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Jun 17

Rezension – Artikel 5 (Kristen Simmons)

artikel5Wer nach Einbruch der Dämmerung sein Haus verlässt, Bücher liest oder uneheliche Kinder zeugt, wird im Amerika der Zukunft hart bestraft. Denn die sog. Moralmiliz entmündigt mit ihren totalitären Artikeln die Bürger der Vereinigten Staaten. Ember ist eines der unzähligen Opfer jener neuen Gesetze und muss für ihre Freiheit kämpfen. Religiöser Fanatismus hält Einzug in die Vereinigten Staaten: Wer gegen die strengen Statuten der Moralmiliz verstößt, dem stehen öffentliche Demütigung, Haft und sogar der Tod bevor. Die 17-jährige Ember lebt mit ihrer Mutter allein und versteckt. Doch trotz aller Schutzmaßnahmen wird ihre Mutter verhaftet. Sie hat gegen Artikel 5 der Moralstatuten verstoßen, weil sie nicht mit Embers Vater verheiratet war. Ember wird in einer Besserungsanstalt für Mädchen gebracht und lernt dort Hass, Gewalt und fanatische Moralisten kennen. Sie weiß, sie muss ihre Mutter retten, koste es was es wolle. Und dazu braucht sie Hilfe des Mannes, der ihre Mutter verhaftet hat: Embers große Liebe, Chase.

Ich weiß nicht mehr genau, was mich neugierig auf dieses Buch gemacht hat. Bekanntlich bin ich mit Dystopien kaum bis gar nicht mehr zu begeistern. Vermutlich war es das Cover, das mir auch jetzt noch gut gefällt. Und dass Ember wegen ihrer Liebe zu Chase in ein großes Dilemma gerät.  Da hatte ich wohl auf etwas Romantik gehofft, was mich durchaus über eine sonst arg deprimierende Zukunftsvision hinwegtrösten kann.
So leid es mir tut, das zu sagen, aber „Artikel 5“ hat mich (wegen meiner Erwartungen, die nicht erfüllt wurden?) insgesamt einfach nur enttäuscht. Die Ahnung, dass ich mir jegliche Romantik -selbst wenn es nur ein Funken wäre- offenkundig abschminken kann, kam mir schon nach wenigen Seiten. Und damit war dann nichts mehr da, was mich über die schaurige Zukunftsvision hätte hinwegtrösten können. Es ist ganz einfach so: ich kann diese finsteren Blicke in die Zukunft nicht mehr ab! Auch wenn die Geschichten das Thema von verschiedenen Warten aus angehen, prinzipiell ist es immer das Gleiche.
Da konnten mich hier weder die Moral Miliz, noch gewaltätige Anstaltsleitungen oder eine hartgesottene Putzfrau mehr schrecken.
Entsprechend wollte bei mir auch nur ganz selten Mal so etwas wie Spannung aufkommen. Wenn, dann hielt sie nur wenige Sätze lang an.
Das größte Manko war für mich Ember selber. Ich habe sie einfach nicht verstanden! Ich habe nicht verstanden, wieso sie in einer solchen Welt noch an der uns bekannten Moral festhält. Immerhin geht es um nichts Geringeres als ihr eigenes Leben. Und das ihrer Mutter natürlich auch. Wenn einem doch Gewalt angetan wird, wenn man geschlagen wird, wenn sich immer wieder Waffen auf einen richten und man für jede überlebte Minute dankbar sein kann, da muss man doch schon eine Heilige sein um noch an dieser verstaubten Moral festzuhalten. Das fand ich unglaubwürdig.
Genauso habe ich dieses Hin und Her mit Chase nicht verstanden. Einerseits träumt sich Ember oft zurück in ihre glückliche Vergangenheit mit Chase. Da spürt man schon, wie sehr sie ihn mal geliebt hat.  Und auch während ihrer gemeinsamen Flucht und Suche nach Embers Mutter gibt es immer mal wieder ruhige Momente, wo es zwischen ihnen knistert, aber Ember hat nichts Besseres zu tun als diese Momente zu ruinieren und Chase von sich zu weisen. Ja, ihn sogar richtig hassen zu wollen.
Mir ist schon klar, dass Kristen Simmons die Liebesgeschichte rauszögern will, weil es wohl einer der Ansporne ist, sie Trilogie zu verfolgen, aber dieses kindische Hin und Her hat zumindest mich arg genervt.
Und es hat mein Bild von Ember so verwackelt, dass ich nicht mal wusste, wie ich sie letztlich einstufen soll. Die abgebrühte, harte Tochter habe ich ihr nicht abgenommen, genauso wenig aber auch das einfach traurige und enttäuschte Mädchen, das seine Mutter retten möchte. Ich hatte stattdessen immer den Eindruck, dass Ember selber nicht weiß, wer sie ist und was sie will. Dabei ist ihre Leben eigentlich schon mistig genug, auch ohne dass sie es durch ihre unstete Art noch schlimmer macht.

Dass ich mich ganz schön durch das Buch gequält habe, hatte also in erster Linie inhaltliche Gründe. Es lag aber auch daran, dass es sehr viele erzählenden Passagen und im Verhältnis eher wenige Dialoge gibt. Und wenn in diesen Passagen noch etwas geschildert wird, für das man sich nicht erwärmen kann, fällt es eben schwer. Die Kapitel sind zudem nicht gerade kurz. Das geht dann eben nicht so sonderlich zügig voran.

Das Cover gefällt mir noch immer. Ich finde, es sieht geheimnisvoll aus. Zudem schön düster. So kann ich auch mit dem x-ten Gesicht auf einem Buchcover ganz gut leben.

Fazit:  „Artikel 5“ war die letzte Dystopie für mich. Egal, welchen Aufhänger diese Geschichten haben, letztlich bleibt es bei einem Blick in eine sehr finstere Zukunft. Entsprechend bot mir auch dieses Buch nichts Neues. Hier war es halt die sogenannte Moralmiliz und lebensbedrohliche Gesetze. Das Ergebnis war das gleiche wie bei allen anderen Dystopien. Außerdem war ich von Ember genervt, die einfach nicht weiß, was sie will, und die sich offenbar gar nicht wirklich im Klaren darüber ist, in welcher Situation sie steckt. Sonst würde sie nicht alle naselang die Heilige geben wollen.

Diese Rezension entstand im Rahmen des Amazon Vine Produkttesterprogrammes!


Titel: Artikel 5
Autor: Kristen Simmons
Seiten: 432
Verlag: Egmont Schneiderbuch
ISBN: 978-3492702867
Preis: € 16,99

1 Kommentar

  1. Friedelchen

    Hm, schade dass Dystopien nicht so dein Fall sind, bei mir ist es das Lieblingsgenre 🙂 Aber Artikel 5 fand ich auch eher lala, Ember war halt einfach merkwürdig…

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