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Nov 22

Rezension – Vakuum (Antje Wagner)

Tamara sitzt im Zug nach Mannheim: Sie soll endlich mehr über ihre leibliche Mutter erfahren. Kurz dämmert sie ein und als sie die Augen wieder öffnet, steht der Zug und alle anderen Passagiere sind weg. Alissa war auf der kleinen Insel nur kurz eingenickt, aber als sie aufwacht, ist alles anders. Ihre Freunde sind spurlos verschwunden, die Vögel zwitschern nicht mehr. Und als sie 110 wählt, ist die Leitung tot. Tamara. Alissa. Leon. Hannes. Kora. Sie alle haben einen dunklen Fleck in ihrer Vergangenheit und erleben nun, was es heißt, allein zu sein. Denn am 17. August um 15.07 Uhr passiert das Undenkbare: Die Zeit bleibt stehen, und alle Menschen um sie herum sind plötzlich verschwunden. In diesem beängstigenden Vakuum finden die fünf Jugendlichen nach und nach heraus, dass sie auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden sind.

Es gibt Bücher, an die gehe ich mit einer festen Vorstellung ran, und bin nachher enttäuscht, wenn diese nicht erfüllt wurde. Auch „Vakuum“ hat meine Erwartungen nicht ganz erfüllt, sondern ist komplett anders. Und trotzdem bin ich begeistert.
Eine Handvoll Jugendlicher im Nebel, stehengebliebene Zeit, das klang für mich sehr nach einer Fantasygeschichte mit einem möglicherweise gruseligem Einschlag. Vielleicht in Richtung „Nebel des Grauens“.
Dass ich damit falsch lag, wurde mir recht schnell klar. Schon alleine durch die „Vorstellung“ der Jugendlichen. Denn sie sind nicht nur sehr verschieden (in Alter, ihren Lebensumständen und dem Charakter), sondern man merkt auch sofort, dass es in ihrem Leben etwas gab, das sie ziemlich aus der Bahn geworfen hat. Bei jedem gibt es etwas, womit er noch nicht abgeschlossen hat.
Diese Unterschiedlichkeit macht die Kids ausgesprochen interessant, und es ist spannend anhand von gewissen Andeutungen zu knobeln, was jeden einzelnen aus der Spur gebracht haben könnte.
Ebenso spannend ist es natürlich auch, wieso die Zeit stehengeblieben ist, wieso alle anderen Menschen verschwunden sind und was dieser geheimnisvolle und unheimliche Nebel zu bedeuten hat. Die Kids machen zwar erstaunliche Entdeckungen über ihne, aber was genau dahinter steckt, das ist lange nicht klar.
Stattdessen macht ihnen der Nebel Angst, denn in ihm lauern grausige Gestalten und wenn man vom Nebel umhüllt wird, ist man so gut wie tot.
In dieser Hinsicht hat die Geschichte meinen Erwartungen dann doch ein wenig entsprochen. Die Szenen mit dem Nebel sind ausgesprochen gruselig und können es leicht mit einem Gruselfilm aufnehmen. Da ist eine schaudernde Gänsehaut garantiert!
Diese Angst vor dem Nebel und überhaupt die komplette apokalyptische Szenerie, durch die die Gruppe läuft, schweißt sie nach und nach zusammen. Das hat mir gut gefallen: dass diese so unterschiedlichen Teenager fast unmerklich eine mutige und starke Gemeinschaft werden und dem Rätsel um den Stillstand der Zeit und den Nebel auf den Grund gehen.
Das Ende hat mich sehr überrascht. Ich hatte die ganze Zeit überlegt, wie diese Geschichte wohl enden könnte. Aber so wie sie endet, das hätte ich nicht vermutet. Ich fand das Ende zwar etwas schnell abgehandelt im Verhältnis zum Rest der Geschichte, aber es ist ein sehr sinniges Ende, das die Fragen, die man zuvor als Leser hatte, schlüssig beantwortet. Mich hat es auch ein wenig nachdenklich gemacht. „Vakuum“ ist eines dieser besonderen Bücher, das einem auch nach dem Lesen noch eine Zeitlang im Kopf bleibt.

Langeweile hat bei „Vakuum“ keine Chance. Die Geschichte ist durchweg spannend und es ist immer etwas los. Das ist rasant und genauso liest sich die Geschichte auch. Allerdings ohne dabei etwas an Eindringlichkeit einzubüßen. Relativ kurze Kapitel und die wechselnde Sicht auf und von den Charakteren lockern nochmal zusätzlich auf.

Das recht schlicht gehaltene Cover hat mir auf den ersten Blick gefallen. Die nebelige Szenerie und die nur schattenhaft erkennbaren Personen wirken wunderbar geheimnisvoll und unheimlich. Nach dem Lesen habe ich sogar eine Vorstellung, wer die beiden Personen vorne im Bild sind 😉

Fazit: Ich habe „Vakuum“ in einem Rutsch gelesen. Es war so spannend, gruselig und einfach ganz anders als ich es erwartet hatte – 100%ig im positiven Sinne gemeint! -, dass ich es einfach nicht mehr aus der Hand legen konnte. Eine zwar phantastische Geschichte, aber mit einem überraschend tiefgründigen Kern. Toll!

Vielen Dank an den Bloomsbury Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Vakuum
Autor: Antje Wagner
Seiten:  304
Verlag: Bloomsbury
ISBN: 978-3827054371
Preis:  € 14,99 (HC)

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