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Jun 02

Partials 01 – Aufbruch (Dan Wells)

partials01Den Krieg gegen die Partials, künstlich erschaffene Menschen, haben nur wenige tausend echte Menschen überlebt. Die 16-jährige Kira begibt sich mit einer Gruppe Verbündeter nach Manhattan, ein Gebiet, das die übermächtigen Partials beherrschen. Und dabei entdeckt sie, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Partials vor dem Untergang stehen – und beide mehr gemeinsam haben, als sie ahnten. Die letzten Menschen haben sich nach einer verheerenden Katastrophe nach Long Island, vor die Tore Manhattans, zurückgezogen. Die Partials, übermächtige Krieger, die einst von den Menschen erschaffen wurden und sich dann gegen sie wendeten, bedrohen die Überlebenden. Und eine unheilbare Seuche fordert ihre Opfer. Die sechzehnjährige Kira setzt alles daran, einen Weg zu finden, die Krankheit zu heilen. Doch dieser Weg führt sie nach Manhattan, mitten in das Gebiet der unheimlichen Partials. Und was sie dort entdeckt, wird nicht nur ihr eigenes, sondern das Schicksal aller Geschöpfe auf unserem Planeten verändern.

Obwohl ich nicht mehr allzu viel für Dystopien übrig habe, war ich auf diese hier seit dem ersten Sehen neugierig. Dabei könnte ich nicht mal sagen, weshalb eigentlich. Am ehrlichsten wäre noch zu sagen, wegen dem schönen Cover. Was ja auch ein guter Grund ist 😉
Insgesamt hat mich mein Riecher für gute Bücher auch in diesem Falle nicht getäuscht. „Partials 01“ hat mir gefallen, hat aber auch ein paar Schwächen. Doch der Reihe nach. Zum Ersten haben mir die Rahmenbedingungen zugesagt. Natürlich, es ist irgendwann in der Zukunft, die Welt wie wir sie kennen existiert nicht mehr, es gab einen Krieg und ein Häuflein Menschen versucht angestrengt so etwas wie ein normales Leben zu führen. Und ein Regime mit radikalen Regeln darf selbstverständlich auch nicht fehlen bei einem Buch dieses Genres. Es ist also alles da, wo ich normalerweise abwinken würde. ABER diese Menschen führen tatsächlich so etwas wie ein normales Leben. Sie wohnen in Häusern, sie müssen ihr Essen nicht erst erlegen und es gibt immer noch -wenn auch verfallen- Erinnerungen an die Welt, wie sie vorher war. Beispielsweise an Einkaufszentren. So halte ich solche Geschichten gut aus. Und Kira und ihre Freunde sind zwar erwachsener als Teenger heute, aber es gibt immer wieder Szenen, in denen sie eben genau das sind. Teenies mit einem Faible für Partys und Klamotten. Eine Dystopie, die nicht in der neuen Steinzeit spielt. Davon war ich ehrlich begeistert!
Mit den Charakteren wurde ich ebenfalls schnell warm. Eben weil sie immer noch ein Stück weit ganz normal sind. Andererseits zwingt ihr Leben sie, früh erwachsen zu werden. Und so haben bereits einige von ihnen richtige Jobs. Die einen beim Militär, manche als Assistentin der Regierung, und Kira und ihr Freund Marcus gehören zur Sanitätsgruppe. Zudem arbeitet Kira als Praktikantin im Krankenhaus. Und da hat sie echt schon was auf dem Kasten! Ich habe mich allerdings schon gefragt, woher sie alle ihre Kenntnisse hat. Sie wirkt häufig wie eine ausgebildete Wissenschaftlerin / Medizinerin. Das erschien mir etwas unwahrscheinlich. Da ich aber für Medizinisches in Büchern ein ausgeprägtes Faible habe, konnte ich das gut verdrängen. Und es gibt einige Passagen, in denen es medizinisch zugeht. Übrigens auch in dieser Hinsicht doch recht modern was die Technik und die Methoden angeht! Wie schön: keine medizinischen Maßnahmen mit selbstgepflückten Kräutern, oder sowas! Da habe ich mich nochmal verstanden gefühlt!
Es gibt aber natürlich ein großes Problem in Kiras kleinem Ort. Kein Kind, das geboren wird, überlebt länger als ein paar Minuten. Sie fallen sofort einem Virus zum Opfer, das unweigerlich tötet. Es stammt von den Partials, die die Menschen einst als Arbeiter selbst erschufen, die sich dann aber gegen sie wendeten. Sie setzten den Virus aus. Die einzige Gegenmaßnahme der Regierung besteht darin, die Mädchen schon möglichst früh dazu zu verdonnern, Kinder zu bekommen. Immerhin könnte ja doch mal eines überleben und dann ginge es wieder bergauf. Als Kiras Freundin schwanger wird, reicht Kira das Warten nicht mehr! Sie hat eine Idee, wie man dem Virus auf den Grund gehen kann. Und die führt aus der Stadt hinaus in’s fast verlassene Manhattan. Das Gebiet, in dem es Partials gibt.
Auch bei dieser „Expedition“ hat Dan Wells einen Spagat geschafft, der dafür sorgte, dann ich gut mit den Schilderungen der endzeitlichen Gegend klar kam. Einfach, weil zB Manhattan erwähnt wird, das es heute ja gibt. Oder auch, weil gelegentlich mal ein Laden erwähnt wird. Der ist zwar in Kiras Welt verfallen, aber er bietet eine Verbindung ins Heute. Und das brauche ich in solchen Geschichten.
Ab dieser Expedition legt die Geschichte merklich an Spannung, Action und Tempo zu. Ich fand es spannend, mit der Truppe durch Manhatten zu streifen, mir haben auch die Szenen mit den Kämpfen und Schießereien gefallen (Jugendbuch hin oder her, immerhin herrschte Krieg zwischen den Menschen und Partials) und zuletzt -und in erster Linie- hat mir der Erfolg der Gruppe zugesagt. Sie bringen nämlich einen Partial mit in die Stadt, und Kira soll ihn untersuchen. Da ich mir die Partials bis dahin als so eine Art Roboter vorgestellt hatte, gefiel es mir, als was dieser eine sich herausstellt. An ihm ist etwas Besonderes, mit dem niemand gerechnet hätte. Jedenfalls gab es wieder viele Untersuchungen, medizinische Überlegungen und Theorien, dafür nehme ich dann auch ein paar Kapitel in einer halbtoten Welt in Kauf. Und die Entdeckung, die Kira an „ihrem“ Partial macht, war ebenfalls nach meinem Geschmack. Und nein, keine Sorge, es ist nichts Romantisches! Wobei, wenn es nach mir gegangen wäre…naja 😉
So ingsesamt hat mir die Geschichte also prima gefallen. Knackpunkt war eben einmal  die Glaubwürdigkeit von Kiras Können, wo sie doch gerade erst drei Monate als Praktikantin im Krankenhaus arbeitet, zum Zweiten fand ich aber auch, dass ihr Vieles zu leicht fällt. Egal, welche Ideen sie hat, nach recht kurzem Protest zB der Regierung, setzt sie letztlich ihren Willen durch. Hallo? Kira ist gerade mal sechzehn Jahre alt! Früher erwachsen werden, hin oder her! In dieser Hinsicht ließ meine Spannung also schnell nach. Es war eh klar, dass sie letztlich alles erlaubt bekommt.
Ohne einen kleinen Schuss Romantik kommt aber kaum ein Jugendbuch aus. Der ist also auch hier vorhanden. Kira hat einen Freund, Marcus, und ihr Miteinander ist oft nicht leicht, dann aber auch wieder schön. Aber es kommt halt ohne jeglichen Kitsch aus.

Ich hatte das Buch an drei Abenden ausgelesen. Es ist leicht geschrieben. Zwar gibt es immer mal wieder ausführlichere erklärende Passagen, aber sie sind nie zu lang und so bestand keine Gefahr, dass ich abschaltete. Dafür gibt es immer wieder auch Dialogszenen, die auflockern und sich einfach flotter lesen lassen. Die Kapitel haben eine ordentliche Länge. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Da schmökert man sich schnell mal durch mehrere Kapitel hindurch.

Wie gesagt gefällt mir das Cover unheimlich gut. Ich mag die kräftigen Farben total gerne, und ich bin hocherfreut, mal nicht einfach ein Frauengesicht als Motiv zu sehen. Die Skyline der düsteren Stadt erinnert sehr an das heutige Manhatten, und das Mädchen dreht dem Leser den Rücken zu, statt ihn geheimnisvoll anzuschauen. Auf der Rückseite wendet sie einem das Gesicht zwar zu, doch der Blick ist nach oben gerichtet. Und wenn man so will, dann trägt es eine äußerst moderne Jacke! Es könnte also ein Mädchen aus dem Heute sein.

Fazit: Ich fand es recht unglaubwürdig, was Kira als Praktikantin so alles auf dem Kasten hat. Und was ihre Pläne angeht, war für mich schnell die Spannung raus, weil sie letztlich doch immer ihren Willen durchsetzt. Davon abgesehen hat mir dieser erste Teil aber gefallen, weil Kiras Welt zwar vor dem Abgrund steht, vieles aber doch noch sehr modern wirkt, und es sogar Bezüge zu unserer Welt heute gibt. Das liegt mir einfach mehr als diese Steinzeit-Dystopien! Ich fand Kiras Entdeckungen und Nachforschungen interessant (kleiner Medizin-Thriller-Fan, der ich bin) und auch spannend. Und so bin ich schon sehr neugierig darauf, wie es mit der Reihe weitergeht.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Aufbruch – Partials 01
Autor: Dan Wells
Seiten: 512
Verlag: Piper ivi
ISBN: 978-3492702775
Preis: € 16,99 (HC)
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