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Okt 23

Rezension – Anna und die flüsternden Stimmen (Sabine Städing)

Zusammen mit ihrer Familie muss die 15-jährige Anna ausgerechnet in einem Kaff namens Qual Urlaub machen. Wenn der Name mal nicht Programm ist – Doch dann lernt sie den süßen Tjark kennen und da ist Herzklopfen angesagt! Aber auch sonst sind die Ferien alles andere als langweilig: Anna wird nachts von flüsternden Stimmen geweckt und im Gewitter begegnet ihr ein unheimlicher alter Mann, der urplötzlich wieder verschwindet. Kann es sein, dass es in Qual spukt? Tjark erzählt Anna, dass sich merkwürdige Geschichten rund um das Gelände neben dem Ferienhaus ranken, auf dem früher eine Lungenheilanstalt untergebracht war. Ein Arzt namens Hasselreuther hat dort Kinder behandelt, die an Tuberkulose erkrankt waren, und wird seitdem im Ort geradezu verehrt. Doch dann entdeckt Anna, dass es eben jener Dr. Hasselreuther war, der ihr im Gewitter begegnet ist! Anna stellt Nachforschungen an und findet Erstaunliches über den Arzt heraus. Doch je näher sie der Wahrheit kommt, desto stärker gerät sie in den Sog eines uralten Fluchs.

Nachdem ich „Magnolia Steel“ von Sabine Städing so toll fand, war ich sehr gespannt auf diesen neuen Roman von ihr.
Während „Magnolia Steel“ mehr eine Fantasygeschichte war, verbirgt sich zwischen den Deckeln von „Anna und die flüsternden Stimmen“ eine romantisch angehauchte Schauergeschichte.
Auch dieses Buch hat es mir wieder sehr leicht gemacht, mich einzufinden. Anna mit ihrer frechen Klappe hatte mir sofort gefallen, und auch ihre Familie mitsamt dem nervigen kleinen Bruder war mir soforty sympathisch. Und ich konnte Anna mit ihren Vorbehalten gegenüber den Ferien in Qual nur zu gut verstehen. An ihrer Stelle wäre ich auch sauer gewesen.
Doch kaum hat Anna sich deshalb beim Leser ausgeschimpft, nimmt die eigentliche Geschichte Anlauf. Zunächst in Gestalt des gutaussehenden Tjark, der Anna ihren Urlaub gleich etwas entspannter sehen lässt. Nach und nach entspinnt sich zwischen ihnen eine wirklich schöne Liebesgeschichte, die aus verschiedenen Gründen niemals im Kitsch versinkt.
Zunächst einmal sind da natürlich die unheimlichen Ereignisse, die Anna schon in der ersten Nacht widerfahren und die bald ungeahnt weitreichende Folgen nach sich ziehen. Dazu muss man schon sagen, dass „Anna und die flüsternden Stimmen“ durchaus seine schaurigen bis wirklich gruseligen Szenen hat. Speziell Friedhofsgeist Goedeke Hein hat mir die eine oder andere Gänsehaut beschert. Aber auch andere Elemente steuern ihren schaurigen Teil zur Geschichte bei. Welchen besserne Ort könnte man sich für eine Gruselgeschichte vorstellen als ein altes, verfallenes Klinikgebäude? Wo wäre eine Seance noch stimmungsvoller als nachts in einem Moor? Es gelingt Sabine Städing wirklich ausgezeichnet, die jeweile Atmosphäre heraufzubeschwören, so dass man sofort von diesen Szenen gefangen genommen wird.
Mir hat aber auch allgemein die Atmosphäre von „Anna und die flüsternden Stimmen“ prima gefallen. Auch wenn es „nur“ die Ostsee ist, an der Anna ihren Urlaub verbringt, die anschaulichen Schilderungen beschwören sofort eine Szenerie mit rauher See herauf. Vielleicht gelingt es dem Buch ja so, junge Leser für einen vermeintlich langweiligen Ostsee-Urlaub zu begeistern 😉
Spannend genug dafür ist es auf jeden Fall und ich habe mich bei manchen Szenen ehrlich gefragt, ob ich in dem Moment so tapfer gewesen wäre wie die beiden, oder ob ich Qual nicht schleunigst verlassen hätte. Zunächst beschränkt sich die Spannung auf die Handlung im Hier und Jetzt, auf Annas und Tjarks Nachforschungen. Doch bald schon führen diese Nachforschungen sie in die Vergangenheit, in die Zeit, als die Klinik noch als solche genutzt wurde. Und so wird es auch in der Vergangenheit spannend, denn natürlich möchte man wissen, was sich damals dort zugetragen hat. Obwohl ich sonst kein Fan von Geschichten bin, die so weit zurück in der Vergangenheit spielen, so hat mir diese Mischung hier prima gefallen.
Zuletzt sei noch erwähnt, dass „Anna und die flüsternden Stimmen“ auch immer mal wieder sehr witzig ist. Anna hat -wie gesagt- eine ziemlich große Klappe, und auch über die Streitereien zwischen ihr und ihren Bruder Joschi habe ich manches Mal herzlich gelacht.

Da Anna selbst die Geschichte erzählt, liest sich das Buch jugendlich locker und zügig weg. Mir hat dieses Teenager-Ton gefallen, der typisch für diese Altergsgruppe ist, und damit wohl auch für die Mehrheit der Leser. Sie werden sich in vielen Aussagen und manchen Sprüchen sicher wiederfinden und so Spass beim Lesen haben und sich in Anna hineinversetzen können. Eine durchweg gleichmäßige und angenehme Kapitellänge lädt zum „häppchenweisen“ Lesen ein.

Das Cover mit diesem Blau, den Lichtspielereien und den feinen Ornamenten im Hintergrund gefällt mir ebenfalls. Es hat etwas sehr Märchenhaftes und verspricht eine spannende und phantasievolle Geschichte.

Fazit:  Mir hat „Anna und die flüsternden Stimmen“ sehr gefallen. Eine spannende, schaurig-romantische Geschichte mit einer dichten und wunderschönen Atmosphäre, die mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen hat. Meine Empfehlung für junge Leserinnen, die solche Geschichten mögen!

Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Anna und die flüsternden Stimmen
Autor: Sabine Städing
Seiten: 253
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3414821140
Preis: € 12,99 (HC)

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