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Jun 14

Rezension – Böser Wolf (Nele Neuhaus)

boeserwolfAn einem heißen Tag im Juni wird die Leiche einer 16-Jährigen aus dem Main bei Eddersheim geborgen. Sie wurde misshandelt und ermordet, und niemand vermisst sie. Auch nach Wochen hat das K 11 keinen Hinweis auf ihre Identität. Die Spuren führen unter anderem zu einer Fernsehmoderatorin, die bei ihren Recherchen den falschen Leuten zu nahe gekommen ist. Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein graben tiefer und stoßen inmitten gepflegter Bürgerlichkeit auf einen Abgrund an Bösartigkeit und Brutalität. Und dann wird der Fall persönlich.

Nachdem mir „Schneewittchen muss sterben“ so gut gefallen hat, war es klar, dass ich auch „Böser Wolf“ lesen würde. Aus der Erfahrung heraus war ich dieses Mal so schlau, mir Papier und einen Stift parat zu legen. Eine gute Idee, wie sich herausstellte. Denn auch in „Böser Wolf“ bekommt man es wieder mit einer ganzen Reihe Charaktere an verschiedenen Handlungsorten zu tun. Da habe ich mir die Namen und einen Stichpunkt zur Person vorsichtshalber notiert um notfalls schauen zu können, wen ich vor mir habe. Das war dann zwar nur wenige Male nötig, doch das kann täuschen, da einmal Geschriebenes bei mir schneller hängenbleibt als nur Gemerktes.
Ich persönlich finde ja, dass alleine der Titel dieses Krimis bereits verrät, um welche Art Verbrechen es sich hier dreht. Das mag daran liegen, dass es ein Lied von den „Toten Hosen“ mit gleichem Titel gibt, das sich mit dem gleichen Thema befasst. Das hat damals Eindruck bei mir hinterlassen und daher stand die Assoziation sofort. Aber auch Leser, die dieses Lied nicht kennen, werden nicht lange brauchen um zu erkennen, welches Grauen den Hintergrund für die Morde stellt.
Ich fand überhaupt, dass die Geschichte in Teilen sehr vorhersehbar war. Nicht im Detail, aber halt schon eben hinsichtlich des zentralen Themas. Und auch, wer in der Sache alles mit drinsteckt, wen es noch „erwischen“ würde und inwiefern es für Pia Kirchhoff noch persönlich werden würde, war mir schnell klar. Trotzdem konnte ich das Buch nur schwer aus der Hand legen, denn spannend ist es auch mit dieser Vorhersehbarkeit. Schließlich gilt es noch, die Details in Zusammenhang zu bringen, was mir hier richtig Spass gemacht hat. Wobei ich zugeben muss, dass mir gewisse Abschnitte leichter gefallen sind als andere. Nicht alle Charaktere waren Sympathieträger für mich (was sicher auch so beabsichtigt ist) und deren Passagen fielen mir manchmal schwer. Da war ich froh, dass der Schauplatz und damit auch die Figuren zügig wechseln.
Und eine ganze Reihe nicht geahnter erschreckender Momente und Erkennisse gab es ebenfalls noch. Nicht zuletzt war ich natürlich auch gespannt, ob ich mit meinen vermeintlich so offensichtlichen Vermutungen recht haben würde. Ich war mir zwar sehr sicher, aber „Böser Wolf“ wäre nicht der erste Krimi gewesen, der mich gekonnt an der Nase herumgeführt hätte.
Das Ende ist in eine Richtung recht offen gehalten. Das könnte darauf hindeuten, dass man eine gewisse Person nochmal in der Reihe antrifft. So wenig ich es irgendjemandem gönne, dass ihm etwas widerfährt wie den Gepeinigten in „Böser Wolf“…aber ich brauche denjenigen und damit eine Fortsetzung oder einen zweiten Teil nicht. Es gibt mittlerweile viel zu wenig eigenständige Geschichten bzw Reihen mit unabhängigen Teilen. Daran darf Nele Neuhaus für mich gerne festhalten.

Dass ich ein paar Tage für „Böser Wolf“ gebraucht habe, lag alleine an der Dicke des Buches. Denn sonst liest sich die Geschichte weg wie nichts. Ich mag Nele Neuhaus‘ Schreibstil unheimlich gerne. Er liest sich flüssig und zügig weg. Das finde ich schon deshalb gut, weil die Geschichten ja doch ganz schön komplex sind. Da wäre ein umständlicher Schreibstil das Letzte, was ich noch bräuchte.

In der Geschichte werden draußen Familienfeste gefeiert, es kann also unmöglich Winter sein. Deshalb finde ich es etwas seltsam, dass das Cover eine winterliche Szenerie zeigt. Jedenfalls sieht es für mich mit dem Weiß ganz so aus. Seit „Schneewittchen muss sterben“ sind die Cover ja sonst in einem dunklen Blau gehalten, das mir stets auf’s Neue gefällt.

Fazit:  Für mich war die Geschichte in einigen wesentlichen Punkten sehr vorhersehbar. Dennoch fand ich „Böser Wolf“ zum Nägelknabbern spannend, da immer noch genug Fragen und Details offen blieben, die sich mir erst nach und nach erschlossen. Die Geschichte befasst sich mit einem sehr heißen Thema, das selbst bei zutiefst friedlich eingestellten Lesern sicher für Schrecken, wenn nicht gar für Hass den Täten gegenüber sorgen wird. Top!

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel:  Böser Wolf
Autor: Nele Neuhaus
Seiten:  480
Verlag: List Verlag
ISBN: 978-3550080166
Preis:  € 19,99

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