«

»

Okt 14

Rezension – Spiel des Lebens (Veit Etzold)

Willkommen im Spiel des Lebens, Emily. Du hast die Wahl. Sieg oder Tod, liest Emily völlig fassungslos auf dem zerknüllten Zettel in ihrer Hand, und damit geht der Horror los. Ein Psychopath jagt sie durch ganz London und stellt sie vor unbegreifliche Rätsel. Falls sie diese nicht in der vorgegebenen Zeit löst, gibt es einen Toten. Der Killer treibt Emily an den Rand des Wahnsinns. Wer ist dieser Irre? Und warum hat er ausgerechnet sie für sein mörderisches Spiel ausgewählt?

Vor einiger Zeit habe ich von Veit Etzold seinen Thriller „Final Cut“ gelesen, der mir leider nicht so gut gefallen hat wie ich es erwartet hatte. Deshalb war ich sofort neugierig auf „Spiel des Lebens“. Denn Jugendthriller liegen mir meist eher und die Geschichte klang ebenfalls ganz interessant. Wenn auch nicht ganz neu. Ich komme nicht auf den Titel, aber ich meine, es gibt einen Film, in dem ein Mann durch eine Stadt gehetzt wird, telefonisch immer neue Aufgaben gestellt bekommt und wo ebenfalls etwas Schlimmes geschieht, wenn er sie nicht löst…
Wie dem auch sei, mein Interesse an „Spiel des Lebens“ war trotzdem geweckt. Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Mit Emily wurde ich schnell warm und ich konnte ihre Aufregung am ersten Tag im College gut nachempfinden. Auch ihre Freundin Julia mochte ich mit ihrer burschikosen Art und der großen Klappe sofort, und Ryan war mir ebenfalls sofort sympathisch. Bei ihm hätte ich mir nur gewünscht, dass auf ihn etwas mehr eingegangen worden wäre. Auch wenn er nett ist und gut aussieht, vom Charakter her erschien er mir etwas zu flach.
Kaum haben die drei Freunde allerdings ihre Collegezeit angetreten, da erhält Emily die bedrohliche Nachricht mit dem Willkommensgruß im „Spiel des Lebens“.
Von nun an hat Emily keine Ruhe mehr und auch als Leser kommt man nur ganz selten dazu, mal ruhig und entspannt durchzuatmen. Der Verrückte hält stets neue Rätsel für Emily bereit, demonstriert ihr, was geschieht, wenn sie eines nicht löst, und scheucht sie so quer durch London. Mir hat es dabei gefallen, dass diese Rätsel keine „Kinkerlitzchen“ sind, die man im Nullkommenichts löst. Hier ist schon Köpfchen gefragt und ich war -zugegeben- bei den ersten Rätseln schlicht aufgeschmissen. Weniger gut fand ich dagegen, dass einige Rätsel auf Englisch sind. Mir ist klar, dass die deutsche Übersetzung längst nicht so wirkungsvoll gewesen wäre, aber ich habe neun Jahre Englischunterricht hinter mir und kannte einige Vokabeln gar nicht, so dass ich nachschlagen musste. Das hat mich dann doch etwas aus der Geschichte herausgebracht, was ich schade fand. Gut, bei einer so temporeichen Story fällt der Neueinstieg nicht schwer, aber trotzdem! Und wie werden die Teenager dann damit klar kommen, für die das Buch empfohlen wird?
Da ich England und London sehr mag, hat es mich gefreut, wie anschaulich Veit Etzold die Stadt beschreibt. Egal, wohin der Verrückte Emily hetzt, ich konnte mir die Szenerie immer gut vorstellen. Und es gibt nun ein paar Orte, die ich mir gerne mal ansehen würde, sollte ich mal wieder nach London kommen. Wenn auch vielleicht nicht gerade die Londoner „Unterwelt“. So wunderbar bedrohlich und düster sie beschrieben wird, vor ihren Bewohnern würde ich mich wohl gut gruseln. Auch im Buch haben die Szenen mit den „Squattern“ bei mir für manche Gänsehaut gesorgt.
Sonst hätte ich mir hier und da doch etwas mehr Atmosphäre gewünscht. Ich habe nach dem Lesen eine ganze Zeitlang überlegt, woran es mir bei diesem Buch gefehlt hat. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass mir etwas fehlte. Spannung konnte es nicht sein, denn spannend ist die Story. Sie hat Tempo und ist sehr clever erdacht. Bleibt also nur die Atmosphäre. So Szenen wie Emilys Gefangenschaft im Keller oder auch ihre unheimlichen Träume hätten für mich gerne noch eine Spur eindringlicher erzählt sein können.
Da neben Emily und Julia nur wenige Charaktere mitwirken, lädt die Geschichte dazu ein, sich selbst auf die gedankliche „Suche“ nach dem Irren zu machen und über ein mögliches Motiv nachzudenken. Dass es ein komplett Außenstehender ist, hatte ich schnell ausgeschlossen. Dafür steht er ganz offensichtlich zu eng mit ihr in Verbindung. Doch mein Verdacht hat sich ein paar Mal geändert, und derjenige welche, der es dann ist, war meine letzte Vermutung. Dafür hatte ich mir das Motiv so ähnlich bereits vorgestellt. Die Geschichte leitet einen also gerne mal in die Irre, aber nach und nach kann man den Täter und sein Motiv trotzdem schlussfolgern.

Die Handlung erstreckt sich über gerade mal neun Tage, die nochmal in einzelne Kapitel unterteilt sind. Die Kapitel sind nicht sehr lang und zwischendrin gibt es immer wieder „Einschübe“ aus Sicht des Verrückten. So liest sich das Buch recht zügig und abwechslunsgreich.

Mir gefallen die violetten Lichtspiele auf dem Cover sehr gut, und der Bildausschnitt mit Emily als Scherenschnittgestalt in einem U-Bahn-Gang passt prima zur Geschichte. Am coolsten finde ich aber die Skyline von London, die auf dem Schnitt aufgedruckt ist. Das hat was! Auch wenn ich beim Lesen manchmal dachte, am Rand der Seite wären irgendwelche Fussel. Denn auf einer Seitenkante ist der Bildausschnitt ja kaum mehr als ein Schatten.

Fazit: Dieses Buch von Egmont Ink hat mich zwar nicht die Nächte durchlesen lassen, aber ich habe zumindest zwei Abende bis in die Nacht hinein daran gelesen. Ein wirklich spannender und temporeicher Jugendthriller mit Köpfchen! Ich würde mich freuen, wenn es von Veit Etzold nochmal wieder einen Jugendthriller geben würde. Nach dem Ende dieses Buches stehen die Chancen da gar nicht so schlecht, denke ich 😉

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms.


Titel: Spiel des Lebens
Autor: Veit Etzold
Seiten: 352
Verlag: Egmont Ink
ISBN: 978-3863960483
Preis: 14,99 (Broschiert)

1 Kommentar

  1. belarie

    Mir fällt da spontan einer der StirbLangsam-Teile ein: „Simon sagt…“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: