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Dez 11

Rezension – P.S. Ich töte dich – 13 Zehn-Minuten-Thriller (Sebastian Fitzek, Michael Conelly, Val McDermid u.a.)

Ein plötzlicher Schneesturm in den Bergen zwingt den Psychiater Martin Vahl, in einem abgeschiedenen Hotel einzuchecken. Weil Vahl in dem heruntergekommenen Zimmer kein Auge zutun kann, greift er sich die Bibel aus dem Nachttisch und beginnt zu lesen. Kurz bevor ihm die Augen zufallen, löst sich ein kleiner Zettel aus den Seiten: „Nicht einschlafen oder sie bringen Dich um …“
Wollen Sie mehr? Sitzen Sie bequem, haben Sie es warm und hell? Gut so, denn genauso wie Sebastian Fitzek werden Val McDermid, Michael Connelly, Markus Heitz, Steve Mosby und noch einige andere Thrillerautoren der Spitzenklasse dafür sorgen, dass Ihnen das Blut in den Adern gefriert für weitaus länger als die zehn Minuten, die es zum Lesen jeder Story braucht. Denn sie alle lieben es düster, beherrschen die Klaviatur des Grauens perfekt.

Auf dieses Buch war ich unglaublich gespannt. Das lag einmal daran, dass einer der Thriller von Sebastian Fitzek stammt, bei dem ich ohnehin von einem Buch zu anderen fiebere, aber auch -mal wieder- an der Optik, die an die Notzbücher von Moleskine erinnern. Die liebe ich ja auch heiß und innig.
Jetzt wo ich es gelesen habe, muss ich aber sagen, dass das Buch diese riesige Neugier nicht gerechtfertigt hat.
Weil es einzelne Thriller ohne Zusammenhang (außer dass stets der Winter  bzw Weihnachten ein Thema ist), gehe ich die Geschichten mal im Einzelnen durch:

Nicht einschlafen (Sebastian Fitzek)

Der Thriller hat mir gefallen, wobei er genau die Art Geschichte ist, die man von diesem Autor erwartet. Am Ende ist alles anders als es anfangs aussieht. Da beginnt man dann natürlich schnell zu spekulieren und wenn man schon Fitzek-Bücher kennt, dann spekuliert man auch in die richtige Richtung. Auf gewisse Art also recht vorhersehbar.

Schöne Bescherung (Val McDermid)

Die Idee mit den Morden zu bestimmten Zeitpunkten hat mir gefallen, vor allem die mit dem Weihnachtsmann. Trotzdem war mir der Thriller zu…ich sage mal, zu „ermittlerisch“. Wenn Taten so detailgenau durchleuchtet werden, geht das Unheimliche schnell flöten.

Fehler im System (Thomas Thiemeyer)

Dieser Thriller hat mir gefallen. Einfach weil es mal etwas Anderes ist, wenn eine Tat so technisch betrachtet wird. Aber die Zusammenhänge haben das gewisses Etwas. Dazu kommt noch, dass ich ein Faible für alles habe, das mit PCs und den Möglichkeiten zu tun hat, die Realität zu beeinflussen.

Der fast Perfekte (Torkil Damhaug)

Eine unheimliche Geschichte, zweifellos. Und eine interessante Erzählweise. Aber nicht gerade das Neueste vom Neuen. Es ist sehr bald klar, woraus es hinauslaufen wird, das hat die Spannung ganz gut ausgebremst.

Vita Reducta (Petra Busch)

Einer meiner Favoriten dieses Buchs. Die eisige Szenerie kommt gut rüber, da friert man mit dem Opfer automatisch mit. Außerdem liegt -obwohl die Panik des Opfers sehr deutlich wird- in dieser Geschicht eine beängstigende Ruhe, weil man weiß, dass sie auf gar keinen Fall gut enden wird.

Späte Abrechnung (Michael Connelly)

Das gleich Problem wie  bei „Schöne Bescherung“. Zu ermittlungslastig, zu abstrakt. Dem Thriller fehlt einfach die düstere Atmosphäre eines Thrillers und sie wirkt eher wie ein leicht verschärfter Krimi.

Ein ehrenwertes Haus (Markus Heitz)

Meine Nummer 1 dieser Sammlung. Ein recht gewöhnlicher, aber cooler Schauplatz, der alles bietet, was man sich bei diesem Titel sofort darunter vorstellt. Zudem ist die Idee dieser obskuren Schnitzeljagd klasse. Und ihre Entwicklung zu „beobachten“, das macht einfach Spass. Eine gwitzte Idee liegt diesem Thriller zugrunde.

Der Winter nimmt alles (Michael Koryta)

Dieser Thriller spielt nicht im Heute, was bei mir automatisch Punktabzug bedeutet. Mir ist er zu altmodisch und mit den Namen der Charaktere wollte ich teilweise auch nicht warm werden. Trotzdem hat die Geschichte einige gute Szenen, die -wenn man sie sich vorstellt- durchaus eine Gänsehaut bescheren können.

Wünsche für Alison (Steve Mosby)

Ein wortwörtlich „schöner“ Thriller, der lange Zeit sehr romantisch wirkt, dann aber eine böse Wendung nimmt. Die Kombination wirkt außergewöhnlich, ist aber gelungen. Ebenfalls einer meiner Favoriten.

Monopoly (Judith Merchant)

Offenbar kann man einen Thriller problemlos um eine etwas ausgefallene Einkaufs-Situation herum konstruieren. Alles beginnt mit einem bestimmten Ereignis in einem Kaufhaus und man kann praktisch verfolgen, welche Folgen dieser Vorfall hat. Seltsames Setting, sonst nicht übel.

Pulver (Jens Lapidus)

Hier hat mir die lockere, jugendliche Erzählweise gefallen, da sie sich sehr leicht liest. Und auch wenn eigentlich Allerwelts-Themen dabei angesprochen werden, ist es so schon spannend. Der Dreh am Ende kam schön überraschend. Allerdings hätte mich hier die Auflösung sehr interessiert.

Das Haus auf dem Hügel (Markus Stromiedel)

Dieser Thriller hat mehr etwas von einer düsteren Spukhaus-Geschichte und verschwendet viel Raum an Beschreibungen. Außerdem erkennt man sehr zügig, wohin der Hase läuft und entsprechend kann das Ende nicht mehr sonderlich überraschen.

Letzte Bergfahrt (Juliane Hoffman)

Ich hasse den Winter und die Kälte und friere rasend schnell. Deshalb gibt es für mich kaum eine schrecklichere Szenerie als die einer Winterlandschaft. Damit hat der Thriller sofort gepunktet. Außerdem kommt die Einsamkeit der Gegend gut beim Leser an, was die Story zusätzlich spannend macht.

Insgesamt eine durchaus interessante Thriller-Mischung, aber kein richtiger Hammer darunter. Womöglich liegt es an der bewussten Kürze der Geschichten, das kann ich mir ganz gut vorstellen. Müsste ich eine Schulnote vergeben, würde ich dem Buch eine 3- geben.

Alle Thriller lassen sich gut und leicht lesen, da braucht man tatsächlich nur kurze Zeit für die einzelnen Geschichten. Also eine ideale Lektüre für das Prinzip „Jeden Tag ein Kapitel“, zum Beispiel vor dem Einschlafen. Die Idee, vor jedem Thriller den ersten Teil des Textes in Handschrift des jeweiligen Autors abzudrucken ist klasse. Das ist interessant anzusehen.

Die Optik des Buches finde ich immer noch genial. Eben weil ich so auf Moleskine stehe. Es hat lediglich das Lesebändchen gefehlt. Schwarz und Rot sind für mich zwei thrillertypische Farben, das passt also auch.

Fazit:   13 Snacks für Thriller-Fans. Man darf nur nicht davon ausgehen, dass der Name „Sebastian Fitzek“ auf dem Cover für durchweg geniale Thriller bürgt, denn das ist nicht der Fall. Eine illustre Mischung, die man lesen kann, aber nicht muss.


Titel: P.S. Ich töte dich – 13 Zehn-Minuten-Thriller
Autor: Sebastian Fitzek, Markus Heitz, Val McDermid, Michael Connelly u.a.
Seiten:  272
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3426198971
Preis:  € 14,99

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