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Okt 04

Rezension – Escape (Jennifer Rush)

7516-01_escape.inddWer sind die vier jungen Männer, die im Keller von Annas Haus gefangen gehalten werden? Tag für Tag führen Anna und ihr Vater im Auftrag der Sektion medizinische Tests mit ihnen durch. Und Nacht für Nacht schleicht sich Anna in den Keller, um sich heimlich mit Sam, dem Anführer, zu treffen. Denn in ihn ist sie verliebt. Niemand weiß, warum die vier für diese Versuche ausgewählt wurden. Am wenigsten sie selbst, denn ihre Erinnerung reicht nur exakt fünf Jahre zurück. Als sich für Sam und die anderen die Gelegenheit zur Flucht ergibt, schließt Anna sich ihnen an. Es beginnt eine atemlose Jagd quer durch die Vereinigten Staaten, immer auf der Suche nach der wahren Identität der vier Jungen. Und die einzige Spur, die sie haben, ist ein rätselhaftes Tattoo auf Sams Rücken.

Über dieses Buch hatte ich irgendwann so viel gehört, dass ich es mir doch zugelegt habe. Obwohl ich -in der Angst, es könne Fantasy oder eine Dystopie sein- das bis dahin nicht vorgehabt hatte.
Anfangs habe ich mich mit der Geschichte etwas schwer getan, was mich selber überrascht hat. Denn eigentlich sind Geschichten, die sich um Versuche und Exeperimente an Menschen drehen, genau mein Fall. Vermutlich hatte ich mir einfach etwas mehr Dramatik und sogar etwas Grusel erhofft, was zunächst nicht erfüllt wurde. Denn auf die Experimente wird nur oberflächlich eingegangen.
Man lernt Anna und ihren Vater kennen und erfährt, was sie machen bzw für wen sie arbeiten. Und natürlich lernt man auch die vier Jungs kennen, an denen experimentiert wird. Es hätte ja nicht sein müssen, bereits alles über die Hintergründe zu verraten, aber es wäre schon schön gewesen, wenn mir wenigstens die Personen nahegbracht worden wären. Anna hatte zB so gut wie nichts von einer Jugendlichen an sich und dass sie in Sam verliebt ist, kam bei mir gefühlsmäßig kaum an. So plätscherte die Geschichte zunächst ziemlich vor sich hin und kam mir ziemlich dünn vor.
Doch dann kam die entscheidende Wende, und zwar so richtig! Plötzlich herrschte Action und es wurde spannend. Und kaum ist die turbulente Flucht über die Bühne, da befindet man sich auch schon mit Anna und den Jungs „on the road“.  Von da an hat mir die Geschichte dann wirklich gut gefallen. Endlich war Gelegenheit da um die Charaktere auszufeilen. Anna habe ich für ihren Mut bewundert, einfach mit den Jungs abzuhauen, und die entwickelten sich endlich zu verschiedenen und markanten Charakteren.
Außerdem flieht die Truppe vor den Schergen der Organisation, für die Anna und ihr Vater gearbeitet haben. Das sorgt für Spannung und so manche Konfrontantion, bei denen die Beteiligten alles andere als zimperlich zur Sache gehen. Für Action ist also nicht nur bei der Flucht an sich gesorgt.
Gleichzeitig versuchen Anna, Sam und die drei anderen Jungs natürlich herauszufinden, welches Geheimnis sie umgibt wegen dem man ihnen so auf den Fersen ist.
Die Geschichte hat also auch etwas von einem Krimi, bei dem ein paar Rätsel gelöst werden müssen. Das hat mir so prima gefallen, denn ich bin kein Fan von Action alleine. Dass bei den Rätseln ein paar ganz kreative Idee dabei sind, ist natürlich auch etwas Feines.
Die Geschichte nimmt zwei ganz zentrale Wendungen. Die erste hat mich sehr überascht. Damit hätte ich nicht gerechnet. Schön, dass das Geschehen hier völlig unkitschig geschildert wird. Alles andere hätte zur sonstigen Story auf keinen Fall gepasst.
Die zweite wichtige Wendung hatte ich ab einem Punkt erahnt, das bliebe immerhin noch insofern spannend, dass ich wissen wollte, ob ich richtig liege. Und als sich herausstellte, dass ich richtig vermutete, war es dennoch ein Schrecken.
Auch die Liebesgeschichte zwischen Sam und Anna kommt auf der Flucht in die Gänge. Endlich waren die Gefühle da, die mir der Anfang leider nicht vermitteln konnte. Natürlich ist auch in dieser Hinsicht alles nicht so leicht, aber das kann es in Sams und Annas Situation nun mal nicht sein, deshalb wirken die Probleme hier nicht gestellt. Und Kitsch sucht man ebenfalls vergebens.
Das Ende hätte für mich gerne wirklich das Ende sein dürfen, auch wenn noch ein paar Fragen offen sind. Trotzdem, man hätte das so stehenlassen können. Aber Bücher mit abgeschlossener Handlung sind gerade halt nicht modern und so hat man mit „Escape“ einmal mehr den ersten Teil einer Trilogie in Händen.

Nach dem ziemlich anstrengenden Anfang ließ sich „Escape“ gut und leicht lesen. Der Ton ist zwar insgesamt eher ernst, doch die Dialoge zwischen Anna und den Jungs klingen oft schön jugendlich und dank einem Witzbold in der Truppe darf ab und zu auch mal gegrinst werden.

Über das Covermotiv habe ich mich lange gewundert, doch schließlich ergab es Sinn. Es passt also ganz gut zur Geschichte. Allerdings muss ich ehrlicherweise sagen, dass es schönere und wirkungsvollere Motive gibt. In meinen Augen zumindest.

Fazit:  Der Start mit „Escape“ war schwierig, weil mir die Story zu dünn und die Charaktere zu blass erschienen. Das änderte sich ab der Flucht aber grundlegend. Von da an geht es actionreich, spannend und rätselhaft zu und auch die Liebesgeschichte nahm an Fahrt auf.  So hätte ich mir das seit Anfang her gewünscht. Wie gesagt, hätte die Geschichte nach diesem Buch auch beendet sein können. Von daher bin ich noch unsicher, ob ich de nächsten Bände lese.


Titel: Escape
Autor: Jennifer Rush
Seiten: 319
Verlag: Löwe Verlag
ISBN: 978-3785560723
Preis: ab € 12,95 (Broschiert)

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