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Aug 06

Rezension – Schützenkönig (Katrin Jäger)

Niemals hätte Viktoria Latell, Starreporterin beim Berliner Express, sich herabgelassen, eine Geschichte in Westbevern, Westfalen, zu recherchieren. Wäre auf dem Foto des Schützenvereins nicht dieses Tier gewesen, das Viktoria schon einmal gesehen hat. Am Neujahrsmorgen, am Müggelsee. Neben der Leiche der 18-jährigen Sarah. Auf einem Abschiedsbrief. Viktoria reist in die tiefste Provinz. Dort muss sie schockiert feststellen, dass sie mit Westbevern mehr verbindet, als ihr bewusst war. Und dass sie ihre erste Leiche schon vor vielen, vielen Jahren gesehen hat.

„Schützenkönig“ war nun mein zweiter Versuch mit einem Regionalkrimi aus Westfalen. Also meiner eigenen Region.
Leider konnte mich auch dieses Buch nicht überzeugen. Ich weiß, wir Westfalen sind als stur und humorlos verschrien, aber ich wollte die Hoffnung nach dem ersten Fehlgriff nicht gleich aufgeben. Es ist aber auch bei „Schützenkönig“ so, dass der Humor nur selten durchblitzt. Wenigstens ab und zu ein Schmunzeln, viel mehr erwarte ich gar nicht. Doch das war hier eindeutig Fehlanzeige.
Auch wenn ich weiß, dass die Westfalen nicht als Deutschlands unterhaltsamstes Völkchen bekannt sind, so hat mich ihre Darstellung hier gestört. Ich finde es bedenklich, wenn einem nicht mal eine einzige Person aus der Geschichte sympathisch ist. Doch genau das war bei mir der Fall. Hier und da ein sturer und humorloser Vereinsmeier, okay, aber nicht sämtliche mitwirkenden westfälischen Charaktere.
Ich habe mich wirklich gefragt, wie es unter diesen Umständen dazu kommt, dass sich die berliner Journalisten dort wohlfühlen. Wobei diese Wandlung an sich in Ordnung geht, denn ihre anfängliche Arroganz und Überheblichkeit macht sie einem auch nicht gerade sympathisch.
Von daher hat es mir gefallen, dass sich im Laufe der Geschichte ein Zusammenhang zwischen Journalistin Viktoria und dem westfälischen Dorf herauskristallisiert. Dem Image, das einem zuvor von ihr vermittelt wird, tut das ausgesprochen gut. Zum Ende hin mochte ich sie und ihren Kollegen dann wenigstens ein kleines bisschen.
Zuletzt sei noch gesagt, dass ich offenbar ein Faible für „richtige“ Ermittler habe. Für mich gehört die Polizei und / oder ein Detektiv einfach zu einem „echten“ Krimi dazu. Hier mischt keiner davon mit, und Viktorias Nachforschungen habe ich keineswegs als richtige Ermittlungen empfunden. Sie waren seit anfangs und blieben bis zum Ende für mich schlicht journalistische Nachforschungen, und die Geschichte damit nur mäßig spannend. Trotzdem es hier eigentlich ganze drei Fälle auf einmal gibt!

Dass ich mich ziemlich durch „Schützenkönig“ gequält habe, hat also rein inhaltliche Gründe. Ansonsten lässt es sich gut lesen und die Kapitellänge macht es eigentlich zur idealen Vor-dem-Einschlafen-Lektüre.

Ich bin durch das Cover auf das Buch aufmerksam geworden. Es gefällt mir auch immer noch mit dieser Vogel-Darstellung, die durchaus nach Regionalkrimi aussieht. Schön bunt, und die roten Pünktchen im Titelschriftzug sehen glatt nach Blutstropfen aus. Hinter diesem Motiv darf man mit Fug und Recht einen Krimi mit Lokalkolorit vermuten.

Fazit: Ich denke, ich gebe die Westfalen-Krimis auf. Auch „Schützenkönig“ konnte mir diese Kategorie Krimis nicht sympathisch machen. Trotz insgesamt gleich drei Fällen fand ich die Geschichte nicht sonderlich spannend. Zudem erwarte ich von einem Krimi schon, dass auch die Polizei mit von der Partie ist. Am schlimmsten fand ich allerdings, dass ich mit keinem der Charaktere irgendwie warm wurde. Das gehört für mich zu einem guten Buch einfach dazu.
Und nein, ich fühle mich durch „Schützenkönig“ nicht auf den Schlips getreten, weil ich selber Westfale bin 😉


Titel: Schützekönig
Autor: Katrin Jäger:
Seiten: 288
Verlag: blanvalet
ISBN: 978-3442377664
Preis: € 8,99 (TB)

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