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Nov 13

Rezension – Geisterzeilen (Janina Ebert)

„Manchmal sind die Menschen, die einen am meisten prägen, bereits tot: Es ist tiefe Nacht, als Helena zum ersten Mal vom Drang zu schreiben erfasst wird. Ihre Hand saust förmlich über das Papier und hinterlässt einen stilistisch ausgefeilten Text. Helena spürt, dass jemand von ihr Besitz ergriffen hat, beschließt aber, niemandem davon zu erzählen. Fortan verlässt sich die bisher durchschnittliche Schülerin bei Hausaufgaben und Tests auf ihre „Gabe“ und staubt eine gute Note nach der anderen ab.
Erst als ein fremder Name auf ihrer Geschichtsarbeit erscheint, bekommt es die 16-Jährige mit der Angst zu tun. Wer ist dieser Oskar Schiller, der ihre Hand führt, und was will er von ihr? Helena beginnt nachzuforschen und schon bald taucht ein weiterer Geist auf, der ihr Herz höher schlagen lässt.“

Dieses Buch interessierte mich, weil ich selber gerne schreibe. Und die Vorstellung von einem Geist, der mir dabei die Hand führt…manchmal würde mir das die Sache sicher auch leichter machen. So wie Helenas Geist, der eines nachts ihe Hand übernimmt und sie einen ausgefeilten Text schreiben lässt., obwohl sie sonst keine drei sinnvolle Sätze formulieren könnte. So habe ich es gut verstanden, dass die sich mit dieser seltsamen Besessenheit schnell abfindet. Welcher Teenager würde sich  eine solchen Chance auf gute Noten entgehen lassen?
Es dauert dann eine ganze Weile, ehe sich bedenklichere Gedanken in Helenas Kopf einnisten. Auch als sie ihren Geist kennenlernt, sieht sie darin nichts weiter Bedrohliches. Ganz im Gegenteil bringt er sie dazu, über gewisse Dinge anders zu denken, und sich in bestimmten Situationen anders zu verhalten als bisher. Und beides bringt ihr nur Vorteile ein.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann begonnen mich zu fragen, in welche Richtung die Geschichte weiter verlaufen wird. Das ist nicht so einfach zu erkennen. Ich muss zugeben, dass ich mich in dieser Frage ziemlich in der Luft hängen gelassen gefühlt habe. Denn es ist nicht nur Oskar, mit dem es Helena zu tun bekommt. Bei ihm alleine hätte ich vermutet, die Geschichte drehe sich fortan um die Kriegs- und Nachkriegszeit. Doch Helena sieht auch eine ausgesprochen gruselige Geisterfrau. Da dachte ich dann, dass es vielleicht auch so gruselig weitergehen würde. Und zuletzt taucht ein Geist auf, in den sich Helena rettungslos verliebt. Sollte „Geisterzeilen“ also eine Liebsgeschichte werden?
Ja, das wird es tatsächlich. Eine der beiden Möglichkeiten, die mir ohnehin am besten gefallen hätten. Und auch, wenn ich Helenas große Liebe dann und wann als ganz schön kitschig in seiner Rede- und Ausdrucksweise empfunden habe, ist die Geschichte darum schön romantisch. Dabei macht natürlich die Tatsache den größten Reiz aus, dass Helena und er sich nie wirklich treffen und berühren können. Ja, Helena weiß bis zum Schluss noch nicht einmal seinen Namen. Da muss die Liebe schon ganz schön groß sein, und die Vorstellung hat natürlich schon was.
Mir hat das Ende dann wirklich sehr gut gefallen. Da laufen die verschiedenen Handlungsstränge schließlich zusammen, denn natürlich spielen auch Oskar Schiller und die gruselige Frau weiterhin eine Rolle in Helenas Leben und machen sie auf etwas ganz Furchtbares in ihrer direkten Nähe aufmerksam. Was es ist, verrate ich natürlich nicht. Aber es hat mich ganz schön überrascht. Dass da etwas im Busch ist, das hatte ich natürlich mitbekommen, aber ich hätte nie gedacht, dass es in diese Richtung geht. Hier und da eine winzige Andeutung hätte ich nicht schlecht gefunden, denn so hat es mich wie ein Donnerschlag getroffen. Womöglich ist das aber auch so beabsichtigt? Jedenfalls kann Helena her einmal mehr ihren Mut beweisen, den sie seit ihren Geisterfreunden hat und so bekommt „Geisterzeilen“ letztlich doch noch sein Happy End.

An der Erzählweise habe ich mich teilweise ein wenig gestört. Natürlich weiß man von Anfang an, dass die ältere Helena von ihrem Abenteuer als Teenie erzählt, aber gelegentlich legt sie der jungen Helena Ausdrücke und Formulierungen in den Mund, die eine Sechzehnjährige wohl kaum wählen würde. Dann wieder klingt sie angemessen jugendlich und man kann auch mal grinsen. Sicher, man weiß auch, dass Helena von Oskar Schille gelernt hat an ihrer Redeweise zu feilen, aber in den Aussprüchen aus ihrer Teenie-Zeit hat das eigentlich nichts verloren.

Sonst bin ich ja nicht so der Fan von Gesichtern auf Buchcovern, doch hier gefällt es mir. Ich finde nämlich, dass dieses Gesicht sehr schön echt wirkt, und nicht wie am Computer erstellt oder bearbeitet. Das ist doch mal eine tolle Abwechslung. Und ein wenig finster wirkt das Cover auch, wie es sich für eine Geschichte gehört, in der Geister eine Rolle spielen.

Fazit: Ich habe lange nicht gewusst, in welche Richtung „Geisterzeilen“ schließlich gehen würde. Das änderte sich erst nach geraumer Zeit. Für meinen Geschmack hat es etwas zu lange gedauert. Langweilig wurde es bis dahin jedoch nicht, zumal ich Helenas Entwicklung ganz interessant und spannend fand. Die übersinnlich angehauchte Lovestory hat mir dann gut gefallen und ich habe Helena ganz schön für ihre Beharrlichkeit bewundert. Jedenfalls hat mir „Geisterzeilen“ so insgesamt gut gefallen. Lediglich die Audrucksweise passt teilweise nicht zu den jugendlichen Charakteren.

Vielen Dank an den Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Geisterzeilen
Autor: Janina Ebert
Seiten: 312
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
ISBN: 978-3862651399
Preis: € 14,95 (HC)

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