«

»

Mrz 22

Rezension – So bitterkalt (Johan Theorin)

bitterkaltKaum ein Bewerber findet den Weg nach Valla an die schwedische Westküste.Jan Hauger besitzt viel Erfahrung und glänzende Zeugnisse. Doch es ist keinZufall, dass sich der junge Erzieher in dem abgelegenen Kinderhort vorstellt.Durch einen unterirdischen Gang ist der Hort mit der psychiatrischen Klinikverbunden. So sollen selbst die als gefährlich eingestuften Insassen durchden Kontakt zu ihren Kindern schneller ins Leben zurückfinden. Damit hatJan kein Problem – aber er hat auch ein unliebsames Geheimnis. Denn unterseiner Aufsicht ging ein Kind verloren, das erst nach Tagen auf noch immerungeklärte Weise wieder auftauchte. Und das ist nicht der einzige Fleckauf Jan Haugers Weste. Warum will er ausgerechnet in Valla arbeiten? Undwas verbindet ihn mit dem psychopathischen Mörder Ivan Rössl, der seitJahren in der Klinik behandelt wird?

Dies war mein erster Krimi von Johan Theorin. Allein die Inhaltsangabe sprach mich sofort an. Geschichten um eine Psychiatrie sind meist genau mein Fall. Das muss so eine Art Sensationsgier sein 😉 Irgendwie drängt sich mir immer das Bild einer Klapsmühle auf. Mit düsteren Zellen und Patienten, die nur mit Zwangsjacke herumlaufen und für sich und jeden anderen eine lebensbedrohliche Gefahr darstellen. Da hilft es auch nicht, dass man das heute eigentlich besser weiß. Es ist trotzdem immer noch ein Ort, den die meisten Menschen nicht genauer von innen gesehen haben. Und etwas, das einem so wenig vertraut ist und über das solch grausige Vorstellungen kursieren, das ist eben immer für ein gewisses Gruseln gut.
Das Buch teilt sich für mich in zwei Teile auf. Der erste Teil hat mir richtig gut gefallen, da er gleich aus mehreren Richtungen spannend ist. Da ist zunächst die Hauptperson Jan, der in einem Kindergarten nahe der Psychiatrie als Erzieher anfängt. Man lernt Jan als einen zwar netten jungen Mann kennen, allerdings auch als sehr beherrschte und ruhige Person, die soziale Kontakte eher meidet. Zudem erfährt man bald, dass es in seiner Vergangenheit einen dunklen Fleck gibt. In einer Eindrichtung, in der er früher gearbeitet hat, ist ihm bei einem Ausflug ein Kind „verloren gegangen“. Das alles führte bei mir dazu, dass ich Jan zwar schon irgendwie mochte, aber doch immer auch ein wachsames und misstrauisches Auge auf ihn hatte. Speziell als er beginnt, sich für einen kleinen Jungen in der neuen Einrichtung zu interessieren. Schließlich erfährt an erst nach und nach, was damals passiert ist, und darf somit zuvor schon böse Ahnungen haben, wie ich finde. Hin und wieder ging mir Jan allerdings auch gut auf die Nerven mit seiner Verehrung für Rami. Lange hielt ich sie für eine echte, wenn auch nicht allzu große Berühmtheit, und verstand einfach nicht, dass ein Mann in Jans Alter noch so für einen Star schwärmen kann. Er ist doch kein Teenie mehr!
Wer diese Rami ist, das klärt sich erst als die Geschichte beginnt, sich aufzusplitten. Neben den Ereignissen im Kindergarten und der Psychiatrie, bekommt man dann einen Einblick in Jans Vergangenheit. Denn er selber saß ebenfalls als Jugendlicher mal in einer Psychiatrie! Und man erfährt in einem weiteren Blick in die Vergangeheit, was in der Einrichtung vor sich ging, in der Jan das Kind „verlor“ und wie das geschehen konnte.
Durch dieses Aufsplitten hatte ich schnell eine Ahnung, wieso Jan das Kind damals verlor, und ich war sehr neugierig, ob ich richtig lag. Entsprechend habe ich das Buch verschlungen.
Doch als sich dann herauststellte, dass ich richtig lag, war für mich die Spannung raus. Hinzu kam noch, dass einem besagte schaurige Vorstellung der Psychiatrie genommen wird indem man mit Jan dorthin gelangt. Hier begann für mich der zweite Teil des Buches, und den habe ich längst nicht mehr so gebannt verfolgt. Natürlich sind hier noch Fragen offen, die geklärt werden müssen, aber die fand ich gar nicht mehr so spannend. Am Ende kommt es zum großen Showdown, bei dem man den Kopf gut zusammenhalten sollte um durchzusteigen. Da geht es plötzlich holterdipolter während die Handlung vorher schön übersichtlich verlief. Außerdem tut sich noch eine unerwartete (naja) Wendung auf.

Ich fand, „So bitterkalt“ liest sich super leicht. Das hat mich überrascht, aber natürlich hat es mir auch gefallen. Es ist ja schon ein dickes Buch und wenn man sich da noch vom Sprachlichen her durchquälen müsste… Nein, da ist das so viel eher mein Fall. Und spätestens als sich die Erzählung in die drei Handlungsstränge aufspaltet, wird es noch mal leichter. So etwas lockert immer auf.

Im Krimi- und Thriller-Regal ist ein solch helles Cover ein echter Blickfang. Ich finde aber außerdem, dass es mit der eisigen Farbe prima zum Titel passt. Und ein dickes Lob gibt’s noch für das Lesebändchen. Sowas ist immer eine  Freude für mich!

Fazit:  In meinen Augen eine zweigeteilte Geschichte. Im ersten Teil super spannend durch einen undurchschaubaren Hauptcharakter, einem Schauplatz, der vielen Menschen so unbekannt sein dürfte, dass man immer noch mit gewissen schauerlichen Vorstellungen davon lebt, und einer aufgeteilten Handlung, die Blicke in der Vergangeheit gewähren undso düstere Geheimnisse preisgeben.  Im zweiten Teil war dann durch einen leicht zu ziehenden Schluss die Spannung ziemlich raus. Zudem fand ich den Showdown geradezu überfallartig komplex. Im Vergleich zum vorigen Geschehen.

Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: So bitterkalt
Autor: Johan Theorin
Seiten: 480
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 978-3492055512
Preis: € 19,99 (TB)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: