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Aug 14

Rezension – Smalltown Girls (Josephine Mint)

Eine kleine Stadt, irgendwo in Deutschland. Hier wohnen Charlie und Lu, Freundinnen seit dem Sandkasten. Die beiden geben ihr Bestes um nicht vor Langeweile zu sterben: Lu hat eine Band, Charlie ist verliebt wie noch nie und freitags wird gefeiert bis zum Morgengrauen. Da stirbt Jakob, Lus wunderbarer Bruder. Ein Unfall? Charlie weiß etwas, das Lu nicht weiß. Und auch nicht wissen will. Es kommt zum Streit und zu einer verhängnisvollen Zugfahrt. Und plötzlich verwandelt sich das Leben der Mädchen in einen Albtrau: Kann es sein, dass auch sie sterben werden?

Gelegentlich gibt es Bücher, bei denen ich gar nicht genau weiß, wieso ich auf sie aufmerksam geworden bin bzw was mich an ihnen eigentlich genau reizt.
So war es bei den „Smalltown Girls“ auch. Das Cover empfand ich als nicht sonderlich Aufmerksamkeit heischend und der Klappentext versprach ebenfalls nicht DIE Story. Jedenfalls für mein Empfinden.
Trotzdem war das Buch an zwei Abenden ausgelesen. Die Story erinnerte mich an die Filmreihe „Final Destination“, die mir prima gefällt. Ich bin gespannt, ob die Auflösung später tatsächlich in diese Richtung zielt.
Bisher ist das noch nicht abzuschätzen. Ich bin nicht einmal ganz davon überzeugt, dass mit Charlie, Lu und Sunshine wirklich etwas Übersinnliches vor sich geht. Es sieht zwar danach aus, aber eindeutig ist es für mich bisher nicht.
Charlie und Lu sind auch total verschieden. So zieht Charlie durchaus Übersinnliches wie eine Prophezeiung  in Betracht. Lu dagegen will davon lange Zeit nichts wissen. Erst als Sunshine auf undurchsichtige Art zu den Freundinnen stößt und vermittelt, denkt Lu über Charlies Theorie zumindest nach.
Diese Gegensätzlichkeit der Freundinnen hat mir gefallen, denn diese so verschiedenen Einstellungen lassen einen zusätzlich grübeln, ob man es mit etwas Übersinnlichen zu tun hat, oder nicht. Jeder von ihnen hat überzeugende Argumente auf Lager. Sympathisch fand ich Charlie und Lu seit Anfang an, und ihre Gegensätzlichkeit sorgt zudem für gewissen Zündstoff.
Mir hat es speziell gefallen, dass man trotz all der mysteriösen Vorkommnisse und bislang unbeantworteter Fragen nie das Gefühl hat, total „im Wald“ zu stehen und nichts zu verstehen. Weder während des Lesens, noch danach. Die Geschichte bietet ein gesundes Maß an Mystery auf und ist nicht so sehr damit überladen, dass man auf jeder Seite ein Detail antrifft, das man in seine Überlegungen einbeziehen muss. Man hat die hauptsächliche Handlung und drum herum eine Hand voll weiterer interessanter Details. Damit kann man knobeln ohne überfordert zu werden.
Verblüfft hat „Smalltown Girls“ mich damit, wie offenherzig es mit manchen Themen umgeht. Charlie will nicht fremdbestimmt sterben. Also nimmt sie ihren Tod selbst in die Hand.
Kommt eine Droge für die unheilvolle Vision infrage? Das lässt sich nur beantworten, wenn man es ausprobiert.
Es ist also sinnig, dieses Buch nur jungen Lesern in die Hand zu geben, die nicht alles für bare Münze nehmen und für nachahmenswert halten.
Für eine Story, die auf einem kleinen Dorf in Deutschland spielt, geht es hier ganz gut zur Sache. Womit mal wieder bewiesen wäre, solche Geschichten funktionieren auch dort ganz ausgezeichnet. Bei mir hatte „Smalltown Girls“ alleine schon durch diesen Schauplatz einen Stein im Brett.
Ich bin also sehr gespannt auf die Fortsetzung! Nur etwas atmsphärischer dürfte es gelegentlich zugehen. Bestimmt Szenen geben das ganz klar her, aber Charlies flapsige Erzählweise untergräbt es leider oft.

Dabei mag ich ihren Erzählstil wirklich! Er ist mit dafür verantwortlich, dass ich „Der Tod kommt selten allein“ so schnell ausgelesen hatte. Jugendlich, sehr locker und flott weg. Da ist Tempo drin und entsprechend zügig und unterhaltsam liest es sich.

Auch wenn mich das Cover nicht vom Hocker gehauen hat, so gefällt es mir doch. Ich mag das kräftige Violett und die Darstellung der Mädchen, deren Körper unterhalb des Gesichts mit in den Hintergrund einfließen. Rund um die Köpfe sieht das Motiv ein wenig wie ein sehr altes Dokument oder Bild aus. Das hat einen gewissen Charme.

Fazit: Mir hat dieser erste Teil der „Smalltown Girls“ sehr gut gefallen. Sie Reihe lässt sich vielversprechend an. „Der Tod kommt selten allein“ ist spannend, geheimnisvoll und rasant. Eine prima Mischung für einen Jugendthriller. Ich traue der Reihe noch so manche Überraschung zu. Deshalb freue ich mich auch schon darauf, im November zu den drei Mädchen in ihr kleines Dorf zurückkehren zu dürfen.


Titel: Smalltown Girls (01) – Der Tod kommt selten allein
Autor: Josephine Mint
Seiten: 256
Verlag: Beltz & Gelberg
ISBN: 978-3407811066
Preis: 14,95  (HC)

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