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Feb 18

Rezension – Wie ein Flügelschlag (Jutta Wilke)

Ein Stipendium an einem der renommiertesten Sportinternate! Für die sechzehnjährige Jana geht damit ein großer Traum in Erfüllung. Bis sie eines Tages ihre Freundin Melanie leblos im Schwimmbecken findet und sich alles in einen Albtraum verwandelt. Jana will nicht glauben, dass Mel an plötzlichem Herzversagen gestorben ist. Aber egal, an wen sie sich wendet, überall stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Schließlich versucht sie, auf eigene Faust herauszufinden, was hinter den Machenschaften im Internat steckt, und kommt zusammen mit Mels Bruder Mika der schrecklichen Wahrheit auf die Spur …

Ich schätze es sehr, wenn Bücher sich nicht erst mit langen Vorreden bzw Einführungen aufhalten, sondern gleich mit der Geschichte loslegen. Entsprechend hatte „Wie ein Flügelschlag“ im Nu einen Stein bei mir im Brett. Und das, obwohl ich dem Buch einige Zeit (aus unbegründeter Sorge heraus) eher verhalten gegenüberstand.
Allerdings hat es mir dann keine Zeit gelassen, diese Skepsis noch länger zu pflegen. Denn kaum hat man das Ende des ersten Kapitels erreicht, hat man quasi auch bereits eine Leiche vor sich liegen. Nämlich Melanie, Janas beste Freundin am Sportinternat. Jana kann sich mit den fadenscheinigen Erklärungen diverser Leute nicht abfinden und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit um Melanies Tod.
Mir hat Jutta Wilkes Jugendthriller wirklich gut gefallen. Eine sehr spannende Geschichte, die sich nicht „nur“ um den Mord an Mel dreht, sondern die auch verschiedene andere Themen aufgreift und authentisch darstellt. Wie beispielsweise den Konkurrenzkampf, das geradezu fanatische Verhalten einiger Eltern, wenn es um den sportlichen Erfolg des Nachwuchses geht, und natürlich auch ganz wesentlich: das Thema Doping, das im Sport wohl immer irgendwie eine gefährliche Rolle spielt. Es ist schon erschreckend, was man da so liest und so kommt es, dass ich „Wie ein Flügelschlag“ auch bis zum Ende hin als spannend empfunden habe. Was den Mörder angeht, hatte ich ab einem bestimmten Punkt bereits eine Ahnung, die sich später als richtig herausstellte. Doch die Hintergründe und die Gründe für den Mord entschlüsseln sich nur langsam und erst am Ende in ganzer Tragweite. So hat es das Finale noch einmal richtig in sich.
Es ist aber nicht nur der Mord und das Thema Sport, das mich begeistert hat. Als ebenso reizvoll habe ich die Gegensätzlichkeit zwischen Jana und Melanie empfunden. Melanie, die Tochter eines reichen Arztes mit so manchen Allüren, und daneben Jana. Jana, die aus alles andere als reichen Verhältnissen kommt, deren Mutter sich einerseits so sehr an sie klammert, dass Jana das Gefühl hat, in ihrer Nähe kaum Luft zu bekommen, die andererseits aber auch völlig verkatert auf dem Sofa schläft, wenn die Tochter zum Wochenendbesuch kommt. Jana, die mit einem Stipendium an das Sportinternat kam, und die fest davon überzeugt ist, außer Schwimmen nichts wirklich gut zu können.
Dank dieser krassen Gegensätzlichkeit, weiß man nie genau, was man von Melanie halten soll. Und Janas innere Zerrissenheit kommt in diesem Zusammenhang ebenfalls sehr gut rüber und wird einfühlsam beschrieben, so dass man sich leicht in sie hineinversetzen und mit ihr fühlen kann.
Es ist ein Jugendbuch und es hätte mich schwer gewundert, wenn die Liebe hier nicht auch eine Rolle spielen würde 😉 Deshalb: Auftritt Mika, Melanies Bruder, zu dem sich Jana sofort hingezogen fühlt. Doch auch bei ihm stellen sich ihr zahlreiche Fragen in den Weg. Kann sie ihm vertrauen, wo er doch ebenfalls aus dieser äußerlich perfekten Familie stammt, in der alle unter Vaters Pantoffel stehen? Wird er ihr glauben, was sie über Melanies Tod denkt? Und nicht zuletzt auch: kann es überhaupt sein, dass sich ein Junge aus solch reichem Hause für Jana aus der Sozialbausiedlung interessiert? Groß Romantik und Kitsch trifft man in dieser Geschichte daher auch nicht an. Dafür aber eine sehr schöne, zarte Lovestory, die so manches Mal zum Mitleiden und Mithoffen einlädt. Eben einfach süß! Und das ist keineswegs negativ gemeint! Im Vordergrund steht die Story um den Mord an Melanie, und das ist gut so. Jana und Mika sind einfach eine feine zusätzliche Würze.

Ein aus so vielen Gründen spannendes und interessantes Buch liest sich leicht. Zudem erzählt Jana diese Geschichte, was für einen recht lockeren und jugendlichen Ton sorgt. Auch das macht einem das Lesen leicht. Und mit 283 Seiten ist das Buch ohnehin nicht gerade ein Wälzer, sondern hat genau das richtige Format für einen guten und knackigen Jugendthriller.

Ich finde ja, optisch sieht das Buch bzw der Schutzumschlag nicht unbedingt nach spannender Lektüre aus. Eher nach einem leichten und auch fröhlichen Buch für junge Leute. Da darf man sich also nicht täuschen lassen! Mir gefällt diese Gestaltung -speziell nach dem Lesen- jetzt aber gut. Denn so verbinde ich nun etwas mit der Farbgestaltung und den Schmetterlingen. Wer vorher also noch nie etwas von „Wie ein Flügelschlag“ gehört hat und arglos nach dem Buch greift, wird schon beim Klappentext wortwörtlich sein blaues Wunder erleben 😉

Fazit:   Rundum gelungen. Ein sehr spannender Krimi bzw Thriller für Jugendliche, der nicht nur durch den Fall der ermordeten Melanie zu punkten weiß. Auch die Gegensätzlichkeit der beiden Hauptpersonen ist sehr reizvoll, und das Thema Sport, speziell der Schwimmsport, wird sehr glaubhaft beschrieben. Mit all seinen Sonnen-, aber auch Schattenseiten. Eine klare Empfehlung! Auch für die schon etwas älteren Fans spannender Geschichten!


Titel: Wie ein Flügelschlag
Autor: Jutta Wilke
Seiten: 238
Verlag: Coppenrath Verlag
ISBN: 978-3649605669

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