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Feb 02

Rezension – Kälte (Michael Northrop)

kaelteEs schneit wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Scotty und seine Freunde Pete und Jason gehören zu den letzten sieben Schülern ihrer Highschool, die darauf warten, nach dem Unterricht abgeholt zu werden. Bald jedoch wird klar, dass niemand mehr kommen wird. Anfangs scheint es noch gar keine so schlechte Sache zu sein, den Abend und schließlich die Nacht in der Schule verbringen zu müssen immerhin sind die zwei süßen Mädchen Julie und Krista mit von der Partie. Doch als zuerst der Strom ausfällt, dann die Heizung, schließlich die Wasserleitungen einfrieren und der Schnee draußen immer höher steigt und sie in Dunkelheit hüllt, liegen die Nerven blank und plötzlich geht es ums nackte Überleben.

Ich bin ja so ein kleiner Fan von solchen (Natur)katastrophen-Geschichten, deshalb hatte mich „Kälte“ schnell neugierig gemacht. Allerdings habe ich mich nach gar nicht mal so vielen Seiten bereits gefragt, womit die restlichen Seiten gefüllt sein würden? Würde man mich etwa mit allzu detailverliebten Beschreibungen langweilen? Davor hatte ich wirklich Angst, denn in dieser Geschichte hat man es nun mal lediglich mit sieben Personen zu tun, vom Schnee eingesperrt in ihrer Schule. Was könnte daran ganze 256 Seiten füllen?
Das klärte sich dann aber sehr bald und meine Bedenken wurden schnell weggewischt. Im Grunde ist es nämlich ganz nach meinem Geschmack, wenn eine Geschichte auf begrenztem Raum spielt und nur eine Handvoll Charaktere mitwirken. So richtet man seine Aufmerksamkeit nämlich voll und ganz darauf und so nimmt einen die Geschichte auch schnell gefangen.
Mir hat es besonders gefallen, dass die Handlung so nahe an den vorwiegend jugendlichen Lesern ist. Eine Schule ist eben ein Ort, den man kennt, so kann man sich leicht vorstellen wie es wäre, dort mit Freunden eingeschlossen zu sein. Und hier fliegt auch nicht bereits nach wenigen Stunden der Katastrophenschutz seine Runden, oder marschiert das heldenhafte amerikanische Heer ein um die Menschheit zu retten und es brechen auch keine Wahrzeichen des Landes unter den Schneemassen zusammen. Man ist einzig und alleine bei den Kids und für die scheint die Situation anfangs noch gar nicht so dramatisch. Auch beim Lesen schätzt man die Lage zunächst noch als vergleichsweise harmlos ein. Immerhin gibt es in der Schule Lebensmittel, man hat ein Dach über den Kopf, es ist warm und trocken. Da könnte man ja eigentlich einfach abwarten bis die Armee einen befreit? Oder?
Nein, denn bald reihen sich einige – auf den ersten Blick recht harmlose – Ereignisse aneinander, die aber auf den zweiten Blick schon für Schrecken sorgen. Ohne Strom? Klar, geht. Bloß das Radio geht dann schnell nicht mehr und man verliert die einzige Informationsquelle über das Geschehen anderswo.  Eingefrorene Wasserleitungen? Man kann ja Schnee schmelzen. Nur richtig waschen kann man sich damit nicht und vor allem sind die Toiletten unbrauchbar. Heizung defekt? Man kann ja ein Feuer machen. Nur wird das leicht gefährlich, wenn man darin keine Übung hat. Eine Person mit Schnupfen? An sich kein Problem, aber wenn man mit dieser Person eingeschlossen ist, steckt man sich leicht an und in dieser Kälte ein Schnupfen…der wäschst sich schnell aus! Es ist verblüffend und erschreckend zu lesen, wie sich diese kleinen Katastrophen immer mehr zu einer großen auswachsen.
Trotzdem gibt es immer wieder Momente, in denen man erneut Hoffnung schöpft. Genau wie die Kids! Doch dann ght wieder etwas schief und man verzweifelt wieder mit ihnen. Dieses Auf und Ab, dieses Hoffen und Aufgeben, macht die Geschichte ausgesprochen spannend.
Außerdem muss man sich das mal bildlich vorstellen: so hoher Schnee, das er bis zum ersten Stock eines mehrstöckigen Gebäudes reicht. Für meinen Geschmack ist alleine das schon eine schauerliche Vorstellung: dunkle, weil von Schnee zugedeckte Fenster und entsprechend dunkle Räume, draußen nichts weiter als ein ewiger Ausblick auf eine öde Schneedecke…ich habe unweigerlich immer mal wieder zu meinem Fenster geschaut und mir das vorgestellt. Das beschert einem schon eine Gänsehaut.
Einzig mit dem Ende bin ich so nicht einverstanden gewesen. Natürlich kann man sich denken, wie es mit den Kids weitergeht. Wobei ich darüber schon gerne noch gelesen hätte. Das Ende kommt da sehr abrupt. Aber in diesem Moment hätte mich dann nun auch interessiert, wie es der restlichen Menschheit ergangen ist.

Ich habe einige Abende mit dem Buch verbracht. Dadurch, dass es nur selten mal längere Dialoge gibt, sondern hauptsächlich beschreibende Passagen, liest es sich nicht so schnell und leicht. Aber nur so kann es seine Wirkung entfalten und deshalb habe ich das gerne in Kauf genommen. Scottyerzählt in einer gelungenen Mischung aus Ernsthaftigkeit mit jugendlichen Ton.

Besser als hier könnte ein Covermotiv kaum zum Titel und der Handlung passen. Das sieht frostig und verschneit aus, allerdings nicht ganz so dramatisch wie sich die Geschichte entwickelt. Man geht also vielleicht noch ganz arglos an das Buch heran und staunt dann später, was sich hinter diesem so still wirkenden Bild alles verbirgt.

Fazit:  Das ideale Buch, wenn es draußen schneit 😉 Da wird mancher Schnee-Fan die weiße Pracht vielleicht plötzlich ganz anders sehen. Ich fand das Buch sehr spannend und denke, es beschreibt diese Katastrophe auch recht realistisch. Da es sich auf diese kleine Gruppe Jugendlicher beschränkt, ist man automatisch und ganz schnell sehr nahe bei ihnen und bangt und hofft mit ihnen. Und Dank besagter augenscheinlich „kleiner“ Vorfälle ist das Geschehen auch für jeden greifbar.


Titel:  Kälte
Autor: Michael Northrop
Seiten:  256
Verlag: Loewe Verlag
ISBN: 978-3785574287
Preis:  € 6,95

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