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Mai 24

Rezension – Alpenglühen für Anfänger (Sissi Flegel)

alpengluehen1Öd, öder, Einödsbach. Wie kann man hier freiwillig Urlaub machen? Doch Bonnie hat einen Grund, Hamburg zu verlassen, um in Tante Friedls steinzeitlicher Berghütte auszuharren. Was der Alpenkatastrophe jedoch den Gipfel aufsetzt, ist, dass eben jener Grund – der süße Valerio – plötzlich aufkreuzt. Eisern ignorieren!, heißt Bonnies Devise. Doch als Oberkuh Walburga mit den mordsknappen Lederhosen auftaucht, brennen nicht nur bei Bonnie die Sicherungen durch.

Dieses Buch stand zwar auf dem Wunschzettel, allerdings nicht ganz vorne. Dann brauchte ich im Urlaub eine leichte Lektüre für zwischendurch und habe es mir gekauft.
Bereut habe ich das nicht eine Sekunde lang. Anfangs hatte ich zwar so meine Schwierigkeiten mit Nordlicht Bonnie, die kein gutes Haar an ihrem bayerischen Feriendomizil lässt (ich mag halt muffelige Charaktere nicht so besondern gern), aber ab diesem Wortgefecht zwischen Heidi und ihr, wurde sie mir gleich sympathischer:

„Nur dass du es weißt, Heidi: ich habe eine Bank ausgeraubt, zwei Morde begangen, drei Kinder entführt, vier Häuser in Brand gesetzt und bin aus dem Gefängnis ausgebrochen. Meine Knarre steckt in der hinteren Jeanstasche, und wenn du mal nicht aufpasst, schieße ich dich über den Haufen! Also sieht dich vor! Und vor allem – stell mir keine neugierigen Frage! Reicht dir die Auskunft?“

„Ja mei… Nur dass du es weißt, Bonnie: meine Knarre steckt in der rechten Schürzentasche, das Fläschchen mit Gift in der linken. Heute habe ich einen Hirsch gewildert, zwei blöde Wanderer in eisernen Fußfesseln gefangen, drei Gäste auf der Hütten vergiftet und vier Alpenvereinsmitglieder in den Abgrund gestoßen. Also sieht dich vor! Reicht dir die Auskunft?“

Fronten geklärt, könnte man sagen. Und so bin ich gerne mit ihr hinauf zur Rabennesthütte hinaufgestiegen. Solange es nicht um die Jungs vom Bolzplatz geht, bin ich halt doch ein kleiner Bayernfan 😉
Die bösen Überraschungen für Bonnie reißen jedoch nicht ab. Auf der Alm landet sie in der Küche, Heidi wird eifersüchtig, weil sie meint, ihre Freund Basti sei an Bonnie interessiert. Und dann taucht auch noch die Obertussi Walburga in den knappen Lederhosen auf. Es geht also mächtig turbulent zu und ich habe manches Mal lachen müssen. Bonnie hat einen tollen Sinn für Humor, und die bayerischen Ureinwohner werden so liebenswert kauzig und witzig beschrieben, dass man sie einfach vom Fleck weg mögen muss.
Zunächst will Bonnie allerdings nur weg, was aber gar nicht so einfach ist. Und ehe sie es sich versieht, gefällt es ihr doch ganz gut. Das hat mir am besten gefallen: zu verfolgen, wie Bonnie sich auf der Alm einlebt, Freundschaften schließt, sich in der Küche mausert, täglich einen witzigen und geistreichen Kalenderspruch dichtet, der zu ihrer Situation passt und sich nach und nach für den ganzen traditionellen bayerischen Kram begeistern kann.
Natürlich spielt auch die Liebe eine ganz wichtige Rolle. Heidi, Basti, Valerio, Walburga, Käsebauernsohn Wolfi…auch in Eindödsbach und auf der Rabennesthütte spielen die Hormone gern einmal verrückt. Da muss man erstmal den Überblick behalten!
Mir hätte es gerade was Bonnie und Valerio anbetrifft gerne noch etwas deutlicher sein dürfen. Ich hatte nie den Eindruck, dass Bonnie total verknallt in ihn ist. Ich brauche echt keinen Kitsch, aber die ständige Beteuerung „Er ist mir ja total egal!“ ist für mich kein sonderlich klarer Hinweis auf große Gefühle. Deshalb war ich mir bis zum Schluss auch nicht sicher, ob aus den beiden tatsächlich etwas werden würde. Andererseits ergibt sich so eine gewisse Spannung. So kann man das natürlich auch sehen.
Jedenfalls führt das Liebeschaos auch noch zu einigen wirklich gefährlichen Situationen. Und zudem haben die Freunde obendrein noch so eine Art kleinen „Fall“ um einen Unbekannten zu lösen, der Wegweiser für Wanderer verdreht und sie so entweder in Gefahr bringt, oder Touristengruppen von der Hütte fernhält.
So ist die Geschichte nicht nur hinsichtlich „Wer mit wem“ und „kriegen sie sich, oder nicht“ spannend. Es darf auch mal um die liebgewonnenen Charaktere gebangt werden und ein wenig krimimäßiges Knobeln über den Schilder-Missetäter ist ebenfalls drin.

Das Buch liest sich wie geschnitten Brot. Es ist so locker flockig erzählt, dass ich nur mal kurz reinlesen wollte und im Nu schon halb durch war. Und mich nur ganz schwer überwinden konnte, es nicht in einem Rutsch zu lesen. Gestört habe ich mich einzig an ein paar Fehlern. So heißt Valerio einmal plötzlich Valentino. Und der Freund von ihrer Tante wechselt ebenfalls innerhalb von zwei Sätzen seinen Namen. Das fällt auf und zumindest ich dachte, ich hätte etwas verpasst und musste deshalb noch mal zurücklesen.

Ich finde das Cover ja einfach nur super klasse! Vor allem das Schaf mit dem gelben Regenhut 😉 Und mit der grünen Berglandschaft und der Herzchen in der Tür, durch das man dorthin schaut, wird auf den ersten Blick klar, wo diese Geschichte spielt. Witzig und schön, und wie ich finde ein echter Blickfang.

Fazit: Die ideale Urlaubslektüre. Vor allem, wenn man in Bayern urlaubt und vielleicht -genau wie Bonnie- zunächst gar nicht so begeistert darüber ist. Turbulent, witzig und urbayerisch. Das macht einfach Spass. Ich war direkt ein wenig enttäuscht als ich das Buch durch hatte. Ich wäre gerne noch länger auf der Rabennesthütte bei Bonnie und ihren Freunden geblieben.


Titel: Alpenglühen für Anfänger
Autor: Sissi Flegel
Seiten: 320
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401828
Preis: € 7,99

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