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Apr 12

Rezension – Schwarzer Wald (Holger Montag)

schwarzerwaldFünf Kurzurlauber werden auf ihrer Heimfahrt rücksichtslos von der schneebedeckten Landstraße gedrängt, was einen Blechschaden sowie ein fahrunwilliges Auto zur Folge hat. Zwei der Freunde begeben sich auf Hilfesuche zu einem der nahe gelegenen Gehöfte. Als sie jedoch in Begleitung eines Bauern zu ihrem Auto zurückkehren, sind ihre Mitfahrer spurlos verschwunden.

Dieses Buch war eine zufällige Entdeckung. Der Klappentext klang ganz interessant und so zog das Buch bei mir ein. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Alleine die Szenerie ist schon ganz nach meinem Geschmack. Ich mag einfach Geschichten, die im Winter und in Eis und Schnee spielen. Sicher, weil ich selber das alles in echt ganz schrecklich finde. Da lässt mich die Vorstellung davon alleine bereits schaudern. Das ist natürlich immer eine gute Voraussetzung bei einem Krimi oder Thriller. Holger Montag lässt Erzähler Thorsten die Gegend und die Wetterlage so genau beschreiben, dass ich mir alles ganz wunderbar vorstellen konnte. Da lässt sich das Frösteln gar nicht vermeiden.
Außerdem mag ich Geschichten sehr gerne, die in so verlassenen Gegenden spielen. Auch hier habe ich mir den Wald leicht vorstellen können, und wenn ich mir dann weiter vorstelle, wie der sich plötzlich ein wenig lichtet und ein finsterer, einsamer Hof zum Vorschein kommt, das ist schon richtig ein wenig gruselig. Da kommen einem sofort die wildesten Phantasien in den Kopf und ich habe mich hier manches Mal an einen richtigen Gruselfilm erinnert.
Der Verlauf der Geschichte ist vom ersten Moment an spannend. Zunächst wegen des Unfalls, später dann wegen der Suche nach Hilfe und der verhängnisvollen Entdeckung als Thorsten und Sara mit der Hilfe zum Unfallort zurückkommen. Diese Entdeckung hat Folgen, und als Leser hat man spätestens ab diesem Moment reichlich Gelegenheit, sich eine Erklärung für alles zu überlegen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn alle paar Seiten wendet sich das Blatt wieder oder man bekommt neue Details an die Hand, die die zuvor als wichtig erschienenen sofort in den Hintergrund rücken. Obwohl die Geschichte mit sehr wenigen Charakteren auskommt und auch das Setting an sich wenig hergibt, entlockt Holger Montag beidem doch erstaunlich viele Möglichkeiten.
Auch ich habe lange spekuliert, die wildesten Verdächtigungen angestellt und ganz fein darauf geachtet, ob sich mir nicht irgendwo ein kleiner Hinweis zeigt, was hinter dem seltsamen und geradezu unheimlichen Geschehen steckt. Schließlich hatte ich mich dann für zwei  mögliche Lösungen entschieden und war neugierig, ob wenigstens eine stimmen würde.
Eine war (und das habe ich etwas bedauert, denn solche Auflösungen mag ich für Geschichten wie diese) total falsch, die andere ging dafür zumindest in die richtige Richtung. Auf die Idee bin ich aber erst spät gekommen, einfach weil es dafür zuvor gar keinen Anhaltspunkt gab. Natürlich hatte ich die Auflösung nicht im Detail raus, aber der Gedanke war mir halt an einem Punkt schon mal gekommen.
Trotzdem fand ich das Ende dann etwas anstrengend. Da muss man schon fein aufpassen, sich gut an gewisse Ereignisse zuvor erinnern und um die Ecke denken können. Man bekommt zunächst eine Lösung geboten und just wenn man sich damit arrangiert hat, schlögt die Geschichte noch einen weiteren Haken, und über den musste ich dann doch etwas nachdenken. Dafür dass die Story zuvor einen leichten Eindruck machte und immer gut nachvollziehbar war, ist das Ende ganz schön tricky.

Da Holger Montag einen seiner Charaktere erzählen lässt, ist der Ton ausgesprochen leicht und locker. Entsprechend flüssig liest sich der Thriller dann auch. Viele Dialogszenen lockern zusätzlich aus. Das und die spannende Handlung lässt macht „Schwarzer Wald“ zu einem reinen Lesevergnügen.

Ich würde dem Buch ein auffälligeres Cover wünschen. In diesem Grauton fällt es im Regal im Laden kaum auf, obwohl die Geschichte es allemal verdient hätte. Andererseits hat das so auch etwas von einem Blick in einen winterlichen und nebligen Wald, was gut zur Story passt. Nur braucht es halt schon mal zwei Blicke um das zu erkennen.

Fazit: Ich fand „Schwarzer Wald“ super spannend und es hat mir großen Spass gemacht, mitzuknobeln was hinter dem seltsamen Geschehen steckt. Dabei ging es oft sogar ein wenig gruselig zu, wenn ich mir die Szenen bildlich vorgestellt habe. Das Ende ist tricky, da heißt es: aufgepasst! Wer es blöd findet, wenn ihm die Auflösung nicht auf einem Silbertablett serviert wird, der könnte damit unzufrieden sein.


Titel: Schwarzer Wald
Autor: Holger Montag
Seiten: 292
Verlag: Mandarin Verlag
ISBN: 978-3980932523
Preis:  € 14,90

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