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Apr 11

Rezension – Du weißt, wo du mich findest (Rebecca Stead)

Die 12-jährige Miranda führt ein scheinbar völlig normales Leben – Schulstress, schlimmste Feindin und Patchworkfamily inklusive. Bis, ja bis ihr bester Freund Sal ihr eines Tages einfach die Freundschaft kündigt. Denn von da an überschlagen sich die Ereignisse: Plötzlich erhält Miranda mysteriöse Botschaften, die sie vor einem tragischen Todesfall warnen – den nur sie verhindern kann! Doch wer ist derjenige, den sie schützen soll? Und warum kennt der unbekannte Schreiber nicht nur ihre Vergangenheit, sondern offensichtlich auch ihre Zukunft? Für Miranda beginnt ein atemloser Wettlauf gegen die Zeit, denn sie hält das Schicksal eines Freundes in Händen …

Hätte ich diese Rezension direkt nach dem Lesen geschrieben, hätte ich im ersten Satz zugeben müssen, so gut wie nichts von der Geschichte verstanden zu haben.
Dieser Eindruck legte sich erst, nachdem ich noch einige Zeit über die Geschichte nachgedacht hatte. Nachdem ich anhand des Ende die vorangegangenen Ereignisse noch einmal überdacht hatte. Erst in dem Moment ergab sich für mich eine Schlüssigkeit. Und ja, ich muss zugeben, dass Rebeccy Stead eine ungewöhnliche und sehr gut aufgebaute Geschichte erdacht hat. Das zentrale Thema hier ist die Zeit. Wie sie funktioniert, ob man sie beeinflussen kann, welche Auswirkungen sie auf unser Leben hat und was möglich wäre, wenn man Zeitreisen unternehmen könnte. Das ist kein leichtes und auch kein einfaches Thema. Wie man an diesem Buch sieht, noch nicht einmal, wenn es für junge Leser aufbereitet wird.
Trotzdem bleibt es dabei, dass mich „Du weißt, wo du mich findest“ enttäuscht hat. Nach dem Klappentext hatte ich mich auf einen spannenden Kinder- bzw Jugendkrimi eingestellt und gefreut. Ich finde, genau danach klingt er! Nach einer tiefgründigen Geschichte um das Phänomen Zeit klingt er mit keiner Zeile.
Zunächst gab es keinen Anlass, wieso ich diese Erwartung hätte aufgeben sollen. Die Briefe an Miranda sind durchaus mysteriös und auch die Frage, an wen Miranda selber den Brief schreibt, der diese Geschichte ist, war spannend. Doch spannende und mysteriöse Dinge sind nur so lange spannend und mysteriös, wie man ihnen nachgeht. Doch das tat Miranda in meinen Augen gar nicht. Jedenfalls nicht sonderlich intensiv. Stattdessen begleitet man sie in ihrem Alltag mit allem was dazu gehört, von der zusammengewürfelten Familie, über ihre Freundschaften und Ansätze einer ersten Liebe.
Ich habe nichts gegen Geschichten, die sich um diese Themen drehen, ganz sicher nicht! Aber doch nicht, wenn offenkundig ist, dass etwas ganz anderes das zentrale Thema ist und so viele Fragen offen sind wie in diesem Fall! Jedenfalls hatte ich nicht den Eindruck als käme die Geschichte in dieser Hinsicht voran. Ein überraschendes Ende ist etwas Feines, aber es schadet sicher auch nicht, dem Leser auf dem Weg dorthin schon die eine oder andere Antwort oder zumindest eine Andeutung an die Hand zu geben, mit der er arbeiten kann, mit der er für sich Vermutungen anstellen kann. Ich wusste bis zum Schluss nicht, wohin diese „Reise“ führen würde, und darüber kann mich auch kein noch so tiefgründiges und vielschichtiges Ende hinwegtrösten.
Hinzu kommt , dass ich mit dem Erzählstil nicht warm wurde. Miranda ist 12 Jahre alt und meistens erzählt sie auch genau so wie ich es von einem Teenager dieses Alters erwarten würde. Würde diese Erzählweise durchweg gehalten, wäre alles in bester Ordnung. Vielleicht wäre es dann sogar möglich gewesen, schon vor dem Ende zu erahnen, um was es eigentlich geht. Aber immer wieder streut Miranda Aussagen ein, die so erwachsen und fast philisophisch wirken, wie sie niemals von einer normalen 12jährigen kommen würden. Das gleiche gilt für einige ihrer Freunde. Auch da sind einige dabei, die sich mit ihren Überlegungen und ihrer Audrucksweise bei einer philosophischen Debatte nicht hinter den Erwachsenen verstecken müssten. Das ist solch ein Kontrast in der Erzählweise, dass ich darüber mehrfach gestolpert bin und aus dem Fluss kam. Und natürlich stand dabei auch die Frage im Raum: warum überhaupt?
So etwas macht eine Geschichte nicht gerade verständlicher!

Damit habe ich was die Lesbarkeit des Buches angeht schon etwas vorweggenommen. Ich habe das Buch zwar an einem Abend ausgelesen, aber mit 240 Seiten in relativ großer Schrift ist es nicht gerade dick. Ich habe aber bedeutend länger dafür gebraucht als ich dachte. Eben weil ich oft Pausen gemacht, Szenen noch mal gelesen und zurückgeblättert habe auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, um was es eigentlich geht. Und halt auch, weil es mir durch diesen kontrastreichen Erzählstil holprig zu lesen vorkam.

Optisch habe ich dem Buch nichts vorzuwerfen. Mit dem überwiegend roten Look ist es im Regal sehr auffällig. Mit dem Origamifrosch ist eine wichtiges Element der Geschichte mit abgebildet, und die rot beschuhten und schwarz-weiß bestrumpften Füße kann man gut Miranda zuordnen. Jedenfalls wenn man die Story kennt.

Fazit: Zweifellos eine intelligente und für ein Kinder- bzw Jugendbuch außergewöhnliche Geschichte. Ich frage mich allerdings, ob die angepeilte Altersgruppe ab 11 Jahren die Handlung bereits vor dem Ende erfassen und begreifen kann, wenn ich als erwachsener Leser das noch nicht einmal nach dem Ende in Gänze geschafft habe. Man darf jedenfalls auf keinen Fall auf den Klappentext hereinfallen, denn der gaukelt -in meinen Augen- eine ganz andere Art der Geschichte vor.


Titel: Du weißt, wo du mich findest
Autor: Rebecca Stead
Seiten: 240
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570139066
Preis: € 14,99 (HC)

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