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Okt 24

Rezension – Toter geht’s nicht: Bröhmanns erster Fall (Dietrich Faber)

Irgendwann ist Sense! Faschingsumzug im Vogelsberg: Jubel, Trubel, Heiterkeit, und am Ende wird ein Mann erschlagen. Der Tote war verkleidet: als Tod. Kriminalhauptkommissar Henning Bröhmann passt das überhaupt nicht. Er ist nämlich am selben Tag von seiner Frau verlassen worden und muss nun nicht nur einen Mord aufklären, sondern sich auch um Kinder, Haus und Hund Berlusconi kümmern. Wobei nicht ganz klar ist, was mehr schlaucht: die Suche nach dem Täter, der Alltagskampf mit einer schwer pubertierenden Tochter oder die Frondienste in der Kindertagesstätte «Schlumpfloch». Die Ermittlungen in Sachen Sensenmann führen direkt in die Schattenwelt der mittelhessischen Faschingskultur, zum Stimmungsmusiker Herr Bärt, der mit dem Schlager «Lass uns fummeln, Pummel» zu zweifelhaftem Ruhm gelangt ist. Sie führen außerdem zum depressiven Sohn des Toten, zu schrecklichen Comedy-Galas, jahrzehntelang totgeschwiegenen Schweinereien, mancherlei Liebeswirrungen, einem Verhör in einer finnischen Feng-Shui-Sauna und am Ende zu einem so dramatischen wie überraschenden Finale.

Mein Interesse an diesem Buch rührte in erster Linie daher, dass ich einfach ein ausgeprägtes Faible für Regionalkrimis habe. Mit Kommissar Bröhmann verschlägt es den Leser nun in die hessische Provinz, die gar nicht so unspektakulär ist, wie sie scheint. Allerdings war mein Start mit Kommissar Bröhmann mehr als holprig. Über gut die ersten 50 Seiten hinweg ging er mir mit seiner „Ich bin ein Nichts, ich kann nichts, habe zu nichts Lust, und weiß auch nicht, was ich wegen meiner abgehauenen Frau und meiner pubertierenden Tochter machen soll, weswegen ich vorsichtshalber gar nichts mache“-Haltung unheimlich auf den Keks. Mit solch einer Einstellung kann ich nichts anfangen und ich war mir daher unsicher, ob ich das Buch durchhalte.
Tja, und dann war es plötzlich drei Stunden später und ich musste langsam mal schlafen. Da hatte ich doch tatsächlich über die Geschichte die Zeit vergessen. Wieso? Vornehmlich, weil sie mit dem für dieses Genre typischen Lokalkolorit aufwartet, über den es sich manches Mal schmunzeln lässt. Aber auch weil speziell die Passagen, in denen sich Bröhmann mit seiner widerspenstigen Tochter, seinem rotznasigen (das ist hier durchaus freundlich gemeint) Sohn und seinem furzenden Hund, sowie einem äußerst gewöhnlichen Schlagersänger auseinandersetzen muss, für so manchen Lacher gut sind. Zudem hat der Kommissar einen bemerkenswert feinen Blick für das Idiotentum der Menschheit, das er pointiert beschreibt.
Natürlich war es aber auch der Fall um den ermordeten Sensenmann, den ich durchaus mit Spannung verfolgt habe. Positiv daran finde ich, dass er zwar schon komplex ist, aber nicht so, dass man nach ein paar Kapiteln nicht mehr durchsteigt. So spielt eine überschaubare Anzahl an Charakteren mit und die Verbindungen unter ihnen sind so angelegt, dass man als Leser gut miträtseln kann, wer den Tod auf dem Gewissen hat. Überrascht hat mich die endgültige Auflösung dann zwar nicht, zumal ich weit vorher bereits mal Verdacht in die Richtung gehegt hatte. Aber es ist ja auch ein ganz gutes Gefühl, wenn man sich nach Ende der Geschichte selber ein wenig auf die Schulter klopfen kann, dass man ähnlich helle ist wie der Kommissar 😉
Das heißt jetzt aber nicht, dass ich mit dem Ende zufrieden bin. Ich hoffe sehr, in Bröhmanns zweitem Fall wird darauf noch mal eingegangen. Es kann / darf einfach nicht sein, dass ein Kommissar den Ausgang so stehenlässt.

Nachdem ich mich mit Bröhmann endlich angefreundet hatte, hätte ich „Toter geht’s nicht“ leicht in einem Rutsch durchlesen können. Dank Witz und Situationskomik macht es einfach Spass, und der Fall hat einen ebenfalls schnell am Haken. Es ist flüssig geschrieben, jedenfalls wenn man sich an gelegentliche Bandwurmsätze gewöhnt hat, und viele Dialoge lockern zusätzlich auf.

Das Covermotiv vereint für mich die wesentlichen Elemente der Geschichte. Es ist ein wenig geheimisvoll-düster wie es sich für einen Krimi gehört. Der Fuchs guckt so lustig aus dem Fell, dass man sofort ahnt, in diesem Krimi hat auch Humor seinen Platz. Und mit dem steinernen Krug und der „schicken“ Tapete wird es auch dem Charme eines Regionalkrimis gerecht.
Sehr klasse finde ich den festen, aber doch flexiblen Kunststoff-Einband. So sieht das Buch im Regal wie ein Hardcover aus, ist aber handlebar wie ein Taschenbuch, bei dem zB. Leserillen keine Chance haben!

Fazit: Nach einem holprigen Start hat mir „Toter geht’s nicht“ ausgesprochen gut gefallen. Ein spannender, aber überschaubarer Fall, bei dem man mitermitteln kann, und ein ordentlicher Schuss Humor. Das ist die Kombination, die mir Regionalkrimis so sympathisch machen. Nur das Ende…wie gesagt, ich hoffe, das wird im nächsten „Bröhmann“-Buch nicht einfach so stehengelassen. Ich freue mich drauf!

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttester Programms.


Titel:  Toter geht’s nicht
Autor:  Dietrich Faber
Seiten:  288
Verlag: Rowohlt (Polaris)
ISBN: 978-3862520244
Preis:  € 13,95 (TB)

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