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Okt 29

Rezension – Abgeschnitten (Sebastian Fitzek / Michael Tsokos)

Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet im Kopf einer monströs zugerichteten Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Hannah wurde verschleppt – und für Herzfeld beginnt eine perverse Schnitzeljagd. Denn der psychopathische Entführer hat eine weitere Leiche auf Helgoland mit Hinweisen präpariert. Herzfeld hat jedoch keine Chance, an die Informationen zu kommen. Die Hochseeinsel ist durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten, die Bevölkerung bereits evakuiert. Unter den wenigen Menschen, die geblieben sind, ist die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat. Verzweifelt versucht Herzfeld sie zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Doch Linda hat noch nie ein Skalpell berührt. Geschweige denn einen Menschen seziert.

Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass auf dem Cover dieses Fitzek-Buches „Thriller“ statt „Psychothriller“ steht. Das ist wichtig zu wissen, da man sich sonst womöglich eine falsche Vorstellung davon macht und am Ende enttäuscht ist.
Wer es weiß, der kommt mit „Abgeschnitten“ auf jeden Fall auf seine Kosten. Denn vom kleinen Genre-Unterschied abgesehen, hat auch diese Geschichte alles, was einen Roman von Sebastian Fitzek für mich auszeichnet.
Wie etwa die Handlung, die nicht zu komplex  und recht geradlinig ist. Hier hat man im Wesentlichen zwei Handlunsstränge mit Herzfeld auf dem Festland und Linda auf Helgoland, die aber beide in einer engen Verbindung zu einander stehen. Es gibt zwar auch eingeschobene Kapitel, die an anderen Orten und bei anderen Personen spielen, doch sie verwirren nicht. Sie laden zum Knobeln ein und man hat auch hier allen Grund zum Schaudern und Mitfiebern, aber sie lenken nicht von der Handlung um Herzfeld und Linda ab.
Doch ganz gleich, wo die Geschichte gerade spielt, spannend ist sie immer. Dadurch, dass Lindas Part zum großen Teil in der Pathologie des Inselkrankenhauses spielt, hat man obendrein auch noch gut Gelegenheit zum Schaudern. Manche Szene kann man guten Gewissens als gruselig bezeichnen. So sehr, dass ich mich den Abend in meiner eigenen Wohnung unwohl gefühlt habe 😉
Es hat bei Linda allerdings eine Weile gedauert bis ich mich mit ihr angefreundet hatte, doch nach ein paar frechen und coolen Sprüchen mochte ich sie dann doch. Da bin ich mit Herzberg deutlich schneller warm geworden. Vielleicht, weil ich bekanntlich immer besser mit männlichen Figuren klarkommen? Dafür gefielen mir die beiden wichtigsten Nebencharaktere so richtig gut: dieses scheinbar so stille Wasser Ingolf von Appen, der sich als dermaßen cool heraustellt, und Ender, den sympathischen Hausmeister der Klinik und Deutschlands Hoffnung auf den Comedy-Thron des nächsten Jahres, der sich so tapfer schlägt.
Sebastian Fitzek hat dieses Roman zusammen mit Michael Tsokos geschrieben, der als Pathologe an der Berliner Charite arbeitet. Er hat unüberlesbar sein Fachwissen beigesteuert. Das ist nicht nur interessant, sondern macht das Gelesene auch glaubhaft.
Gewisse Zweifel habe ich jedoch noch immer, ob eine ferngesteuerte Obduktion durch einen Laien so gut funktionieren kann. Vermutlich ist Linda ein Naturtalent und Herzberg ein begnadeter Lehrer und Pathologe.
Das Ende habe ich ab einem bestimmten Punkt zweimal lesen müssen, weil mich eine -für mein Empfinden- unklar formulierte Passage veriwrrt hatte. Ich weiß aber, dass es anderen Leser nicht so ging, deshalb kann ich sagen, dass das Ende sinnig und nachvollziehbar ist. Jedenfalls kein Psychothriller-Rätsel nach dem Motto: was ist Realität, was ist Wahn?

Ich habe nur zwei Abende für  „Abgeschnitten“ gebraucht. Einmal weil es durchweg so spannend ist, aber auch weil es sich sehr leicht und geradezu rasant liest. Da sind im Nu ein paar Kapitel weggelesen und man kann einfach kaum aufhören.

Am Cover gefällt mir dieser leichte 3D-Effekt beim Schnitt durch den Titelzug. Ansonsten bleibt zu dem schlichten Look wohl nicht viel zu sagen. Es ist schon auffällig, sagt aber nicht viel über den Inhalt aus. Das übernehmen die Namen der Autoren aber auch spielend alleine. Dahinter kann nur eine tolle Story stecken!

Fazit: Ich habe mit „Abgeschnitten“ zwei tolle Leseabende verbracht. Ich habe vor Spannung an den Nägeln geknabbert, mich wohlig gegruselt und bin fasziniert Lindas Laien-Obduktionen gefolgt. Der neue Thriller von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos lässt das Thriller-Herz höher schlagen.


Titel: Abgeschnitten
Autor: Sebastian Fitzek, Michael Tsokos
Seiten: 400
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3426199268
Preis: € 19,99 (HC)

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