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Jul 18

Rezension – Diese Stunde gehört mir nicht (Edward Hogan)

diesestundeDaniels Erwartungen sind nicht sehr hoch, als er mit seinem Vater in dem Sport-Ferienpark Englands eintrifft, in dem sie eine Woche Urlaub machen wollen. Seine Eltern haben sich gerade getrennt, in der Schule gilt er als Loser, und Sport konnte er noch nie leiden. Doch gleich am ersten Tag begegnet er Lexi, einer jungen Frau, die ihn sofort in den Bann zieht. Er spürt, dass sie ein dunkles Geheimnis umgibt, merkt schnell, dass sie jemanden braucht, um sich den Schatten ihrer Vergangenheit zu stellen. Denn Lexis Todestag jährt sich zum zweiten Mal und Daniel setzt alles daran, ihrem Mörder das Handwerk zu legen.

Bei diesem Buch war es die Mischung, die mich neugierig machte. Das Cover finde ich wunderschön. Dann mag ich eben Geschichten, die in Camps oder Ferienparks spielen. Und ein Rätsel um ein seltsames Mädchen, das etwas Unheimliches an sich hat, ist ebenfalls nicht zu verachten. Das alles obendrein noch als Jugendbuch: perfekt für mich!
Dachte ich, denn wirklich überzeugt hat mich „Diese Stunde gehört mir nicht“ trotzdem nicht. Daniel fand ich ganz nett, und es hat mir gefallen, dass er ein ganz normaler Junge ist. Sonst findet man als Hauptcharakter ja oft Jungs vor, die gut aussehen und selbstbewusst und witzig sind. Daniel sieht nicht so toll aus und selbstbewusst ist er auch nicht, eher zurückhaltend und etwas schüchtern. Eigenschaften, die ich an Charakteren an sich ganz gerne mag und bei denen ich denke, dass sich mancher junge Leser da eher wiederfindet als im sportlichen Beau. Aber mehr als „nett“ fand ich Daniel nicht und entsprechend fiel es mir schwer, wirklich mit ihm zu fühlen und zu fiebern.
Hinzu kam noch die Art, wie sein Vater angelegt ist. Der hat nach der Trennung von seiner Frau nämlich ein handfestes Alkoholproblem. Es mag hart klingen, aber ich mag keine Säufer in Hauptrollen. Ganz einfach.
Der Ferienpark als Schauplatz ist eigentlich genau nach meinem Geschmack, doch leider beschreibt Daniel ihn -Dank seiner zahlreichen Probleme und Unlust auf den Urlaub- wenig attraktiv. Auch dieser Schuss ging für mich leider ziemlich nach hinten los.
Als Lexi auftauchte, schöpfte ich erneut Hoffnung. Sie mochte ich nämlich wirklich gerne und fand sie schön geheimnisvoll dargestellt. Ich habe lange gegrübelt, wer oder was sie ist bzw was mit ihr nicht stimmt. Das hat Spass gemacht und es war auch ein ganz schöner Schreck als schließlich aufgelöst wird, was ihr widerfahren ist. Das ist wirklich scheußlich. Ich fand es außerdem gut, dass Edward Hogan nicht auf eine schlichte Geistergeschichte gesetzt hat, sondern eine erfrischend andere und ausgefallene Idee gewählt hat.
Daniel verliebt sich in Lexi und da dürfen sich die freuen, die etwas gegen gefühlsduselige Liebesgeschichten haben. „Diese Stunde gehört mir nicht“ ist nicht ansatzweise gefühlsduselig. Für mein Empfinden kamen ganz im Gegenteil so gut wie gar keine Gefühle rüber, und das kann es halt auch nicht sein.
Natürlich möchte Daniel Lexi helfen, ihr Schicksal zu beenden. Nun war Daniel zuvor kein wirklicher Held, deshalb war es schön zu verfolgen, wie er Lexi zuliebe über sich hinauswächst. So wurde dann wenigstens das Ende noch schön spannend, zumal ich gar keine Idee hatte, wie diese Geschichte jemals für alle Beteiligten zu einem Happy End finden würde. Diesen Teil habe ich dann wirklich verschlungen.
Das Ende ist -passend zur zentralen Idee- etwas ganz anderes als man es bei einem Jugendbuch erwartet. Auch das hat mir prima gefallen.

Das Buch liest sich prima. Daniel erzählt selber und entsprechend jugendlich und locker ist der Ton auch meistens. Zahlreiche Dialoge lockern zusätzlich auf und die Kapitel haben eine schöne Länge. So lässt sich das Buch gut häppchenweise lesen, was jungen Lesern sicher entgegenkommt.

Das Cover mag ich noch immer sehr gerne! Ich mag die Lichtspielereien in den düsteren Farben und den Kontrast vom Kleid des Mädchens dazu. Ich finde, das sieht geheimnisvoll aus und auch ein bisschen unheimlich. Genauso wie ich es mir für einen Mysterythriller vorstelle.

Fazit:  Der Geschichte liegt eine wirklich schöne und erfrischend neuartige Idee zugrunde. Leider blieb bei mir die ganze Zeit eine Distanz zu den Hauptcharakteren erhalten, die nicht mein Fall waren. Die einzige Ausnahme bildete Lexi, aber das reicht halt für eine Geschichte nicht. So konnte ich auch mit Daniel nicht wirklich mitfibern und mitfühlen und Spannung kam erst gegen Ende wirklich auf. Leider zu spät.


Titel: Diese Stunde ghört mir nicht
Autor: Edward Hogan
Seiten: 240
Verlag: Thienemann Verlag
ISBN: 978-3522201438
Preis: € 12,95 (Broschiert)

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  1. Lesemonat Juni & Lieblingsbuch des Monats | Leserattes Blog

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