schon so verwöhnt durch die ganzen „hochgezüchteten“ Zombies und Schauergestalten, dass einem die Zombies in diesem Roman einfach nur total schlicht vorkommen, geschweige denn, dass man sich dabei gruselt. Auch mit Schilderungen von Voodoo-Zaubern und Ritualen kann man heute kaum noch jemanden hinter dem Ofen vorlocken. Somit ist die Geschichte weder sonderlich einfallsreich, noch schauerlich.
Amüsant auch, dass hier beschrieben wird, dass giftige Substanzen durch den Strip der Voodoo-Hexe in den Organismus ihrer Opfer gelangen. Und als wäre das noch nicht abgefahren genug, heißt es ein paar Seiten später doch tatsächlich, mit solchen Methoden würden sich sogar ernsthafte Wissenschaftler beschäftigen und es gäbe sogar Bestätigungen von deren Seite, dass das wirklich funktioniere. Ja, ja, schon klar 😀

Aber man muss natürlich sehen, dass dieser Roman 1986 erschienen ist (falls ich den Absatz am Ende des Hefts richtig deute) und damals sah die Sache vermutlich ganz anders aus.
Mir hat „Striptease einer Zombie-Hexe“ jedenfalls einige sehr vergnügliche Lesestunden bereitet, in denen ich quasi im Flair der 80er-Jahre-Geschichtenwelt geschwelgt habe. Im Grunde finde ich es sogar schön, wie leicht man damals noch Leser mit solchen Storys begeistern konnte. Heute muss es doch für viele Genre-Fans immer härter, blutiger und brutaler sein um noch interessant zu sein.

Bemerkenswert ist auch der Schreibstil. In erster Linie solche Sätze wie „Fast am Ende der Gasse kam’s zu einer schicksalhaften Begegnung.“ oder „Und sie lernte, dass dieses „Machen“ von Zombies ein uralter Ritus war [..]“ Ich meine, da scheint es mal in einer Szene etwas zur Sache zu gehen und dann kommt da so ein flapsiges apostrophiertes Wort daher. Und von Synonymen hatte man 1986 wohl auch nicht viel gehört. Das zeigt sich auch an der unglaublichen Vielfalt an Bezeichnungen für Larry Brents Partnerin, die immer abwechselnd Morna Ulbrandson, Morna, X-Girl-C und „die Schwedin“ heißt. Also „Morna“ alleine hätte es schon getan 😉 Sowas darf man aber bei diesen Romanen einfach nicht so eng sehen, sonst geht der Spass flöten.

Das Cover offenbart dann schließlich den gesamten Trash-Faktor dieser Story. Da kommt man ohne ein Grinsen einfach nicht davon.  Aber auch hier gilt: schön, dass solche Darstellungen mal interessant oder gar schauerlich auf die Leser gewirkt hat. Ich habe es aus dem Stapel Romane am Trödelmarkt-Stand ausgewählt, weil ich den Titel und auch das Cover als völlig „kaputt“ empfunden habe. Wie sich die Zeiten doch ändern…

Fazit:   Als Lese-Snack mit Zeitreise-Feeling-Garantie für zwischendurch sehr spaßig. Ich werde weiter nach solchen Groschenromanen Ausschau halten. Irgendwie haben sie vor lauter Trahsigkeit schon wieder was.


Titel:  Larry Brent (192) – Striptease einer Zombie-Hexe
Autor: Dan Shocker
Seiten:  64
Verlag: Zauberkreis Verlag
Preis:  DM 1,70 (DM!!! Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen)

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