«

»

Sep 26

Rezension – Night School – Du darfst keinem trauen (C.J. Daughtery)

Wenn nichts ist, wie es scheint, wem kannst du dann vertrauen? Das spurlose Verschwinden ihres Bruders hat Allie aus dem Gleichgewicht gebracht. Sie rebelliert und ihre Eltern schicken sie auf das Internat Cimmeria, wo nicht einmal Handys erlaubt sind. Schon bald findet sie Zugang zu einer Clique und wird von zwei Jungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, umworben. Auf Cimmeria häufen sich eigenartige Vorfälle, und als ein Mord geschieht, gerät Allie selbst unter Verdacht. Auf der Suche nach dem wahren Mörder stößt sie zufällig auf eine mysteriöse Verbindung ihrer Mutter zur Schule und gerät selbst in Lebensgefahr. Kann sie überhaupt noch irgendjemandem trauen?

Manchmal habe ich das Gefühl, einige Bücher wittern, wenn sie nahe am Abbruch stehen und legen dann richtig los um es zu verhindern. Das ist natürlich Quatsch, aber „Night School“ wäre eines der besten Beispiele dafür.
Während des ersten Drittels habe ich so manches Mal gedacht, dass aus diesem Buch und mir nichts werden wird. Dabei fängt es vielversprechend an. Die rebellische Allie auf einem strengen Internat wie Cimmeria, das hatte ich mir durchaus interessant und unterhaltsam vorgestellt. Allerdings war Allies Widerspenstigkeit bis auf einen Spruch hier und da verschwunden, kaum dass sie in die Schuluniform geschlüpft war.
Zudem blieben mir sämtliche Charaktere während dieses ersten Drittels zu schlicht. Keiner hatte auch nur ansatzweise Charakter. Dafür fehlten halt diese gewissen Ecken und Kanten und Besonderheiten, die eine Person ausmachen. Allie, die Neue, Jo, die gute Freundin, Silvain, der galante Verehrer, Carter, der Sonderling, um die wichtigsten aufzuzählen. Aber mehr war es nicht, und das reicht mir nicht um einen Draht zu Charakteren zu finden, um mit ihnen zu leiden oder mich mit ihnen zu freuen.
Ein weiterer Knackpunkt bis hierher war, dass es der Geschichte nicht gelang Spannung aufzubauen. Okay, man weiß halt, dass da etwas an Cimmeria nicht stimmt. Das wird schließlich auch erwähnt. Aber keine Szene, die Spannung oder ein Schaudern hätte erzeugen können, nutzt dieses Potenzial auch nur ansatzweise aus. Dabei gibt es Gelegenheiten genug! Ich bin wahrlich kein Fan von seitenlangen, blumigen Beschreibungen um Atmosphäre aufzubauen, doch so viel muss es ja auch nicht sein. Aber etwas eben doch! Daran fehlt es hier allerdings an allen Ecken und Enden.
Ich hatte mich also quasi schon damit abgefunden, dass „Night School“  so weiter vor sich hin plätschern würde, da vollzog das Buch eine 360-Grad-Wendung. Und zwar tatsächlich in jeder Hinsicht.
Plötzlich gewannen die Charaktere an Tiefe, so dass ich mit ihnen fühlen konnte, und die mutige und rebellische Allie war zurück.  Plötzlich bekam ich Passagen zu lesen, die spannend erzählt wurden. Plötzlich gewann die Geschichte an Tempo und Dramatik. Plötzlich freute ich mich darauf, am kommenden Abend weiterzulesen und zu erfahren, was in Cimmeria vor sich geht.
Das wird in diesem ersten Band natürlich nicht aufgeklärt, schließlich ist / wird „Night School“ eine Serie. Doch es werden interessante Grundsteine für den weiteren Verlauf gelegt und es deutet sich klar an, dass die Story einen spannenden und komplexeren Verlauf nehmen wird, als es sich nach dem ersten Drittel vermuten lässt.
Ab und zu habe ich aber doch daran gezweifelt, dass „Night School“ ohne jede Übersinnlichkeit auskommt. Die Möglichkeiten, der Geschichte einen Schliff in diese Richtung zu geben, sind recht reichhaltig gestreut. Doch toi-toi-toi, bisher bleibt sie ganz in der Realität, und dass C.J. Daughtery dieser Verlockung nicht nachgegeben hat, finde ich klasse. Es wäre so leicht gewesen!

Anfangs hat sich „Night School“ für mich recht leicht gelesen und ich sah auch keinen Anlass, weshalb ich mich mehr darauf konzentrieren sollte. Das legte sich dann aber, als die Geschichte „griffiger“ wurde. Da habe ich mir dann mehr Zeit zum Lesen genommen, einfach weil es plötzlich komplexer wurde und ich nichts verpassen wollte,  und weil so die Atmosphäre besser bei mir ankam. Insgesamt lässt sich „Night School“ aber schon leicht lesen. Und die Kapitel haben eine ganz angenehme Länge.

Das Covermotiv gefällt mir sehr gut. Es sprach mich direkt beim ersten Sehen an. Ich mag das kräftige Blau in Kombination mit dem Schwarz,  das für mich die ideale Thriller-Farbe ist. Und es gefällt mir ebenfalls, dass das Mädchengesicht hier nicht mehr als ein Schattenriss ist.

Fazit:  Es stand nicht gut um „Night School“, doch plötzlich bekrabbelte die Geschichte sich in jeglicher Hinsicht. So habe ich das Buch doch noch gespannt ausgelesen und freue mich auf den nächsten Teil. Hier spinnt sich eine interessante Reihe an, die wohl in Richtung geheimer Bruderschaften und / oder Geheimgesellschaften zu gehen scheint. Wer sich also -wie ich- nicht auf Anhieb mit „Du darfst keinem trauen“ anfreunden kann, der sollte ihm Zeit geben. Es lohnt sich!

Vielen Dank an den Oetinger Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Night School (01) – Du darfst keinem trauen
Autor: C.J. Daughtery
Seiten: 464
Verlag: Oetinger Verlag
ISBN: 978-3789133268
Preis: € 17,95 (HC)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: