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Mai 02

Rezension – Eisblumen (Walter Wolters)

Im Saarland verschwinden drei Mädchen. Gerüchte über einen Mädchenhändlerring machen die Runde. Als die Ausreißerin Sophie sich verfolgt fühlt, sucht sie Hilfe bei zwei Männern: Privatdetektiv und Ex-Profiboxer Bruno Schmidt und dem schrulligen Einzelgänger Engelbert Bloch. Zu spät merkt sie, dass Bloch etwas verbirgt …

Mein Faible für Regionalkrimis hat mich mit diesem Buch nun auch ins Saarland entführt. Das Verbrechen macht vor keinem Bundesland Halt. Abgesehen von einer ganzen Reihe Sätze in französischer Sprache, habe ich dem Krimi auch nichts vorzuwerfen. Ich mag diese Sprache einfach nicht!
Von dieser Kleinigkeit abgesehen habe ich mit „Eisblumen“ aber einen ganz ordentlichen Krimi gelesen.
Zugegeben, die Handlung ist sehr einfach gestrickt. Ex-Boxer Bruno Schmidt, der nun als Privatdetektiv arbeitet, liest eine junge Ausreißerin auf. Kurz darauf kommt es zu einem seltsamen Zwischenfall, einem Angriff auf das Mädchen Sophie, bei dem auch der unscheinbare Engelbert Bloch eine Rolle spielt. Sophie freundet sich mit Schmidt an, doch als sie fürchtet, ihre Flucht könnte ein baldiges Ende finden, macht sie sich auf zu Bloch. Im Gegensatz zu Schmidt mitunter etwas rauhen Sitten, wird sie bei Bloch behandelt wie eine Prinzessin.
Hier laufen also zwei Handlungsstränge parallel, die sich durch die ganze Geschichte hin abwechseln. Da ist einmal der Part mit Schmidt und Sophie, und der mit Engelbert Bloch, in dem Sophie später auch mitwirkt. Sie ist quasi das Bindeglied zwischen den Handlungssträngen.
Der Part mit Schmidt und Sophie ist ausgesprochen unerthaltsam. Hier prallen zwei Generationen aufeinander, da sind freche Dialoge vorprogrammiert. Ich habe dabei einige Male wirklich lachen müssen. Zudem bietet dieser Part auch eine gewisse Abwechslung mit Schmidt Ermittlungen in seinem eigentlichen Fall, dem Kennenlernen seiner beiden Bespitzelten, der Reise durch das Saarland und auch einigen actionreichen Prügel-Szenen, in denen Schmidt mit seinem Boxtalent brilliert. Selbst nach Sophies Flucht ist rund um Schmidt immer noch eine ganze Menge los, was sich vergnüglich liest.
Blochs Part könnte kaum gegensätzlicher ausfallen. Hier wird detailverliebt ein sehr klares Bild dieser Person gemalt. Mit all den Problemen, die sie schon seit Kindheit an quälen, allen Zwangshandlungen, Ticks, (teilweise eingebildeten) Krankheiten und auch ihren krankhaften sexuellen Vorlieben.
Allerdings geschieht dies eben wirklich so deutlich und betont, dass ich relativ schnell Zweifel daran bekam, ob hinter den drei kürzlich im Saarland verschwunden Mädchen wirklich ein Mädchenhändlerring steckt. Bloch ist in dieser Hinsicht einfach ein zu offensichtlicher Verdächtiger.
Da mich einige andere Krimis jedoch gelehrt haben, dass ein solcher Parade-Verdächtige sich später oft als harmlos entpuppt, war ich nie so richtig überzeugt. So leicht macht es doch kein Autor seinem Leser.
Das und die eine oder andere unerwartete Wendung in der Handlung, hielten bei „Eisblumen“ die Spannung bis fast zum Ende hoch. Das hat mich dann im Ganzen nicht überraschen können, aber es gab trotzdem einige Details, die ich so nicht vermutet hätte bzw an die ich bis dahin noch nicht allzu viele Gedanken verschwendet hatte.
Wie von anderen Regionalkrimis gewöhnt spielt eine gewisse Prise Humor und Komik auch bei „Eisblumen“ mit hinein. Nicht nur in Schmidts und Sophies Wortgefechten, sondern auch in den Schilderungen der Gegend, der Leute und Schmidts Leben. Da gibt es oft Anlass zum Schmunzeln, manchmal habe ich sogar herzlich lachen müssen.

Durch den stetigen Wechsel zwischen der Handlung bei Schmidt und Bloch liest sich das Buch ganz abwechslungsreich. Beide Parts sind auf ihre Art interessant, so dass man sie gerne weiterverfolgt. Hinzu kommt der im Schmidt-Teil lockere Ton, der ebenfalls gut unterhält. Die Kapitel sind nicht zu lang. So liest sich „Eisblumen“ leicht und zügig.

Es war das Cover, durch das ich neugierig auf diesen Krimi wurde. Ich fand die Eule so niedlich. Aber ich empfinde das Motiv im ganzen auch sehr passig für einen Regionalkrimi. Ein Einblick wohl in eine Kneipe mit altmodischer Tapete und dunklen Möbeln. Das wirkt so urtümlich, wie ich es von diesem Genre mag.

Fazit: Sicher kein sonderlich komplexer Krimi, aber trotzdem spannend und genretypisch amüsant. Für ein paar vergnügliche kriminelle Lesestunden zwischendurch oder vor dem Schlafen ist „Eisblumen“ eine gute Wahl. Ich bin gespannt, ob Walter Wolters noch weitere Fälle für Schmidt parat hat.

Danke an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Eisblumen
Autor: Walter Wolters
Seiten: 240
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404166503
Preis: 8,99 (TB)

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