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Apr 15

Rezension – In dieser ganz besonderen Nacht (Nicole C. Vosseler)

besonderenachtNach dem Tod ihrer Mutter muss Amber, die in einer deutschen Kleinstadt gelebt hat, nach San Francisco ziehen – zu ihrem Vater, den sie kaum kennt. Sie fühlt sich einsam und verlassen. Eines Abends begegnet sie dort in einem leer stehenden Haus Nathaniel, einem seltsam gekleideten Jungen. Er scheint der Einzige zu sein, der sie versteht. Aber er bleibt merkwürdig auf Distanz. Als Amber den Grund dafür erfährt, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg: Nathaniel stammt aus einer anderen Zeit und die beiden können niemals zusammenkommen. Doch in einer ganz besonderen Nacht versuchen die beiden das Unmögliche.

Diese Rezi wird eine kleine Premiere, aber das Buch bietet es einfach an. Es unterteilt sich nämlich in drei Teile, und da alle drei Teile bei mir einen jeweils ganz anderen Eindruck hinterlassen haben, teile ich auch diese Rezi so ein.
Los geht es mit dem ersten Teil „The city by the Bay“.
Dieser Teil war zum größten Teil so gar nicht mein Fall. In erster Linie, weil ich mit Amber überhaupt nicht zurechtkam. Natürlich hat sie Schreckliches durchlebt, natürlich kann ich mir vorstellen, dass sie sich nur sehr ungerne einfach von Deutschland nach San Francisco verpflanzen lässt, natürlich ist sie ein Teenager und da stehen Vernunft und Einsicht gerne mal hintenan. Mir tat es aber schlicht in der Seele weh, wie sie mit ihrem Vater umspringt, der sich wirklich alle nur erdenkliche Mühe gibt, ihr den Start in den USA angenehm zu gestalten. Sie hat dort wirklich nichts auszustehen und gibt sich doch so fürchterlich bockig. Das hat mir gar nicht gefallen. Schwierigkeiten haben mir auch die sehr, sehr ausführlichen Beschreibungen der Stadt bereitet. Ich denke, wenn sie etwas kürzer ausgefallen wären, hätte es immer noch gereicht um sich alles gut vorstellen zu können. Vor allem ist die Geschichte ja aus Ambers Sicht geschrieben, und dass ein Teenager einen solch feinen Blick für zB Architektur hat, das habe ich nicht glauben können.
Mein Highlight -übrigens durch das ganze Buch hindurch- war Matt, den man bereits in diesem ersten Teil kennenlernt. Den lieben Paradiesvogel mochte ich vom ersten Moment. Nathaniel taucht ebenfalls schon in diesem Teil auf, und wird dann in Teil 2 „Zwischen zwei Welten“ eine ganz wichtige Rolle.
Der zweite Teil kam mir eher entgegen, denn mit Nathaniel taucht jemand auf, der Amber das Leben in San Francisco deutlich schmackhafter macht. Damit schraubt sich ihr Widerstand ihrem Vater gegenüber herunter, worüber ich mich gefreut habe. Da mochte ich Amber auch gleich sehr viel lieber. Zudem wird in diesem zweiten Teil so richtig deutlich, wie sehr sie an ihrer verstorbenen Mutter hing und wie sehr sie sie vermisst. Das kam im ersten Teil noch nicht so rüber, so dass manche ihrer Verhaltensweisen dort nachvollziehbarer für mich wurden. Im Nachhinein quasi. Teil zwei hat schöne und romantische Szenen zwischen Amber und Nathaniel, so wie ich es mir für eine übersinnliche Lovestory vorgestellt hatte. Interessant wird es vor allem dadurch, dass immer wieder Passagen vorkommen, in denen Nathaniel von sich und seinen Gefühlen für Amber erzählt. Speziell zum Ende hin klingt hier und da aber auch durch, dass Amber sich von einem echten Freund sehr viel mehr erwartet als Nathaniel ihr bieten kann, und so ahnt man bereits hier die Schwierigkeiten, die Teil 3 bereithalten wird.
Teil 3 – „Auf der anderen Seite“– ist mein Favorit des Buches. Einfach weil Amber sich mit ihrem Vater aussöhnt und weil inzwischen eine nette Clique um sie herum existiert, die eine unerwartete Gemeinsamkeit mit ihr haben. Der Zusammenhalt zwischen ihnen kommt hier deutlich rüber und ich mochte jeden von ihnen, so verschieden sie sind. Hier spielt endlich die Nacht aus dem Titel eine Rolle, die Amber und Nathaniel wahrnehmen um sich einmal wirklich nahe sein zu können. Doch diese Nacht hat ungeahnte Folgen, die mir diesen Teil so richtig schön spannend gemacht haben.
Das ist ab und zu tatsächlich leicht gruselig und man hat mehrere Gelegenheiten, um Amber zu bangen. Mir hat auch die Konsequenz aus diesen Folgen gefallen, da habe ich oft mit Amber gelitten. Das Ende dann macht widerum Hoffnung und hat mich zu Tränen gerührt.

Ambers Erzählton ist zwar eigentlich jugendlich und weitgehend locker, aber diese ewig langen Beschreibungen der Stadt haben meinen Lesefluss teilweise ganz ordentlich ausgebremst. Wie gesagt, da hätte es für mich gern eine Schippe weniger sein dürfen. Nathaniels Parts dann haben das aber noch mal ein Stück weit aufgelockert. Die Kapitel haben eine gute Länge, nicht zu lang, nicht zu kurz, so kann man das Buch gut etappenweise lesen.

Das Covermotiv mag ich, schön blau 😉 Mir gefällt vor allem die schattenhafte Darstellung von Amber als offensichtlich echter Mensch, und daneben Nathaniel, bei dem sich durch die Lichtschlieren andeutet, dass er eben kein richtiger Mensch ist. Und der Mond darf bei einer Geschichte um eine Nacht natürlich nicht fehlen.

Fazit:  Der Start mit „In dieser ganz besonderen Nacht“ ist mir unheimlich schwer gefallen. Ich dachte, das wird nie was mit Amber und mir. Zudem war es mir -komplett durch das Buch hindurch- zuviel mit den ausführlichen Stadtbeschreibungen. Es wurde dann aber Dank Nathaniel besser. Die Liebe zu ihm stimmt Amber milder. Zum Ende hin, im dritten Teil, hat mir das Buch dann richtig gut gefallen. Hier wurde es wirklich spannend und dramatisch, und gekrönt wird es schließlich von einem schönen und hoffnungsvollen Ende.

Die Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogramms!


Titel: In dieser ganz besonderen Nacht
Autor: Nicole C. Vosseler
Seiten: 576
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570155349
Preis: 18,99 (HC)

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