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Mai 03

Rezension – Blinde Vögel (Ursula Poznanski)

blindevoegelZwei Tote in Salzburg. Sie stranguliert, er erschossen. Die Tat eines zurückgewiesenen Liebhabers? Aber die beiden scheinen zu Lebzeiten keinerlei Kontakt miteinander gehabt zu haben. Oder täuscht der erste Blick? Das Salzburger Ermittlerduo Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ist ratlos. Aber Beatrice mag die Sache nicht auf sich beruhen lassen und verfolgt die Spuren, die die Toten im Internet hinterlassen haben. Auf Facebook wird Beatrice fündig: Beide waren dort Mitglieder in einem Forum, das sich ausgerechnet mit Lyrik befasst. Gedichte werden hier mit stimmungsvollen Fotos kombiniert und gepostet. Ganz harmlos. Ganz harmlos? Bald ahnt Beatrice, dass die Gedichte Botschaften enthalten, die nur wenige Teilnehmer verstehen. Düstere Botschaften, in denen es um Angst und Tod geht. Und dann stirbt eine der Lyrik-Liebhaberinnen.

Nachdem ich von „Fünf“ so begeistert war, dass es sogar mein „Buch 2012“ wurde, war ich auf den zweiten Fall für Beatrice und Florin natürlich sehr neugierig und gespannt.
Auch diesem zweiten Band ist es zunächst wieder gelungen, mich zu begeistern. Erneut wird die Ermittlungsarbeit der beiden und ihrer Kollegen sehr kleinschrittig beschrieben. So hat man stets das Gefühl, immer dabei zu sein. Bei Erfolgen genauso wie bei Rückschlägen. Das hat bei mir schnell Spannung aufgebaut.  Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich immer wissen wollte, was als nächstes passiert. Außerdem finde ich, kann man bei einer solch detailgenauen Erzählung gut selber mitknobeln.
Gefallen hat mir auch, dass wieder ein modernes Thema im Mittelpunkt steht. Nach Geocaching im Band zuvor, ist es hier das soziale Netzwerk Facebook. Dorthin führen die Spuren Beatrice und Florin bei ihrer Suche nach dem Mörder.
Genauer gesagt, in eine Facebook-Gruppe für Lyrikliebhaber. Ich finde es immer gut, wenn Geschichten mit der Zeit gehen und Aktuelles zum Thema haben.
Hier und da gibt es zudem Passagen, wo man -sofern man ebenfalls auf Facebook unterwegs ist- nachdenklich darüber wird, was man dort wissentlich und auch unwissentlich von sich preis gibt. Und wie wenig sicher es eigentlich ist.
Gefallen hat mir ebenso, was Beatrice und Florin in den auf Facebook eingestellten Fotos und Gedichten entdecken. Das zeugt von so einem ausgeprägten detektivischen Talent, dass man es sich zwar kaum vorstellen kann, aber mir gefiel eben die Idee dahinter. Hinweise auf einen Mord und seinen Hintergrund verpackt in mehr oder minder bekannte Gedichte, das fand ich ausgesprochen intelligent gemacht.
Als dann aber langsam herauskam, welchen Hintergrund diese Morde haben, ließ meine Begeisterung deutlich nach. Denn in diesem Zusammenhang kam mir die Idee mit den versteckten Hinweisen in den Gedichten doch allzu weit hergeholt. Kreativ, ganz zweifellos, aber eben eine gute Spur zu abgehoben. Schon mal lange, wenn man die Hintergründe am Schluss wirklich komplett kennt.
Dass ich mich für solche Themen wie das um den Hintergrund hier nicht begeistern kann, sei nur am Rande bemerkt. Mir ist das einfach zu lange her. Zu wenig aktuell, womit sich für mich ein zu krasser Gegensatz zwischen damals und der heutigen Facebook-Zeit ergab. Aber ob man sich für so lang zurückliegende Ereignisse als Anlass für diverse Morde begeistern kann, das ist natürlich Geschmackssache. Meiner ist es nicht.
Schön widerum war es zu sehen, wie sich die Charaktere von Beatrice und Florin weiterentwickeln. Und dass sich andeutet, es könnte doch mal mehr aus ihnen werden als nur Kollegen, die ganz gut befreundet sind. Gegen solche Andeutungen bin auch ich nicht immun.

Das buch liest sich weg wie nichts. Es ist leicht zu lesen und die Kapitel haben eine angenehme Länge. Lediglich bei den Gedichten kann es passieren, dass man sie mehrmals lesen muss um sie zu verstehen. Das ist bei Gedichten aber auch nur recht und billig, wie ich finde. Sie verdienen es, dass man sich ausführlicher mit ihnen befasst.

Es handelt sich um eine Reihe, und das sieht man auch dem Cover an. Erneut ist ein schwarzer Vogel und ein Zaun zu sehen. Wie ich finde ist das Cover hier deutlich düsterer ausgefallen als bei „Fünf“. Mir gefällt es sehr gut. Schon alleine wegen dem Kontrast zwischen den dunklen bis schwarzen Elementen und dem kräftigen Blaugrün.

Fazit: Ich fand „Blinde Vögel“ so lange super spannend bis sich die tatsächliche Verbindung zwischen den Facebook-Einträgen und den Morden herauskristallisierte. Da sie mir ab diesem Punkt zu weit hergeholt vorkam und außerdem schlicht nicht mein Fall war, ließ meine Begeisterung und mein Interesse an der Auflösung von diesem Moment an merklich nach. Da hatte ich nach „Fünf“ doch mehr erwartet!


Titel: Blinde Vögel
Autor: Ursula Poznanski
Seiten: 480
Verlag: Wunderlich by Rowohlt
ISBN: 978-3805250450

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