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Mai 09

Rezension – Unterholz (Jörg Maurer)

unterholzAuf der Wolzmüller-Alm oberhalb des idyllischen alpenländischen Kurorts wird eine Frauenleiche gefunden. Jennerweins Bemühungen, etwas über die „Tote ohne Gesicht“ zu erfahren, laufen ins Leere. Niemand im Ort will etwas über geheime Treffen auf der Alm gewusst haben, und der Bürgermeister bangt nur um seine Bollywood-Kontakte. Endlich verrät das Bestatterehepaar a.D. Grasegger dem Kommissar, dass es sich bei der Toten um die „Äbtissin“ handeln soll, eine branchenberühmte Auftragskillerin. Wer hat es geschafft, sie umzubringen? Da geschieht ein weiterer Almenmord, ein mysteriöser Maler gerät ins Fadenkreuz, und Jennerwein pirscht mit seiner Truppe durchs Unterholz.

Nachdem mir Jennerweins letzter Fall nicht mehr so gut gefallen hatte, war ich diesem neuen Band gegenüber doch ein wenig skeptisch. Allerdings hat es zum Glück nicht lange gedauert, das hatte die Geschichte mich schon am Haken. Eine unzufriedene Ehefrau, die ihrem langweiligen Ehemann nach dem Leben trachtet und einen Killer anheuert…so etwas gefällt meinem bösen Ich ab und zu so richtig gut. So wie hier eben.
Diese Vorgeschichte ist dann später auch ganz wichtig. Als nämlich die eigentliche Fall seinen Lauf nimmt: die Tote auf der Alm, die dort an einem sehr dubiosen Treffen teilnahm. Das ruft natürlich Jennerwein und sein Team auf den Plan. Mir hat es hier wieder gefallen, dass ddie Geschichte schön geradlinig verläuft. Zwar mischt hier beispielsweise auch wieder das ehepaar Grasegger mit, ein gewisser Österreicher ebenfalls (darüber habe ich mich am meisten gefreut) und natürlich wechselt auch der Schauplatz immer mal wieder hin zu anderen Personen und Orten, aber der Rote Faden war für mich durchweg gut eerkennbar. Das macht es mir bei Krimis immer leicht, selber Überlegungen anzustellen. Dafür bietet „Unterholz“ also einige Gelegenheit, und das macht halt einfach Spass. Ich wollte die ganze Zeit wissen, ob ich richtig liege, und das hat mich bei Laune gehalten und mir diese Lektüre spannend gemacht.
Erfreulicherweise beschränkt sich die Komik in diesem Band wieder auf Jörg Maurers feinen Blick und seine hintergründig-bissigen Anmerkungen über die Leute aus dem Tal, ihre gewissen Eigenarten und ihr auf Außerstehende vielleicht mekrwürdig wirkendes Verhalten. Ich lese das immer wieder gerne, denn es lässt sich jedes Mal wieder schmunzeln. Außerdem mag ich es, wie wohlformuliert diese witzige Erzählweise ist. Das beweist jedes Mal wieder, dass Komik nicht gleich Klamauk sein muss.
Was mich dazu bringt, dass es hier zwar auch wieder ein paar spaßige Szenen mit Jennerwein und Co. gibt, dass sie am Ende sogar zu einer ausgesprochen waghalsigen und schrägen Art der Verfolgung greifen, aber wenigstens stehen sie nicht mehr so sehr als Deppen da wie im Band zuvor. Da war mir das dann doch eine Spur zu platt. Zum Glück bleibt einem das mit „Unterholz“ erspart.

Jörg Maurers Krimis brauchen ihre Zeit. Trotzdem sie so amüsant und unterhaltsam sind, lassen sie sich nicht so leicht lesen wie man vermuten konnte. Ich habe ja schon die feinen und intelligenten Formulierungen erwähnt. Genau diese kann man nicht herunterhaspeln, sonst kommt man ins Stolpern. Ich finde, dass sie das auch gar nicht verdienen. Humor ohne Albernheiten ist selten geworden, deshalb genieße ich es hier immer wieder gerne. Den Kapiteln sind stets kurze Texte vorangestellt, in denen das Wort „Unterholz“ eine Rolle spielt. Sie machen Spass und sind mit solcher Ernsthaftigkeit -trotz des Augenzwinkerns darin- formuliert, dass man bei einigen doch mal überlegt, ob da nicht tatsächlich etwas dran sein könnte.

Nach dem Eichhörnchen auf dem Cover der vorigen Bandes, ziert dieses Mal ein Murmeltier den Umschlag des Buches. Sehr goldig und für mich ein echter Blickfang im Buchladen. Die saftig grünen Wiesen und die schneebedeckten Berge im Hintergrund lassen keinen Zweifel daran, wo dieser Krimi spielt. Das einzige, was ich schlicht nicht verstehe und auch nicht wirklich einsehe ist, dass der Krimi als Hardcover erscheint. Bisher bekam man Jörg Maurers Krimis als praktische und günstige Taschenbücher. Was war daran falsch, außer dass sie nicht so viel Geld in die Kassen spülen wie Hardcover?

Fazit:  Mit „Unterholz“ geht es wieder aufwärts mit Jörg Maurers Krimis! Eine spannende, geradlinige und clever durchdachte Geschichte, die dem Leser schnell einen Verdacht „einpflanzt“, der einen dann nicht mehr loslässt, den man unbedingt bestätigt bekommen will. Und so habe ich mich gerne mit Jennerwein und Co. auf die Suche nach der Wahrheit gemacht. Nach dem Klamauk im vorigen Band gibt es hier zudem wieder den feinsinnigen Humor geboten, den ich an dieser Reihe so gerne mag. So kann es weitergehen!


Titel: Unterholz
Autor: Jörg Maurer
Seiten: 432
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3651000421
Preis: 16,99 (TB)

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