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Feb 20

Rezension – Opa und der Hundeschlamassel (Erica S. Perl)

hundeschlamasselZelda zieht mit ihrer Familie von New York aufs Land. Alles ist anders. Die Zehnjährige muss ganz von vorne anfangen: neue Schule, neue Freunde und sie wird von einem Mitschüler gemobbt. Auch Opa Ace, der nun mit ihnen unter einem Dach lebt, ist anders als normale Großväter. Bekommt Zelda wenigstens von ihren Eltern endlich den heiß ersehnten Hund? Fehlanzeige! Opa Ace hat aber einen geheimen Plan, der seiner Enkelin helfen soll. Der seltsame Plan beschert Zelly turbulente Sommerferien, in denen sie neue Freunde findet und eine Menge lernt – nicht nur über Hunde.

Als ich das Buch in den Händen hielt, konnte ich mir noch nicht so richtig vorstellen, was ein Hundeschlamassel genau sein soll. Nun weiß ich es: ein Hundeschlamassel ist, wenn ein Kind sich wie wild einen Hund wünscht, vom Opa aber erstmal eine an einen Strick gebundene O-Saftflasche bekommt, für die es sorgen muss wie für einen echten Hund! Quasi um zu beweisen, dass es die Verantwortung übernehmen kann. Und mit einer O-Saftflasche an der Leine Gassi gehen, ist für sich schon ein echter Schlamassel. Was man dabei erlebt, erst recht!
Nach dem Lesen bin ich ja nun ziemlich von dieser Idee begeistert. So viele Kinder wünschen sich Tiere ohne zu wissen, was damit auf sie zukommt. Da finde ich die Idee eines solchen Intensivtrainings eigentlich ganz gut. Entsprechend zufrieden bin ich also Zellys Abenteuern mit der wenig hündischen Saftflasche gefolgt und habe sie sehr für ihr Durchhaltevermögen bewundert. Da spürt man, wie sehr sie sich tatsächlich einen Hund wünscht und dass sie auch dafür sorgen kann und würde. Ich habe also die ganze Zeit die Daumen gedrückt, dass sich ihr Wunsch schließlich erfüllen wird.
Doch geht es in dem Buch nicht alleine um dieses Thema. Zelly ist anfangs noch recht schüchtern, die „Neue“ in der Klasse und nicht sonderlich beliebt, zuhause verbreitet der Opa Chaos, der seit Kurzem bei der Familie lebt, unter dem Tod der Oma leidet Zelly sehr und auch ihre Eltern und ihr Bruder halten sie ganz schön auf Trab.
Doch wer eine Orangensaftflasche ausführt, der muss sich über kurz oder lang behaupten, denn die wenigsten Leute werden das normal finden. So lernt Zelly nach und nach, sich zu behaupten und für ihren „Hund“ einzustehen. Sie findet durch O.J. -wie er genannt wird- einen neuen Freund, während ihre angeblich beste Freundin im Sommercamp ist und ihr nie schreibt. Und nicht zuletzt macht sie natürlich auch ihren Opa stolz, der diese Idee hatte.
Recht spät in der Geschichte flippt Zelly dann doch einmal so richtig aus und schimpft ihren Opa wegen der Saftflaschenhundeidee und dem ganzen Ärger den sie deshalb hat. Wenig später erleidet Opa einen Herzanfall und Zelly gibt sich die Schuld daran und hat unheimlich Angst, dass er stirbt wie die Oma. Plötzlich ist O.J. doch nicht mehr peinlich und sie würde ewig Gassi mit ihm gehen, wenn nur dem Opa nichts passiert.
Hier wird also sogar auch das Thema „Tod“ engeschnitten. Das hat mich überrascht, denn in einem Kinderbuch findet man das doch eher selten. Es passt aber gut hierher und in den Verlauf der Geschichte und wird kindgerecht angegangen. Also durchaus mit einer spürbaren Dramatik, die aber nicht so in die Tiefe geht, dass es verstörend oder beängstigend auf die jungen Leser wirkt. Es zeigt aber klar auf, dass selbst der verrückteste Opa immer noch ein ganz wichtiger Opa ist, den man -Streit hin oder her- doch liebt.
Am Ende der Geschichte steht jedenfalls eine ganz andere Zelly als die, die man eingangs kennengelernt hat. Mir gefällt es immer, wenn solche Botschaften in solch lustigen Geschichten verpackt sind. Nichts ist schlimmer als der pädagogische Zeigefinger.
Dass man an sich und eine Sache glauben muss, wenn man Erfolg haben will, und dass selbst die schrägste Familie eben doch Familie und damit ganz wichtig ist, wird hier auf amüsante und ziemlich schräge Art vermittelt.
Erklärtes Ziel des Ariella Verlags ist es, den jungen Lesern ein Stück weit die jüdische Kultur nahezubringen. Entsprechend ist Zellys Familie jüdischen Glaubens und speziell Opa benutzt oft jiddische Ausdrücke. Wenn das nun dazu dient, den Kindern etwas über diese Kultur zu vermitteln, bitte! Ich habe wirklich nichts dagegen, bitte also nicht falsch verstehen, aber der Handlung dient das so gut wie gar nicht. Die könnte auch in Familien jeder anderen Glaubensrichtung spielen. Alleine im Hinblick auf die Geschichte empfand ich diese Betonung also eigentlich als unnötig.

Zelly hat eine ausgesprochen witzige Art zu erzählen und so liest sich das Buch zügig weg. Da fliegen die Seiten nur so dahin, zumal man ja auch unbedingt wissen möchte, ob ihre Mühen sich lohnen. Die Kaptel haben eine angenehme Länge, sodass man sich immer denkt: ach, eins noch…und plötzlich ist man durch. An den Kapitelanfängen sind niedliche Hundetapsen abgedruckt und zwischen den Absätzen liegt immer mal ein Knochen herum 😉 Das ist niedlich anzusehen.

Mir gefällt das Cover. Das helle Blau wirkt freundlich und einladend. Und als Hundefan kann man mich mit einem Napf und einer Leine schon ganz leicht für etwas begeistern-

Fazit:   Eine zwar witzige Geschichte, die rasant erzählt wird, aber „Opa und der Hundeschlamassel“ hat auch ganz wichtige ernste Botschaften mit an Bord. Es macht Mut, für sich und seine Überzeugungen einzustehen und an sich zu glauben. Und es zeigt auf, wie wichtig die Familie und Freunde sind. Ich habe Zelly gerne bei ihren Entdeckungen begleitet und bin der felsenfesten Überzeugung, dass ihr „Hundetraining“ mit der Saftflasche jeder -auch Erwachsene- durchziehen sollten ehe sie sich wirklich einen Hund zulegen.

Vielen Dank an den Ariella Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!


Titel:  Opa und der Hundeschlamassel
Autor: Erica S. Perl
Seiten:  199
Verlag: Ariella Verlag
ISBN: 978-3981382556
Preis:  € 14,95 (HC)

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