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Nov 23

Rezension – Geisterfjord (Yrsa Sigurdardottir)

Drei junge Leute aus Reykjavík planen, ein heruntergekommenes Haus in einem verlassenen Dorf in den kargen Westfjorden Islands wieder aufzubauen; sie ahnen nicht, welch gewaltige Ereignisse sie damit in Gang setzen.
In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords ermittelt zur selben Zeit Polizistin Dagný gemeinsam mit Freyr, einem Psychologen, in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich die grausige Wahrheit.

Ich habe aufgrund einer Reihe Vorurteile (ich weiß, sollte man nicht haben, ich habe sie aber) bisher einen weiten Bogen um nordische Krimis und Thriller geschlagen. Doch der Klappentext von „Geisterfjord“ klang so verlockend, dass ich mich doch nach Island gewagt habe. Ich muss zugeben, ich bin begeistert!
Die Handlung spielt abwechselnd in Reykjavík bei der Polizistin Dagný und dem Psychlogen Freyr, für den das Abenteuer mit einem merkwürdigen Einbruch in einen Kindergarten beginnt und dessen Sohn vor Jahren spurlos verschwand, und in einem verlassenen Fjord, wo drei junge Leute ein Hotel errichten möchten und von geisterhaften Erscheinungen heimgesucht werden.
Beide Handlungsstränge haben ihren eigenen Reiz. Freyrs Nachforschungen sind interessant, da ihr Verlauf von dem sonderbaren Einbruch an einen unerwarteten und sehr undurchsichtigen Verlauf nehmen. Zudem spielt hier auch das Verschwinden seines Sohnes mit rein, das mit dem Fall in Verbindung zu stehen scheint, und Freyr zusätzlich belastet und für eine gewisse Dramatik sorgt. Dieser Handlungsstrang bewegt sich Richtung Psychothriller.
Die Kapitel im Fjord  haben hingegen klar den Charakter einer Gruselgeschichte. Der einsame Ort und seine Unwirtlichkeit werden dem Leser deutlich vermittelt. Dazu die unheimlichen Erscheinungen, die einem reinen Gruselroman zur Ehre reichen würden, das sorgt für Gänsehaut. Und natürlich eine Gruppe von Menschen, die zunächst einen festen Zusammenhalt  bilden, bei denen man sich aber Dank der sonderbaren Vorkommnisse bald fragt, wie lange dieser Zusammenhalt noch bestehen wird, und ob nicht gar einer oder mehrere von ihnen etwas zu verbergen haben.
Schnell steht jedenfalls fest, dass die Entdeckungen Freyrs in Reykjavík und in dem Fjord im Zusammenhang zu stehen scheinen. Man beginnt ganz automatisch beim Lesen daran zu knobeln. Manches kann man dabei schließen oder zumindest erahnen, für einige Erkenntnisse muss man sich aber auch bis zum Schluss gedulden, sonst wäre ja auch schnell die Spannung verloren.
Das Ende habe ich mehrmals gelesen ehe ich es richtig durchschaut hatte. Ein paar Fragen bleiben jedoch auch im positiven Sinne offen. Sie laden so noch mal zum Nachdenken und zum Phantasieren ein.

Im Großen und Ganzen hat mir „Geisterfjord“ beim Lesen keine Schwierigkeiten bereitet. Abgesehen von den Ortsnamen und einigen Namen von Charakteren. Irgendwann habe ich aufgegeben und sie so gelesen, wie ich sie auch hätte aussprechen können. Sicher 100%ig falsch, aber diese Methode war zumindest hilfreich. Oder ich bin nach dem Aussehen der Worte gegangen. Also beim ersten Lesen genau angeschaut und dann quasi nach dem Prinzip: „Das Wort sieht so und so aus, ach ja, das ist die und die Stadt.“ Auch das hat mir das Lese erleichtert.

Auch das Cover hatte mich sofort am Haken so unheimlich, verlassen und trostlos wie das Motiv wirkt. Eine wirkungsvolle Mischung aus düsteren und eisigen Farben, und im Kontrast dazu das Rot des Bootes.

Fazit: Mir hat „Geisterfjord“ sehr gut gefallen! Eine äußerst spannende Mischung aus Psychothriller und Gruselgeschichte, die einen -hat man erst damit begonnen- nicht mehr loslässt. Speziell die gruseligen Elemente und Szenen haben mir diesen nordischen Thriller sympathisch gemacht. Nichtsdestotrotz haben meine Vorurteile sich nicht aufgelöst. Ich gehe sehr davon aus, dass nicht jeder Skandinavien-Krimi bzw -Thriller so gruselig sein wird. Leider. Sonst wäre ich sicher schon Fan. „Geisterfjord“ kann ich aber bedenkenlos empfehlen!


Titel: Geisterfjord
Autor: Yrsa Sigurdardotti
Seiten: 356
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596192731
Preis: € 8,99 (TB)

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