«

»

Nov 15

Rezension – Wir sind die Nacht (Wolfgang Hohlbein)

Eine Nacht verändert alles im Leben der einsamen Lena. Sie wird von Louise gebissen, der Anführerin eines weiblichen Vampir-Trios, und gibt sich von nun an hemmungslos den Verlockungen der Unsterblichkeit hin. Bei ihren nächtlichen Streifzügen hinterlassen sie eine Spur aus Blut und Verwüstung. Als Lena sich aber in den jungen Polizisten Tom verliebt und den Vampiren den Rücken kehren will, kennt Louises Zorn auf die Verräterin keine Grenzen. Lena muss sich zwischen der Liebe und dem ewigen Leben entscheiden.

Ich bin ja eigen mit Büchern, auf denen der Name „Wolfgang Hohlbein“ steht, denn ich lese eigentlich nur die Bücher, bei denen dahinter auch „Heike Hohlbein“ steht. „Wir sind die Nacht“ ist nach „Wasp“ erst die zweite Ausnahme von dieser Regel. Ich habe sie gemacht, weil der Klappentext ganz interessant klang, denn irgendwo bin ich immer noch Vampir-Fan, nur nicht so unbedingt dann, wenn sie schon wieder nur schön, sexy und leidend sind 😉 Der Inhalt hier versprach aber ziemlich genau das Gegenteil.
Und ich kann sagen, dass ich mit meiner Entscheidung wenig falsch gemacht habe. Die Geschichte beginnt schon spannend und Lena ist von Anfang an eher eine Anti-Heldin, die mir genau deswegen sofort sympathisch war. Ohne eine Liebesgeschichte kommt aber -meiner Meinung nach- kaum eine Geschichte gut aus und die kündigt sich bei „Wir sind die Nacht“ auch bald an. Allerdings ist sie nicht alle paar Sätze DAS Thema, im Hinterkopf hat man sie aber dennoch. So geht es auch.

Natürlich sind auch die Vampirinnen dieser Geschichte schön und sexy, das ist gar keine Frage. Es wird auch immer mal wieder erwähnt, aber genau wie die Lovestory steht das selten im Vordergrund.
Zentrales Thema ist Lenas letzter Beutezug als Mensch und seine unheilvollen Folgen. Denn der Bestohlene möchte sein Eigentum zurück haben und ist bereit, dafür über mehr oder minder tote Leichen zu gehen. Das Vampir-Quartett, bestehend aus Louise, Charlotte, Nora und eben Lena ihrerseits aber ebenfalls. Und so entwickelt sich eine spannende und vor allem rasante Geschichte, die alles aufbietet, was zu einer Action & Crime-Story gehört. Von einem vermeintlich kleinen Diebstahl, über Plüderungen, Verfolgungsjagden und Differenzen mit einem Mafia-Clan bis zu handfesten Morden und Folterungen.
Die Lage spitzt sich durch Lenas Gefühle für einen Polizisten noch zusätzlich zu. Anfangs genießt sie die Existenz als Vampir, aber schnell kommen ihr Zweifel, woran der junge Mann nicht ganz unschuldig ist. Lenas „Identitätskrise“ deswegen sorgt für zusätzlichen Zündstoff, dieses Mal mit ihrer „Anführerin“ Louise.
Lena steckt also zweifellos bis zum Hals in ernsten Schwierigkeiten und es ist spannend zu verfolgen, wie sich ihre Lage entwickelt und sich zu fragen, ob und wie sie sich mit ihrer Existenz arrangieren wird. Zermürbende Selbstzweifel bekommt man aber nicht zu lesen, was der Geschichte jede Chance auf Kitsch nimmt.
Es gibt aber einen Aspekt, der mir ab und zu Schwierigkeiten bereitet hat und wegen dem ich mich vom „Überfliegen“ dieser Passagen abhalten musste. Das sind besagte Verfolgungsjagden und Kampfszenen. Sie sind anfangs ganz okay, aber das nutzt sich auf die Dauer ab. Ich brauche keine ewig lange Beschreibung wer nun wem womit wie heftig wohin geschlagen hat und wie der Gegner dann im Detail reagiert. Das hätte man kürzer fassen können.

Erwähnenswert ist, dass das Buch das letzte Glied einer Kette ist, nicht das erste. Auch wenn es vor dem Film erschien. Regisseur Dennis Gansel legte quasi den Grundstein für das Projekt „Wir sind die Nacht“, Jan Berger verfasste das Drehbuch und Wolfgang Hohlbein schrieb dann das Buch zu dem Film.

Im Großen und Ganzen lässt sich das Buch leicht und flüssig lesen. Wer im Gegensatz zu mir von den erwähnten Szenen nicht ausgebremst wird, der wird es trotz seiner stattlichen 608 Seiten in relativ kurzer Zeit gelesen haben. Gewisse Formulierungen wiederholen sich immer mal wieder, das dürften Hohlbein-Fans kennen und sich entsprechend nicht weiter daran stören.

Das Cover ist wirklich sehr schön. Dunkel und geheimnisvoll. Allerdings so geheimnisvoll, dass es gar nichts über die Story aussagt. Etwas mehr hätte es da schon sein dürfen.

Fazit: An einigen Stellen etwas zäh, ansonsten aber spannend und actionreich. So hat „Wir sind die Nacht“ mit dem gängigen Vampir-Herz-Schmerz-Kitsch rein gar nichts gemeinsam, was mich sehr gefreut hat.  Wer Abwechslung dazu sucht oder schon immer mehr auf eine Vampir-Action-Kombination stand, der sollte sich das Buch genauer ansehen.

 


Titel:  Wir sind die Nacht
Autor: Wolfgang Hohlbein
Seiten:  608
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453266780
Preis:  € 19,99 (HC)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: