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Okt 26

Rezension – Griessnockerlaffäre (Rita Falk)

»Die Beerdigung von der Oma ist an einem Donnerstag. Es ist nieselig und grau und wir stehen bis zu den Knöcheln im Friedhofs-Batz. Trotzdem ist beinah die ganze Gemeinde gekommen. Sie war halt auch äußerst beliebt, die Oma, das muss man schon sagen …«

Keine Angst. Es ist nicht die Eberhofer Oma! Aber in Niederkaltenkirchen ist auch so einiges los. Im Polizeihof Landshut wird ein toter Polizist gefunden. Der Letzte, der mit dem Barschl zu tun hatte, war der Franz. Nun war der Tote ausgerechnet sein direkter Vorgesetzter – und absoluter Erzfeind. Blöderweise handelt es sich bei der Mordwaffe auch noch um Franz’ Hirschfänger. Sieht also nicht gut aus für den Eberhofer!

Kaum war Band 4 dieser Reihe erschienen, steckte auch schon meine Nase zwischen den Seiten. Als Eberhofer-Fan einfach Pflicht!
Die „Griessnockerlaffäre“ hat es aber ganz speziell in sich! Denn niemand anderes als Kommissar Franz Eberhofer, der Sherrif von Niederkaltenkirchen persönlich, steht im Mittelpunkt dieses Falles. Er soll seinen verhassten Vorgesetzten aus Landshut ermordet haben, und leider fehlt ihm wegen übermäßigem Alkoholgenuss am Tatabend jegliche Erinnerung.
Dennoch ist er überzeugt, es nicht gewesen zu sein und macht sich daran, dies auch zu beweisen.
Vielleicht liegt es genau daran, dass Eberhofer selber im Verdacht steht, dass dieser vierte Band bei mir viel eher den Eindruck eines Krimis hinterlassen hat als seine Vorgänger. Ich finde, hier ist man viel häufiger bei Ermittlungen dabei, die man auch tatsächlich als solche bezeichnen kann. Das macht die Geschichte spannend, denn natürlich war auch ich überzeugt, Eberhofer müsse unschuldig sein und wollte unbedingt wissen, ob und wie er das beweisen würde. Und wenn er es nicht war, wer war es dann? Wie findet Eberhofer das heraus? Ja, ich habe mir bei diesem Band häufiger solche Fragen gestellt als bei den Vorgängern. Da hat mich dann und wann mehr der nächste chaotische Einkauf mit der Oma oder der nächste desaströse Musikabend vom Papa interessiert 😉
Ich muss ja fairerweise zugeben, dass die Ermittlungen in Band 1 bis 3 oft nicht so deutlich im Vordergrund standen. Das habe ich zwar nie als Kritikpunkt empfunden, aber ich weiß, es gibt Leser, die das anders sehen. Die werden bei Band 4 nun sicher staunen, denn Eberhofer kann auch richtig ernsthaft ermitteln. Wenn auch manche Methoden und die eine oder andere Eskapade dabei sicher alles andere als nach Dienstvorschrift ist.
Doch das gehört halt einfach zu dieser Figur und zumindest mir ist sie gerade deshalb so sehr ans Herz gewachsen. Und natürlich bringt genau sowas auch die nötige Komik in die Geschichte. Zum Lachen gibt es auch in der „Griessnockerlaffäre“ wieder einiges. Franz bleibt eben Franz und seine Kollegen und Spezis aus dem Dorf sind nun mal schräge Unikate.
Und auch die liebe Familie treibt ihn wieder manches Mal schier in den Wahnsinn, was ebenfalls für Lacher gut ist.
Man muss aber ganz ausdrücklich sagen, dass familiär dieses Mal auch ernstere Töne angeschlagen werden. Natürlich verpackt in Franz schnodderige Erzählweise, aber es klingt schon deutlich durch. Nur bleiben Eberhofers eben auch dabei typisch Eberhofer! Mir hat dabei sehr gefallen, dass so deutlich wird, wie sehr diese Familie eigentlich aneinander hängt. Trotz aller Querelen, die immer wieder auftauchen. Aber man spürt halt auch den Zusammenhalt und die Zuneigung, die im Hause Eberhofer herrscht.

An Franz‘ charakteristischer Erzählweise hat sich nichts geändert! Entsprechend locker und flott liest sich die „Griessnockerlaffäre“. Wer relativ neu dabei ist, stolpert womöglich noch über vereinzelte Dialektworte, aber für den geübten Eberhofer-Leser dürften die kein Problem mehr darstellen. Für mich macht auch gerade diese Erzählweise das Besondere an diesen Krimis aus. Keine andere würde den Geschichten so gut stehen!

Das Cover reiht sich wunderbar in die Reihe ein. Auf den ersten Blick wirkt es wieder schön urig bayerisch mit dem Oktoberfestherzen und der Milchkanne, doch die überaus scharfe Heckenschere lässt spätestens auf den zweiten Blick durchblicken, dass man tatsächlich einen Krimi in Händen hält.

Fazit:  Ein absolut würdiger vierter Band, der dieses Mal viel eher den Krimi erkennen lässt. Dennoch ist natürlich auch wieder für typischen Spass á la Eberhofer gesorgt. Für Fans der Reihe eine klare Empfehlung! Ich freue mich schon jetzt auf Franz‘ nächsten Fall! Astrein!

Danke an den dtv für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Griessnockerlaffäre – Ein Provinzkrimi
Autor: Rita Falk
Seiten:  240
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423249423
Preis:  € 14,90 (broschiert)

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