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Jan 24

Rezension – Cryer’s Cross (Lisa McMann)

cryerscrossIn Cryer’s Cross gehen seltsame Dinge vor sich. Erst verschwindet die Schülerin Tiffany spurlos und kurz darauf ist auch der 17-jährige Nico wie vom Erdboden verschluckt. Kendall, 16, ohnehin labil wegen ihrer Zwangsneurose, kann den Verlust ihres besten Freundes nicht verkraften. Voller Sorge begibt sie sich auf Spurensuche und entdeckt eine Verbindung zwischen Tiffany und Nico. Hat das etwas mit ihrem Verschwinden zu tun? Und woher kommt die Stimme, die sie um Hilfe anfleht? Kendall glaubt, den Verstand zu verlieren, doch sie muss alles tun, um ihren Freund zu finden. Dabei gerät sie immer tiefer in das Geheimnis von Cryer’s Cross und schwebt bald selbst in höchster Gefahr.

An dieses Buch bin ich recht vorsichtig herangegangen. Einerseits klang der Klappentext zwar vielversprechend, andererseits befürchtete ich wegen des Covers, dass die Geschichte nicht im Hier und Heute spielt, sondern irgendwann in der Vergangenheit. Es wirkt ein wenig so.
Inzwischen bin ich sehr froh, dass ich „Cryer’s Cross“ diese Chance gewährt habe, denn das Buch hat mir wirklich gut gefallen! Vor allem wegen der spannenden Geschichte um die verschwundenen Jugendlichen, die mich so lange im Unklaren gelassen hat, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht, oder ob doch etwas Übersinnliches mitmischt. Dieser Gedanke verschwand aber bald und ich war mir sicher, einen nicht übersinnlichen Thriller für Jugendliche zu lesen. Mit Kendalls Zwangshandlungen, den Beschreibungen des Lebens in ihrem kleinen, ländliche gelegenen Orts und den Suchaktionen und Nachforschungen wegen der verschwundenen Kids ist es einfach sehr bodenständig real.
Überhaupt mag ich es ja, wenn Geschichten an solchen Orten spielen. Irgendwie ist das immer noch so ein Bild von den USA, das mir gefällt. Ein kleiner abgelegener Ort, der von der Landwirtschaft lebt, wo noch täglich auf Feldern gearbeitet wird, wo jeder jeden kennt und an sich immer Ruhe und Frieden herrscht. Das ist einerseits wunderbar idyllisch, andererseits ist es umso erschreckender, wenn in dieser Idylle etwas so Schreckliches geschieht wie die verschwundenen Jugendlichen. So war ich sehr gespannt, welche Entdeckungen Kendall bei ihrer Spurensuche machen würde und habe oft mit ihr gebangt.
Auch das hat mich überrascht. Ich finde eigentlich nicht so schnell Zugang zu Charakteren, deren Schwächen so offen beschrieben werden, wie es hier mit Kendall und ihren Zwangsneurosen der Fall ist. Meist kann ich mir darunter trotzdem nicht genug vorstellen, sodass mit diese Personen irgendwie fern bleiben. Vermutlich ist es genau dieser Offenheit zu verdanken, dass das bei diesem Buch anders war. Kendall berichtet von ihren Zangshandlungen ganz offen und beschreibt sie auch genau, was sie für jemanden, der davon nicht betroffen ist, weniger abstrakt macht. Und ganz nebenbei wurde sie mir Dank dieser Offenheit auch schnell sympathisch.
Irgendwann stellte sich dann aber heraus, dass in Cryer’s Cross eben doch nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Anfangs habe ich die Andeutungen darauf noch damit erklärt, dass sich Kendall einiges einfach einbildet. Aber spätestens zum Ende hin kommt man nicht umhin zu erkennen: im Städtchen tut sich tatsächlich Übersinnliches. Ich muss sagen, dass ich schon ein kleines bisschen enttäuscht war. Nach dem so realen Start mutete diese Auflösung doch etwas exotisch an. Dafür haben mir die Hintergründe dafür wieder umso besser gefallen. Denn das, was zu den Vorkommnissen geführt hat, das hat es in sich und lässt einen eindeutig mehr schaudern als die Erkenntnis, dass man es nun doch mit übersinnlichen Ereignissen zu tun hat.

Mir hat der Schreibstil des Buches sehr gut gefallen! Sehr knackig und auf den Punkt mit meist kurzen Sätzen. Das bringt Tempo ins Lesen und schafft den Eindruck einer dichte Handlung, die sich nie in Nebensächlichkeiten verliert. So bleibt man beim Lesen immer aufmerksam und kommt zügig voran. Und es hat bewiesen, dass meine Bedenken von wegen „in so einem dünnen Buch soll eine spannede Geschichte stecken“ im Nu verflogen waren. Es braucht nicht viele Seiten um einen zu fesseln!

Auch wenn mir das Cover Bedenken bereitet hat, in welcher Zeit die Geschichte spielt, so gefällt es mir trotzdem ganz gut. Es ist schön düster, und vermittelt mit den warmen hellen Tönen den Eindruck einer klassischen Schauergeschichte. Blickfang ist natürlich der „Rette mich“-Schriftzug auf dem alten Schultisch.

Fazit:  Mir hat „Cryer’s Cross“ überraschend gut gefallen. Eine spannende Geschichte um seltsame Ereignisse in einer eigentlich so idyllischen Stadt. Mit Kendall bin ich im Nu warm geworden. Und auch wenn ich ein solches übersinnliches Ende lange nicht kommen sah und deshalb etwas enttäuscht war, haben die Hintergründe mich damit wieder gut versöhnt.  Fans schauerlicher Geschichten dürften hier auf ihre Kosten kommen!


Titel: Cryer’s Cross
Autor: Lisa McMann
Seiten: 224
Verlag: Lübbe Verlag
ISBN: 978-3833901621
Preis: € 12,99 (HC)

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