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Apr 23

Rezension – Sternenfeuer (01) – Gefährliche Lügen (Amy Kathleen Ryan)

Die 15-jährige Waverly gehört zu den ersten Kindern, die an Bord des Sternenschiffes Empyrean geboren wurden. Jedermann erwartet, dass sie bald ihren Freund Kieran heiraten wird, um eine Familie zu gründen und das Überleben der Menschheit auf der langen Reise zu einem fernen Planeten zu sichern. Waverly liebt Kieran sehr – aber ist sie trotzdem schon bereit, so früh diesen entscheidenden Schritt zu gehen? Das friedliche Leben endet dramatisch, als wie aus dem Nichts das lange verschollen geglaubte Schwesterschiff angreift, die Erwachsenen tötet und alle Mädchen entführt. Während Kieran auf der schwer beschädigten Emphyrean um sein Überleben kämpft, muss Waverly viele Lichtjahre entfernt alles daransetzen, zu ihm zurückkehren zu können …

Nach „Everlasting“ war „Sternenfeuer – Gefährliche Lügen“ mein zweiter Zukunftsroman innerhalb kurzer Zeit. Das ist selten und kam deshalb vor, weil beide Geschichten auch eine gehörige Portion modernes Science Fiction mitbringen. Das hat mir an „Sternenfeuer“ sofort gefallen. Waverly und Kieran leben auf dem Sternenschiff Empyrean mit dem ihre Vorfahren die Reise nach New Earth angetreten haben, wo mit ihren Kindern und Kindeskindern eine zweite Erde „gegründet“ werden soll. Und auf der Empyrean geht es  ausgesprochen modern und zukunftsorientiert zu. Auf jeden Fall in technischer Hinsicht. Interkoms, Shuttels, ein Nav-Sys, Grav-Beutel…ja so mag ich die Zukunft. Wenn ich solche Geschichten lese, dann möchte ich die ganzen finsteren Dystopien gerne fragen: es geht doch, wieso schaffen die Menschen bei euch das dann nicht?
Ein paar Elemente gibt es allerdings auch in „Sternenfeuer“, die einen gewissen Kontrast zu der Moderne bilden. Beispielsweise Hanfhosen oder dass Decken mit einem Webstuhl angefertigt werden. Und auch, dass Waverly und Kieran sich bereits im Teenageralter mit den Themen Heirat und Kinderkriegen beschäftigen müssen. Ja, ich weiß, zum Besten der Menschheit von New Earth, aber trotzdem! Das ist mir schon wieder zu altmodisch. Ich fand es gut, dass es angesichts der ganzen moderne  Zukunftsmusik nicht zu sehr ins Gewicht fällt.
Heirat und eventuelle Kinder sind allerdings sehr schnell Waverlys und Kierans geringste Sorge. Denn unerwartet taucht das verschollen geglaubte Schwesternschiff auf, die New Horizon. Sie greift die Empyrean an, tötet zahlreiche Crewmitglieder und entführt die Mädchen der Empyrean. Dabei werden Waverly und Kieran natürlich getrennt und somit teilt sich auch die Handlung in zwei Stränge auf. Abwechselnd ist man bei Waverly auf der New Horizon und bei Kieran auf der Empyrean, und ihrer beider Leben wandelt sich auf ganz unerwartete Art.
Diese Spaltung hat mir gefallen, da sie konstant Abwechslung in die Geschichte bringt. Beide Handlungsstränge sind für sich interessant. So scheint Waverly zunächst ein wenig bedrohtes Leben zu führen. Natürlich ist immer mal wieder spürbar, dass etwas auf der New Horizon nicht stimmt, dass man mit den Mädchen etwas plant, das wenig angenehm ausfallen wird. Doch oberflächlich betrachtet haben Waverly und ihre Freundinnen wenig auszustehen, so dass ich ab und zu gedacht habe, sie könnten ohne ihren Widerstand ein durchaus annehmbares Leben auf dem Schiff führen. Bis zu einem bestimmten Punkt jedenfalls, der diesen Eindruck schlagartig geändert hat und nach dem ich ihre Rebellion nachvollziehen konnte. Ab diesem Moment habe ich Waverlys Handlungsstrang dann auch als spannend empfunden. Bis dahin jedoch nicht, so dass es sich für mein Empfinden alles ziemlich zog.
Mit Kierans Handlungsstrang ging es mir genauso, auch wenn hier mehr passiert. Kämpfe unter den Jungs auf der Empyrean, die Versorgung der beim Angriff verletzten und erkrankten Erwachsenen, Kierans und Seths Rivalität, die schließlich ausufert. Dabei bleibt es allerdings auch. In erster Linie dreht sich hier alles um ihre Feindschaft, was nicht gerade abwechslungsreich ist. Dagegen hat mich Kierans Entwicklung beeindruckt, die langsam und schleichend vor sich geht und sich in sektenartige Zustände ausweitet. Eine gute Idee, so eine Verbindung zwischen den beiden Schiffen aufzubauen.
Leider wird dabei aber auch ziemlich übertrieben. Womöglich liegt es daran, dass ich mit Religion nichts am Hut habe, aber mir war es deutlich zu viel Religiosität. Da geht Amy Kathleen Ryan wirklich mit dem Brechstange ans Werk. Abgesehen davon, dass es zu der Modernität überhaupt nicht passt, frage ich mich auch, was diese wenig unterhaltsame Keule soll? Belehrung oder eine Art Bekehrung der Leser? Also bitte, das ist ein Jugendbuch!

Ich habe relativ lange für dieses Buch gebraucht. Das lag aber daran, dass es mir nicht spannend genug war, nicht am Schreibstil. In der Hinsicht liest es sich gut und leicht und die Kapitel haben eine Länge, die sich gut für „ein Kapitel vor dem Einschlafen“ eignet.

Das Covermotiv gefällt mir prima, auch wenn sich mir der Zusammenhang mit der Geschichte bislang nicht erschlossen hat. Aber es ist ein Hingucker. Entfernt man den Umschlag hält man ein wunderschön dunkelblau glänzendes Buch in Händen, auf dem man -wenn man es im Licht bewegt- „Sterne“ funkeln sehen kann. Ein Sternenhimmel umschließt außerdem auch jede Kapitelüberschrift.

Fazit:  Mir hat „Sternenfeuer – Gefährliche Lügen“ leider nur mäßig gefallen. Das Futuristische an der Geschichte geht für mich in Ordnung, so etwas mag ich! Aber mir fehlte es insgesamt an Spannung. Die kam nur ganz selten wirklich auf, und das ist für eine Geschichte, der im Grunde eine solche Dramatik zugrunde liegt, einfach zu wenig. Waverlys Part plätschert über weite Teile vor sich hin, Kierans bietet kaum Abwechslung. Ich weiß nicht, ob ich an der als Trilogie angelegten Reihe dranbleibe.


Titel: Sternenfeuer (01) – Gefährliche Lügen
Autor: Amy Kathleen Ryan
Seiten: 432
Verlag: PAN Verlag by Droemer Knaur
ISBN: 978-3426283615
Preis: € 16,99 (HC)

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