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Mrz 30

Rezension – Du denkst, du weisst, wer ich bin (Em Bailey)

Die Gerüchte um die Neue lassen Olive zuerst völlig kalt. Aber als Miranda und die beliebte Katie das unzertrennlichste Paar der Schule werden, weckt das Olives Aufmerksamkeit. Die sonst so selbstbewusste Katie verblasst regelrecht neben der neuen Schülerin, lässt sich total vereinnahmen und beeinflussen. Olive kommt das sehr unheimlich vor, fast so, als hätte Miranda übernatürliche Kräfte und würde von Katies Wesen Besitz ergreifen. Doch wer glaubt ihr schon? Jeder denkt doch, dass sie unter Wahnvorstellungen leidet. Entweder ist Olive jetzt tatsächlich übergeschnappt oder dieses ganze Gerede über Miranda ist wahr. Vielleicht ist sie doch eine Mörderin?

Um dieses Buch bin ich geraume Zeit herumgeschlichen aus Angst, dass die Geschichte einen übersinnlichen Einschlag haben könnte. „Olive kommt das sehr unheimlich vor, fast so, als hätte Miranda übernatürliche Kräfte und würde von Katies Wesen Besitz ergreifen.“ Dieser Satz ließ mich zögern. Doch dann dachte ich: was draufsteht, das wird auch drin sein. Ein Thriller also.
Den habe ich jedoch genauso wenig vorgefunden wie übersinnliche Ansätze. Dabei lässt sich die Geschichte nicht übel an. Mit Miranda kommt ein sehr seltsames Mädchen an Olives Schule. Sie ist nicht besonders hübsch, sondern eher unauffällig, still und schüchtern. Doch es kursiert das wilde Gerücht, sie habe ihre Eltern umgebracht. Das sorgt für Unruhe und Nervosität. Und dann gelingt es ihr auch noch, Klassenstar Katie vom Thron zu stoßen und ihren Platz einzunehmen. Katie dagegen wird so fadenscheinig wie Miranda es war. Ob da doch übersinnliche Mädchte ihre Finger im Spiel haben? Olive und ihre Freundin Ami gehen dieser Frage nach…
Das ist eine Handlung, die mir durchaus gefallen könnte. Wenn ich nicht die ganze Zeit das Gefühl gehabt hätte, dass auch mit Olive und Ami etwas nicht stimmt. Und zwar nicht im Sinne von „spannend“, sondern von „seltsam und wirr“.  Die beiden kamen mir nie wie normale Teenager vor. Zudem weiß man bis hierher nicht, was sich in Olives Vergangenheit abgespielt hat. Irgendetwas ist passiert, denn dazu gibt es in der ersten Hälfte des Buches immer wieder Andeutungen. Allerdings keine, aus denen man etwas Bestimmtes schließen könnte. So blieb es bei diffusen Vermutungen, was mich beim x-ten Mal wirklich geärgert hat.
Etwa in der Mitte des Buches wird aufgelöst, was mit Olive und Ami nicht stimmt. Diese Auflösung hat mir wirklich gut gefallen! Ich habe mich zwar gefragt, womit sich die andere Hälfte des Buches noch befassen würde, aber es lässt  sich vermuten und mit dieser Auflösung ist auch eine gute Grundlage gegeben.
Dummerweise spielt die dann aber keine Rolle mehr. Es kommt lediglich, was man ohnehin schon ahnt. Nun nämlich gerät Olive in Mirandas Bann. Was ich davon halten sollte, wusste ich wirklich nicht. Olive hatte Miranda im ersten Teil schließlich durchschaut und kämpfte gegen sie. Und jetzt ließ sie sich so leicht vereinnahmen? Nicht gerade glaubhaft und vor allem eben so schrecklich absehbar!
Glücklicherweise hat Olive einen sehr guten Freund, nämlich Lachlan,  der mein Lichtblick in dieser Geschichte war. Er beobachtet Olives „Verfall“ und tut alles um sie aus Mirandas Fängen zu befreien. Und selbst Olive wird Dank ihm schließlich klar, was mit ihr vor sich geht. Um sich von Miranda zu befreien, geht es am Ende wortwörtlich um Leben und Tod. So kommt wenigstens auf den letzten Kapiteln noch etwas Spannung auf.

Mich würde nach diesem Buch übrigens interessieren, ob es die Bezeichnung „Shapeshifter“ für Menschen, die sich benehmen wie Miranda, tatsächlich im wissenschaftlichen Sinne gibt.  Falls ja, will ich nichts gesagt haben. Falls nicht, wovon ich eher ausgehe, klingt es in meinen Ohren albern.

Ich lobe es immer, wenn sich ein Buch flüssig lesen lässt. Ich habe aber bei einer guten Story auch kein Problem damit, wenn es mal nicht so zügig geht und ich mich mehr konzentrieren muss. Leider fand ich diese Story aber nicht gut. Außerdem bin ich immer wieder über Formulierungen -speziell in Dialogen- gestolpert, die Teenager so nie im Leben bringen würden. Möglicherweise liegt das an der Übersetzung, das kann ich nicht sagen, aber es liest sich für mich holprig.

Rosa ist nicht gerade die Thrillerfarbe. Auch so ein Grund, warum ich anfangs an dem Buch zweifelte. Der Ausschnitt mit ein eindringlich blickenden Augen gefällt mir aber gut. Genauso mag ich es, dass das Buch an sich im gleichen Stil gehalten ist

Fazit:  Eine gute Idee, die leider in einem wirren und -in der zweiten Hälfte- unglaubwürdigen Verlauf keine Chance hat für viel Spannung zu sorgen. Hinzu kommt noch, dass „Du denkst, du weisst, wer ich bin“ zwar von einem Teenager erzählt wird, aber im Verhältnis gesehen nur selten auch so klingt. Wie gesagt mag das an der Übersetzung liegen.


Titel: Du denkst, du weisst, wer ich bin
Autor: Em Bailey
Seiten: 346
Verlag: Egmont Ink
ISBN: 978-3863960230
Preis: € 17,99 (HC)

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