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Jul 24

Rezension – Wenn die Nacht in Scherben fällt (Anika Beer)

nachtscherbenSchon immer waren Träume für Nele etwas ganz Besonderes, denn sie besitzt die Fähigkeit, sie zu steuern, wie es ihr gefällt. Doch als sie mit ihren Eltern von München nach Erlfeld zieht, taucht auf einmal jemand in ihrem Traum auf, den sie selbst nicht erschaffen hat: Seth, ein junger Mann, den sie unheimlich und zugleich anziehend findet. Aber was macht er in ihrem Traum? Als Nele sich in der neuen Schule mit Jari anfreundet, hofft sie, in ihm jemanden gefunden zu haben, dem sie sich anvertrauen kann. Doch dann verschwindet Jari wie vom Erdboden verschluckt. Nele macht sich auf die Suche nach ihm, und findet heraus, dass nicht nur er in Gefahr ist – sondern die gesamte Traumwelt zu zerbrechen droht.

Ich mag einfach Geschichten, in denen Träume eine Rolle spielen. Deshalb war es klar, dass ich dieses Buch lesen würde.
Es hat mich allerdings etwas zwiegespalten zurückgelassen.
Der Teil der Handlung im Hier und Jetzt und in den Träumen hat mir prima gefallen. Die etwas verrückte, aber herrlich offene und direkte Nele mochte ich sofort. Den zurückhaltenden Jari ebenso. Der arme Kerl tat mir oft leid. Die zarte Liebsgeschichte zwischen den beiden ist ganz einfach schön.  Genauso gut hat mir die Vorstellung einer Klarträumerin gefallen. Und der Gedanke, man könnte in Träumen verloren gehen hat ebenfall seinen Reiz.
Es ist spannend mit Nele zwischen Traum und Wirklichkeit nach Jari zu suchen, auch wenn man hier und da aufpassen muss, dass man sich nicht verfranst. Ich habe häufig überlegt, wie Nele gewisse Pläne verwirklichen will, denn mit einer Welt, in der für sie nahezu alles möglich ist, gibt es auch für einen Teenie schließlich mehr Möglichkeiten. Da erlebt man einige Überraschungen, die manchmal ganz schön bizarr sind. Auf gute Art und Weise! Doch auch in Neles Realität gibt es bald eine sehr deutliche Gefahr in Gestalt von Seth. Ich habe ihn von Anfang an nicht besonders gemocht. Dafür war er mir zu besitzergreifend und herrisch, doch später scheint er sich zu wandeln, was auch ziemlich glaubhaft gelingt. Da bin ich in’s Zweifeln gekommen, ob er wirklich so ein Blödmann ist, wie er es bis dahin für mich war. Das Misstrauen ist aber geblieben. So war ich hin- und hergerissen und gespannt, ob ich eine Überraschung erleben würde oder ob mich mein Bauchgefühl richtig beraten hat.
Anika Beer beschreibt die Traumwelt einerseits traumhaft schön, oft aber auch ganz schön surreal. sowas mag ich. Vor allem als die Traumwelt sich mit der Realität vermischt. Den Himmel hätte ich gerne gesehen! Außerdem ist es immer genau mein Fall, wenn das Phantastische sich mit dem Wirklichen mischt. Ich habe ja nichts gegen Fantasy, aber ich möchte, dass die Welt, wie ich sie kenne, weiterhin existiert und eine wichtige Rolle spielt. Ich möchte mir keine komplette Fantasywelt neu vorstellen müssen.
Allerdings haben mich die Passagen bei den Traumwächtern immer wieder etwas ausgebremst. Sie sind fast allen Kapiteln vorangestellt und auch so wichtig, dass man sie nicht überspringen kann. Diese Passagen sind aber sicher Geschmackssache. Ich mag halt keine Fantasy, die keinen direkten Bezug zu unserer Welt hat und von Wesen bevölkert ist, die nicht zumindest menschenähnlich sind.
Wobei mir die Idee mit den Katzen widerum gefallen hat. Diese geheimnisvollen Tiere sind eine gute Wahl für diesen Part. Vielleicht mag der eine oder andere sagen, dass das kindisch ist, aber das Buch richtet sich ja auch in erster Linie an junge Leser ab 12 Jahren. Und wer eigentlich mag keine Katzen? Das kann ich mir kaum vorstellen 😉

Anika Beers Schreibstil fand ich klasse! Erstens liest er sich gut und leicht und zweitens ist er herrlich bildhaft. Das kommt vor allem den Szenen in der Traumwelt zugute, wo er einem sofort die entsprechenden Bilder vor Augen zaubert.  Die Kapitel sind für ein Jugendbuch recht lang, wie ich finde. Dafür ist man aber auch mit jedem Kapitel ein ordentliches Stück in der Geschichte bzw dem Buch vorangekommen.

Das Cover finde ich schlicht wunderschön. Blau ist halt meine Farbe und solche Darstellungen im Stil von Schattenrissen gefallen mir immer wieder. Der gesplitterte Rahmen um die nächtliche Szene passt außerdem toll zur Geschichte und ihrem Titel. Die Innenseiten der Deckel ist mit gleichen Motiven gestaltet und ich habe sie mir gerne angeschaut. Mehrmals!

Fazit: Die Szenen in der Welt der Traumfänger ist Geschmackssache. Aus genannten Gründen ist so etwas nicht mein Fall. Davon abgesehen ist „Wenn die Nacht in Scherben fällt“ eine wirklich spannende Geschichte mit im guten Sinne ungewöhnlichen und liebenswerten Hauptcharakteren. Bei mir hat sie vor allem mit den surrealen Traumszenen punkten können. Passt auf eure Träume auf!


Titel: Wenn die Nacht in Scherben fällt
Autor: Anika Beer
Seiten: 416
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570402023
Preis: € 12,99

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