«

»

Jun 23

Rezension – Der Metzger sieht Rot (Thomas Raab)

metzgerrotWas tut man nicht alles aus Liebe? Willibald Adrian Metzger zum Beispiel, der feinsinnige Restaurator, überwindet seine Abneigung gegen Massenveranstaltungen und begleitet seine heiß verehrte Danjela zu einem Heimspiel ihrer Lieblingsmannschaft – mit tragischem Ende. Denn auch der Tod löst diesmal seine Eintrittskarte und zeigt auf dem Spielfeld die finale Rote Karte. Als tags darauf überdies Danjela ihrer Neugierde zum Opfer fällt, ist es vorbei mit der Gelassenheit Metzgers. Mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und findet dabei etwas erschreckend anderes.

Auf diese Reihe wurde ich durch einen späteren Band aufmerksam. Da ich aber in Reihenfolge lese, ging es mit diesem zweiten Band der Serie los. Der erste war in der Buchhandlung leider gerade nicht vorrätig, und ich wollte nicht warten. So kann ich zumindest sagen, dass ein Quereinstieg in die Reihe wohl mit jedem Band möglich ist.
Ganz einfach wurde mir der Start aber leider nicht gemacht. Und zwar ausgerechnet wegen Willibald Adrian Metzger persönlich, der so gar nicht mein Geschmack einer Hauptperson war. Erstens optisch (der Beschreibung nach halt) und zweitens -viel wichtiger- vom Wesen und seinen Denkweisen her. Gesunde Skepsis gewissen Dingen gegenüber ist völlig okay für mich, doch hier grenzte das für mich schon an sture Verbohrtheit. Beispielsweise den Themen Handy, Fußball oder einem wehrlosen Hund gegenüber, der sich sein Schicksal sicher nicht selbst ausgesucht hat und betreut werden muss.
So dauerte es bis ich mit dem Metzger warm wurde. Gelungen ist das letztlich hauptsächlich, weil man deutlich spürt, wie sehr er seine Danjela liebt, und weil er bald ein ganz schön helles Köpfchen beweist.  Das ist auch notwendig, denn der Fall, der mit einem Fußballer beginnt, der  auf dem Spielfeld einfach tot umfällt, wird bald sehr persönlich für den Metzger. Ausgerechnet Danjela  wird von fremdenfeindlichen Ultras ins Koma geprügelt!
Ich mag Krimis mit Ermittlern, die nicht von der Polizei oder der Kripo sind meist ganz gerne. Das hat mir auch hier prima gefallen, weil es doch eine ganz eigene Art der Nachforschungen mit sich bringt. Zudem hat mich die Geschichte damit überrascht, welche Hintergründe sich nach und nach auftun und welche Ausmaße der Fall so annimmt.
Allerdings fiel es mir ab und zu ganz schön schwer, genau zu begreifen, was gerade geschieht. Oder welche Erkenntnisse der Metzger gewonnen hat. Das hatte aber im Wesentlichen sprachliche Gründe. Der Inhalt ist wohldurchdacht, daran gibt es nichts auszusetzen. Ich musste mich halt damit abfinden, gelegentlich eine Passage zweimal zu lesen.
Erfreulicherweise gibt es ab und zu auch Anlass für ein Schmunzeln. Ich mag einfach Krimis, die einen Schuss Humor mitbringen. Hier ist es sogar ein sehr schöner, feinsinniger Humor, der auf diese Art wunderbar treffsicher und bissig ist.

Ganz ehrlich, ich fand „Der Metzger sieht Rot“ unglaublich schwer zu lesen. Ein Schachtelsatz jagt den nächsten. Der Rekord lag bei einem Satz bei ganzen 12 Zeilen. Das mag charakteristisch für diese Reihe sein. Das mag für das Talent von Thomas Raab in Wort und Schrift sprechen. Trotzdem frage ich mich, ob es notwendig ist. Und auch wenn ich mich nach geraumer Zeit daran gewöhnt hatte, ist dies der ausschlaggebende Grund, wieso ich wohl keinen weiteren Metzger-Krimi lesen werde.

Das Cover war es, was mich auf den späteren Band aufmerksam machte. Und auch bei „Der Metzger sieht Rot“ sprach mich das Cover sofort an. Sehr niedlich mit dem Plüschhasen. Auch wenn ich darin keinen Bezug zur Geschichte sehe. Aber es ist ein Blickfang, daran gibt es nichts zu rütteln. Ich finde außerdem, dass so gleich deutlich wird, dass man mit diesem Buch auch einige heitere Minuten erleben wird.

Fazit:  Ein spannender Fall und ein Ermittler der etwas anderen und besonderen Art, an die ich mich erst gewöhnen musste. Genauso musste ich mich erst mit dem speziellen Schreibstil von Thomas Raab anfreunden, was mir wohl nur für dieses eine Buch gelungen ist. Mir hat diese Mühe den Krimigenuss leider ziemlich verdorben. Es kann nicht sein, dass man alle naselang Sätze mehrfach lesen muss um sie inhaltlich zu verstehen. Schade, ich hatte ehrlich gehofft, eine neue Krimiserie für mich zu entdecken. Aber es kann halt nicht immer klappen.


Titel: Der Metzger sieht Rot
Autor: Thomas Raab
Seiten: 320
Verlag: Piper
ISBN: 978-3492254632
Preis: € 9,99 (TB)

amazonbutton

1 Kommentar

  1. Tibor Szalay

    ja, Thomas Raab reiht sich in die Reihe morbider österreichischer Autoren gut ein. Besonders Thomas Bernhard scheint es ihm angetan zu haben. Wortgewaltig ist das Wort! Ähnlich fetzig dürfte die Netzwerkorange werden, die ich schon sehnlich erwarte. Herzlich tibor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: