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Jun 20

Rezension – Ostfriesenkiller – Der erste Fall für Ann Kathrin Klaasen (Klaus-Peter Wolf)

ostfriesenkillerEine Serie von Morden erschüttert eine kleine Stadt in Ostfriesland. Nach und nach werden mehrere Mitglieder des Vereins ›Regenbogen‹ auf grausame Weise umgebracht. Wer hasst so sehr, dass er sie alle auslöschen will? Für Ann Kathrin Klaasen wird dieser Fall zu einer echten Bewährungsprobe.

Dieses Buch habe ich mir bei einer Lesung gekauft, an der auch Klaus-Peter Wolf beteiligt war. Das bot sich an. Außerdem war ich ja doch schon eine Weile neugierig auf diese Reihe. Schließlich bin ich bei Regiokrimis immer gerne mal in neuen Landstrichen unterwegs. Buchmäßig war ich noch nie in Ostfriesland.
Ich muss aber gestehen, dass ich skeptisch war. Vor allem wegen Ann Kathrin Klaasen. Ich bin kein Fan weiblicher Polizisten / Ermittler. Und es begann auch gar nicht gut mit uns, denn man lernt sie als erstes als von ihrem Ehemann gehörnte Frau kennen. Ich sah schon kapitelweise typisch weiblichen Katzenjammer wegen Mann und Familie auf mich zukommen.
Da war ich natürlich umso erfreuter als ich merkte, dass ich damit nicht rechnen musste. Da hat mir Ann Kathrin Klaasen wirklich sehr imponiert. Natürlich ist sie traurig und enttäuscht von ihrem Mann und verzweifelt, weil ihr Sohn mit ihm auszieht. Das ist berechtigt und nachvollziehbar. Aber sie ist und bleibt unverkennbar auch Kommissarin. Sie ist gut in ihrem Job, macht ihn gerne und und stellt ihn nicht hinter Mann oder Sohn zurück. Das habe ich bewundert und ihr hoch angerechnet. Und dankbar war ich dafür auch. Solche weiblichen Ermittler gefallen sogar mir!
Und so habe ich sie gerne bei ihren Nachforschungen um die Mordserie begleitet. Der Fall beginnt nicht allzu komplex, sodass man sich gut in die Situaton einfinden und sich mit den Charakteren bekannt machen kann. Ich war mir bis dahin auch sicher, dass es nicht allzu schwierig sein würde, den Fall zu lösen.
Nach und nach wird er aber doch komplexer, womit man aber gut zurecht kommt, da man eine ordentliche Einführung in die Geschichte bekommen hatte. Lediglich bei den Mitarbeitern vom Verein „Regenbogen“ musste ich ab und zu mal überlegen, wer nochmal wer ist. die wichtigsten Personen hatte ich aber parat. Es hat mir Spass gemacht zu überlegen, wer wohl in der Sache mit drinstecken könnte. Ich mag es, wenn ich bei einem Krimi mitkombinieren kann. Das hat hier prima geklappt. Und ich mag es, wenn ein Krimi die eine oder andere unheimliche Szene auf Lager hat. Auch das hat „Ostfriesenkiller“. Zum Beispiel als Ann Kathrin Klaasen eines Abends in ihr Haus kommt und sich scheinbar grundlos beobachtet bzw bedroht fühlt. Eine Gänsehaut gehört einfach zu einem Krimi dazu.
„Ostfriesenkiller“ ist aber nicht nur ein spannender Krimi, er gewährt einem auch einen Blick auf die Arbeit von solchen sozialen Vereinen wie dem „Regenbogen“. Vor allem, mit welchen Problemen solche Vereine oft zu kämpfen haben. Seien es die Verwandten der betreuten Personen oder auch die Politik, diese Arbeit ist alles andere als einfach. Da kann man oft nur den Kopf schütteln, wie manche Menschen oder Institutionen mit den Mitarbeitern und den Leuten in deren Obhut umspringen.
Genauso habe ich den Kopf darüber geschüttelt, wie manche Menschen mit geistig leicht behinderten Leuten umgehen. Sie ausnutzen und demütigen. Und auf der anderen Seite diese Leute, die in ihrer großen Naivität davon ausgehen, das sei so auch noch völlig richtig.
Was den Mörder angeht, konnte mich die Geschichte dann nicht mehr überraschen. Darüber war ich mir ab einem bestimmten Punkt ganz sicher. Aber es ist halt auch ein schönes Gefühl, wenn man sich am Ende selber ein wenig auf die Schulter klopfen kann, weil man den richtigen Riecher gehabt hat 😉

Es hat mich etwas erstaunt, dass einem „Ostfriesenkiller“ tatsächlich ein ruhiges Lesetempo aufzwingt. Ohne dass das jetzt negativ gemeint wäre. Es gibt immer wieder beschreibende Passagen, die sich halt nicht so flott lesen lassen. Dann kommen aber wieder Dialogszenen und sie lesen sich im Nu. Das ist schön ausgewogen und sorgt nebenbei dafür, dass man sich mehr auf die Geschichte einlässt als wenn sie sich wie nix runterlesen lassen würde. ab und zu gibt es auch mal Anlass zum Schmunzeln, denn ein Funken Humor bzw dem Landstrich entsprechender Charme gehört in diesem Genre einfach dazu.

Das Cover gefällt mir sehr. Ich mag halt Blau, vor allem wenn es so schön düster ist wie hier. Das steht einem Krimi. Der Leuchtturm ist eine schöne und witzige Idee um nochmal darauf hinzuweisen, wo die Geschichte spielt. Dass ich dabei immer an „Otto, der Außerfriesische“ denken muss, da kann ja niemand etwas dafür.

Fazit:  „Ostfriesenkiller“ ist ein Krimi, der nicht nur mit einem spannenden Fall begeistert und Eindruck macht, sondern auch mit seinen Einblicken in die Arbeit(sbedingungen) von sozial engagierten Vereinen. Zudem hat mich Ann Kathrin Klaasen damit beeindruckt, dass die wegen ihrer gescheiterten Ehe nicht im Elend versackt, sondern trotzdem weiterhin eine gute, starke und selbstbewusste Kommissarin ist. So komme ich auch mit Frauen in diesen Job prima klar. Das war sicher nicht mein letzter Fall mit ihr!


Titel: Ostfriesenkiller – Der erste Fall für Ann Kathrin Klaasen
Autor: Klaus-Peter Wolf
Seiten: 311
Verlag: Fischer Verlage
ISBN: 978-3596166671
Preis: 8,95 (TB)

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