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Mai 12

Rezension – Starters (Lissa Price)

Die Body Bank, ein mysteriöses wissenschaftliches Institut, bietet Callie eine einzigartige Möglichkeit, an Geld zu kommen: Sie lässt ihr Bewusstsein ausschalten, während eine reiche Mieterin die Kontrolle über ihren Körper übernimmt. Aber Callie erwacht früher als geplant, in einem fremden Leben. Sie bewohnt plötzlich eine teure Villa, verfügt über Luxus im Überfluss und verliebt sich in den jungen Blake. Doch bald findet sie heraus, dass ihr Körper nur zu einem Zweck gemietet wurde – um einen furchtbaren Plan zu verwirklichen, den Callie um jeden Preis verhindern muss.

Um diese Rezension habe ich mich tagelang gedrückt ohne genau zu wissen, warum eigentlich. Beziehungsweise, weil ich mir die Wahrheit nicht eingestehen wollte. Nämlich, dass mich dieses Buch, auf das ich mich wie wild gefreut hatte seit ich es zum ersten Mal auf der Buchmesse sah, nicht so sehr begeistert hat wie ich dachte.
Das liegt nicht daran, dass es eine weitere Dystopie ist. Dank der Häufung an Büchern dieses Genres gerade, stehe ich diesen finstere Zukunftsvisionen ja recht skeptisch gegenüber. Doch „Starters“ hebt sich in meinen Augen von seinen „Kollegen“ angenehm ab. Es gewährt einen Blick in eine düstere Zukunft mit einer Gesellschaft, die infolge eines Krieges in Arm und Reich gespalten ist, in der es auf der Straße um das blanke Überleben geht und wo die Wohlhabenden in Saus und Braus leben und über modernste Technologien verfügen. Letzteres ist genau der Aspekt, mit dem die Geschichte bei mir punkten konnte. Ich ziehe eben futuristische Ausblicke in die Zukunft den finsteren vor. Die Idee, dass die Alten der Gesellschaft, die Enders, sich den Körper eines jungen Menschen mieten können um sich noch einmal für eine gewisse Zeit jung zu fühlen, hat mir sehr gut gefallen. Das ist mal ein wirklich neuartiger und reizvoller Ansatz.
Mir hat ebenfalls gefallen, dass bei Callie bei der Vermietung ihres Körpers etwas schiefgeht und sie sich plötzlich im Leben einer schwerreichen Ender wiederfindet. Das bildet einen guten Kontrast zu Callies bisher ärmlichen Leben und nimmt so auch den Leser mit in eine moderne und luxuriöse Welt. Eine Szenerie die mir ebenfalls eher liegt als die des grauen Straßenlebens. Natürlich bringt dieser Fehler bei der Vermietung auch Probleme und Gefahren mit sich, was für ein gewisses Maß an Spannung sorgt. Das grauenvolle Geheimnis, dem Callie so auf die Spur kommt, war für mich durchaus schlüssig und auch angemessen grausam. Trotz aller Faszination, die für mich in erster Linie davon auging.
Soweit, so gut. Am Plot habe ich also weiter nichts auszusetzen. Es gibt aber eine Reihe Details, die dafür sorgten, dass mich die Geschichte nicht wirklich gepackt hat. Das beginnt bereits mit Callie selber, die zwar nicht unsymapthisch ist, der ich mich aber nie wirklich nahe gefühlt habe. Beispielsweise beschreibt Lissa Price ihre Hauptperson äußerlich so gut wie gar nicht. Sie hat auch keinen besonders markanten Charakter und spezielle Merkmale / Eigenschaften, und offenbar auch nicht allzu viele Gefühle. Bei so einem Charakter fällt es schwer, sich in ihn hineinzuversetzen oder mit ihm zu fühlen.
Ähnliches gilt für Blake, in den Callie sich verliebt. Auch bei ihm habe ich vergeblich nach echtem Charakter und Gefühlsregungen gesucht.
Ich bin niemand, der nach triefendem Kitsch schreit, aber mit so gezeichneten Figuren eine Lovestory auf die Beine zu stellen, die einen als Leser berührt, das ist mindestens schwierig.
Ebenso wenig stehe ich auf seitenlange Schilderungen und Erklärungen die Situation betreffend, aber bei „Starters“ hätte es selbst für mich gerne mehr davon geben dürfen. So hat mir zB die Idee eines Sporenkrieges wirklich gut gefallen. Endlich mal etwas anderes als Bombenwerferei oder Waffenmetzelei! Daher hätte es mich gefreut, mehr darüber zu erfahren. Was für Sporen genau? Wie verlief die Kontamination? Wie wirkten sich die Sporen genau auf die Menschen aus (außer dass sie daran starben, wenn sie nicht geimpft wurden)? Damit zusammenhängend natürlich auch: welche Wirkung genau hatte diese Impfung? Woraus bestand sie im Detail?
Weiterhin hätte es mich sehr interessiert, wie es zu dieser rigorosen Spaltung der Gesellschaft  in arme Jugendliche und Kinder und reiche Alte kam. Wie es dazu kam, dass die Enders die Starters an den Rand drängten. Auch darauf wird nur in Ansätzen eingegangen, aber ein aufschlussreiches Bild ergibt sich dabei nicht.
Zuletzt -obwohl es noch mehr Details gibt, an denen es mir gefehlt hat, doch ich will es bei den drei wesentlichsten belassen- habe ich es zutiefst bedauert, nicht mehr über den Vorgang des Vermietens zu erfahren. Natürlich, da ist von Geräten, einem Labor usw die Rede, aber wie geht das genau vor sich? Was wird beim Vermieter wie lahmgelegt? Wie gelangt der Mieter in den Körper?
So kommt eine ganze Reihe an „Mängeln“ bzw offenen Fragen bei dieser Geshichte zusammen, die in Summe dafür gesorgt haben, dass ich „Starters“ weder als nägelknabbernd spannend, noch als rasant oder übermäßig erschreckend empfunden habe. Leider. Ich hatte es mir so gewünscht.

„Starters“ liest sich ausgesprochen gut. Die Kapitel haben eine angenehme Länge. Nicht zu kurz, nicht zu lang. Ideal um das Buch häppchenweise zu lesen. Da Callie aus ihrer Perspektive erzählt, ist auch ein relativ lockerer und einfacher Schreibstil gegeben, was das Lesen leicht macht. Da hat mir einerseits gefallen, andererseits frage ich mich, ob die Geschichte mit einem ernsthafteren Stil nicht vielleicht doch mehr Eindruck hinterlassen hätte.

Äußerlich bin ich ja seit dem ersten „Blickkontakt“ mit diesem Buch schrecklich verknallt 😉 Mir gefällt das Schwarz und darin die bläulich-silberne Kontur eines Mädchens. Das ist geheimnisvoll und für mein Empfinden wunderbar futuristisch. Entfernt man den Schutzumschlag, hält man wunderschönes tiefblaues und schimmerndes Buch in Händen. Ja, ich bin hin und weg von diesem Look, ich gebe es zu!

Fazit: Die Grundidee von „Starters“ hat mir sehr gut gefallen und ich habe einige unterhaltsame Leseabende mit dem Buch verbracht. Leider hat es mich nicht so gepackt wie ich es erwartet hatte. Dafür fehlte es mir an Hintergrundinformationen zu den Ideen, die ich an sich richtig cool finde. Beispielsweise den Sporenkrieg oder die Vermietung von Körpern.  Und auch die Gefühlswelt der Charaktere kamen mir zu kurz. So konnte ich nicht wirklich mit ihnen fühlen und auch die Dramatik der Geschichte kam bei mir deshalb nicht zu 100% an.  Ich bin auf den zweiten Teil „Enders“ gespannt und hoffe, dass er in diesen Belangen Boden gutmacht.

Danke an den Piper ivi für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel: Starters
Autor: Lissa Price
Seiten: 400
Verlag: ivi by Piper Verlag
ISBN: 9978-3492702638
Preis: 15,99 (HC)

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