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Apr 24

Rezension – Wenn es dunkel wird (Manuela Martini)

dunkelwirdMelody und ihre Freunde wollen einfach nur entspannte Sommerferien an der französischen Mittelmeerküste verbringen. Doch die zunehmende Hitze und unausgesprochene Gefühle zwischen ihnen heizen zusehends die Stimmung auf. Es kommt zur unausweichlichen Katastrophe – ein Jugendlicher stirbt. Mel weiß: Nur wenn sie alle schweigen, wird niemand die Wahrheit je erfahren.

Nachdem ich von meinem ersten X-Thriller „Röslein stach“ so begeistert war, war ich neugierig auf weitere Bücher dieser Reihe. Dieses hier klang ganz vielversprechend, auch wenn Frankreich nun wirklich nicht mein Lieblingsschauplatz ist. Aber ansonsten hörte sich der Klappentext nicht übel an.
Die Geschichte begann auch ganz prima und holte sich gleich einen dicken Pluspunkt damit ab, dass sie so modern startet. Mel berichtet nämlich in youtube-Videos von diesem verhängnisvollen Sommer. Ich mag es immer, wenn Geschichten für Jugendliche Elemente mitbringen, die einfach zu deren Leben dazu gehören. Wie das Internet und eben youtube.
Anfangs hat mich das hier wirklich gefreut. Im Nachhinein sehe ich aber genau darin auch den Haken, der im Wesentlichen dazu beigetragen hat, dass mit „Wenn es dunkel wird“ dann doch nicht gefallen hat. Denn diese Erzählweise schafft unweigerlich eine gewisse Distanz . Ich hatte immer das Gefühl, ich schaue der Clique zu, statt mich quasi bei ihnen zu fühlen. Ich habe mir ihre Gefühle immer erklären lassen müssen, selber mitfühlen, sich in sie einfühlen, ging dagegen nicht. Das sind aber Dinge, die eine Geschichte mir ermöglichen muss, damit ich in sie eintauchen kann. Entsprechend war mir das hier kaum möglich. Bei Mel ging es wenigstens ab und zu, aber wirklich ganz selten.
Und diese Distanz führt außerdem dazu, dass sowas wie Atmosphäre kaum eine Chance hat. Mit dem Abstand, den Mel gewonnen hat in diesem einen Jahr, sieht sie die Dinge anders und so kann sie einfach die Stimmung nicht so intensiv rüberbringen als wenn sie just im Moment des Erlebens davon erzählen würde. Unglücklicherweise spricht sie einen als Leser hier und da direkt an, und das just in den Szenen, in denen sowas wie eine spannende oder schaurige Atmosphäre gerade Anlauf nimmt. Das ist dann ein Bruch und die Stimmung verpufft.  Bei einem Thriller ist das natürlich dann natürlich sehr schade. Dieses Genre lebt ja nun mal auch ganz wesentlich von Atmosphäre.
Ich denke, es liegt ebenfalls an dieser Distanz, dass ich mit keinem aus der Clique wirklich warm wurde. Nicht einmal mit Mel, die mir als Erzählerin eigentlich am nächsten sein sollte. Aber schon gar nicht mit Claas, Tammy und Julian. Melody hat von Anfang an Vorbehalte Tammy und Julian gegenüber, gibt sie einem als Leser weiter und mit einer Ich-Erzählerin hat man dann kaum Chancen, seine Meinung noch zu ändern. Claas dagegen fand ich einfach nur komisch.
Die Hauptproblematik, das Drama in dieser Geschichte, taucht erst ziemlich spät auf. Bis dahin ahnt man eigentlich überhaupt nicht, in welche Richtung es mal gehen wird. Plözlich kommt dann das Thema Tarot auf den Tisch, was mich wirklich überrascht hat. Denn zuvor ist überhaupt keine Rede davon, dass Mel sich dafür interessiert. Irgendwie wirkte das gezwungen auf mich. Als hätte ein Element her gemusst, am besten ein mysteriöses, das den zentralen Dreh- und Angelpunkt darstellt, aus dem dann das große Drama folgt.
Was darauf folgt erinnert dann sehr an „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“. Was nichts Schlechtes heißen muss! Ich habe gar nichts dagegen, wenn eine Idee in mehreren Geschichten auftaucht. Wenn das Drumherum gut gemacht ist, bin ich dafür immer zu haben. Nur war es das hier für mich eben leider nicht.
Die Auflösung dann…tja, ich hatte es mir so nicht gedacht. Aber auch nur, weil mir das zu einfach vorgekommen war.

Zumindest lies sich „Wenn es dunkel wird“ gut lesen. Geschichten, die in der Ich-Perspektive geschrieben sind, lesen sich für mich immer besonders leicht. Deshalb mag ich diese Perspektive auch sehr gerne. Die Kapitel sind recht kurz, da kann man auch mal ein paar mehr hintereinander lesen.

Optisch hat mir das Buch sofort gefallen. Mit den kräftigen rot-, Rosa-, und Pinktönen fällt es im Regal sofort auf. Und die Schmetterlinge kann man sicher mit einem Sommer in Frankeich in Verbindung bringen.

Fazit:   Für mich war diese Distanz, aus der Melody von diesem Sommer erzählt, das Hauptproblem an „Wenn es dunkel wird“. So kam keine düstere oder schaurige Atmosphäre auf und ich konnte mich dadurch auch nicht in die Charaktere hineinfühlen, mich zu ihnen hinfühlen. Zudem wirkte der Aufhänger zum eigentlichen Drama in meinen Augen total gezwungen und passte gar nicht in die Szenerie und die Situation. Somit hat mich mein zweiter X-Thriller ziemlich enttäuscht zurückgelassen.


Titel: Wenn es dunkel wird
Autor: Manuela Martini
Seiten: 357
Verlag: Arena Verlag
ISBN: 978-3401066080
Preis: € 12,99 (Broschiert)

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