«

»

Jul 07

Rezension – Vertigo (Kristina Dunker)

Eva is sixteen and experiencing all of the excitement of being in love for the first time. And this weekend promises to be special, as she and her boyfriend, Julian, will be spending time at his parents’ country house. Nothing could be more perfect. Except the journey to the country is anything but, and Eva’s dream weekend is turning into a total nightmare. When Eva’s train is delayed, she is unable to pick up Julian. She soon finds herself alone on a forest road late at night—and the witness to a group of teenagers beating a young boy. As she somehow sneaks by unnoticed, she also loses her diary, an incredibly personal book that holds all of her secrets—including details of her visits to a psychotherapist. So when she meets a kindred spirit who shares her demons and seems to know so much, she has to wonder whether he has read her thoughts.

Die letzten Bücher, die ich auf Englisch gelesen habe, waren die „Harry Potter“-Bände. Das ist also schon eine Weile her. Entsprechend unsicher war ich, ob ich nicht aus der Übung bin. Aber ich habe mich getraut. Immerhin ist es ein Jugendbuch. Das konnte  nicht so schwierig werden. Wurde es auch nicht, aber dazu später.
Für meinen Geschmack hat die Geschichte einen etwas ungewöhnlichen Verlauf. Sie lässt sich recht harmlos und leicht an. Eva freut sich auf das Wochenende alleine mit ihrem Freund Julian in der alten Mühle seiner Eltern. Eva mit ihrer Schwärmerei für Julian mochte ich sofort. Es ist einfach schön zu lesen, wie verliebt sie ist und in welch herrlichen Farben sie sich das gemeinsame Wochenende ausmalt. Ab und zu ist es auch kitschig, aber auf eine nette und liebenswerte Art. Es tropft nicht zwischen den Seiten vor.
Doch auf dem Weg zu Julian, der bereits in der Mühle ist, geht einiges schief. Evas Züge haben Verspätung und als sie endlich im Ort ankommt, kann Julian sie wegen einer Verletzung nicht vom Bahnhof abholen. So macht sich Eva nachts alleine auf den Weg durch den Wald. Als Leser spürt man bereits bei ihrer Entscheidung dazu, dass sie verhängnisvolle Folgen haben wird. Schon in diesem Moment hängt die Bedrohung spürbar in der Luft und nimmt zu, je weiter sie in den Wald geht. Die Szenerie ist schön düster beschrieben und Eva schildert ihren Fußmarsch auch recht ängstlich. Da kann man beim Lesen schon eine Gänsehaut bekommen.
Im Wald wird Eva Zeugin, wie eine Gruppe Jugendlicher einen jungen Mann verprügelt. Nicht nur für Eva ein erschreckendes Erlebnis, auch ich war baff. Ich hatte mit allen möglichen Schrecken gerechnet, die auf Eva lauern könnten, aber nicht mit solch einer Szene. Eva überzeugt sich zwar, dass der junge Mann noch lebt, aber in ihrer Angst flieht sie und verliert dabei ihr Tagebuch. Das ist deshalb schlimm, weil Eva ihrem Tagebuch seit langer Zeit alles anvertraut. Beispielsweise auch, dass sie in psychotherapeutischer Behandlung ist. Man erfährt natürlich zuvor, wieso und wie es ihr inzwischen geht. So hat man Vertrauen in sie, dass es ihr inzwischen besser geht. Aber einen leisen Zweifel sät diese Tatsache doch. Das ist nicht nur bei erwachsenen Psychothrillern so. Das funktioniert auch bei Jugendthrillern hervorragend.
Natürlich erzählt Eva Julian von ihrem Erlebnis und damit weicht jegliche Romantik und jeglicher Kitsch aus der Geschichte. Es hat mir direkt weh getan zu lesen, wie Evas Traum vom verliebten Wochenende platzt. Denn Julian reagiert nicht gerade zartfühlend und verständnisvoll.
Übber gewisse Umstände und Zusammenhänge beschlich mich bereits an diesem Punkt ein Verdacht, der sich später als wahr herausstellte. Enttäuscht war ich über diese Vorhersehbarkeit aber nicht. Dafür fand ich die Geschichte bis dahin einfach zu spannend. Aber ich habe mich natürlich gefragt, womit Kristina Dunker die restlichen Seiten gefüllt hat. Eigentlich hätte die Geschichte hier beendet sei können.
Allerdings ist da  noch das Tagebuch um dessen Verlust solch ein Drama gemacht wurde. Dem muss doch eine Beutung zukommen! Um die dreht sich im Wesentlichen der weitere Verlauf der Handlung. Parallel und im Zusammenhang damit, wird der Frage nach dem Warum hinter der Prügelei im Wald nachgegangen, was unerwartet weite Kreise zieht. Das ist zwar auch ganz spannend und das Ende des Buches reicht erneut einem erwachsenen Thriller zur Ehre, aber ein leichtes „Anhängsel-Gefühl“ ist beim Lesen bei mir geblieben. Mit der Bestätigung meiner Vermutung etwa auf Seite 150 war für mich die meiste Luft raus.

Ich gebe zu, ich habe nicht jedes einzelne Wort verstanden. Das muss man auch nicht um die Handlung zu verstehen. Die meisten Worte, die ich nicht kannte, konnte ich aus dem Zusammenhang heraus übersetzen. Eva ist ein 16jähriger Teenager. Sie erzählt locker, wunders wie schwierige Vokabeln begegnen einem nur selten. Für diese Fälle lagen mein zerfledderter Langenscheidt ebenso parat wie das Handy mit der praktischen leo-App. Aber wie gesagt: wenn es hochkommt, habe ich fünf Begriffe nachgeschlagen. Mit einem ordentlichen Schul-Englisch kommt man mit „Vertigo“ gut klar.

Das Cover gefällt mir. Ich mag die Waldszenerie und die Unschärfe, in der sie dargestellt ist. Im Medizinischen ist „Vertigo“ mit „Schwindel, Schwindelgefühl“ zu übersetzen. Dazu passt dieser Wirbel gut, der ein wenig so aussieht wie die Ringe, die entstehen, wenn man einen Stein ins Wasser wirft.

Fazit: Die Geschichte hat einen eigentümlichen Verlauf, denn nach 150 Seiten hätte auch gut Schluss sein können, ohne dass ich etwas zu bemängeln gehabt hätte. Die restliche Handlung wirkte auf mich ein wenig wie ein Anhängsel. Trotzdem hat mir „Vertigo“ insgesamt gefallen. Eva mochte ich sofort. Ich konnte gut mit ihr mitfühlen. Und die Geschichte bleibt spannend bis zum Schluss. Ein sehr ordentlicher Thriller für Jugendliche also.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Vertigo
Autor: Kristina Dunker
Seiten: 232
Verlag: amazon crossing
ISBN: 978-1611090482
Preis: € 7,80 (TB)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: