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Okt 13

Rezension – Ernten und sterben – Landkrimi (Peter M. Hetzel)

erntenundsterbenWer Radieschen und Möhren von unten sieht, ist zweifellos mausetot. Das muss sich Landärztin Albertine von Krakow nicht erklären lassen. Warum aber mussten die beiden Männer ihr Leben ausgerechnet in den sorgsam gepflegten Gemüsebeeten aushauchen? Während die Polizei im Dunkeln tappt, gelangen Albertine und ihr Nachbar Hubertus zu der Überzeugung, dass Öko-Aktivisten hinter den Taten stecken. Doch als zwei weitere Tote gefunden werden, muss Albertine erkennen, dass sie auf einer tödlich falschen Fährte sind.

Bei solch einem schönen und witzige Cover kann ich einfach nicht widerstehen, und wieso nicht mal ein Landkrimi? Allerdings kam ich bereits auf der ersten Seite ein wenig in’s Trudeln. Albertine, Hubertus und Clementine, die drei musste ich erstmal auf die Reihe kriegen. Wer sind sie und wie stehen sie zueinander? Ich kann nicht gut damit, wenn mir Charaktere einfach so vorgesetzt werden und ich sofort in einem Dialog drin bin, der kaum Auskünfte über die Personen gibt.
Es dauerte aber nicht lange, dann hatte ich raus, in welcher Beziehung die drei zueinander stehen. So richtig kennengelernt habe ich sie  als sie im Gemüsebeet die ersten Leichen finden. In solch einer extremen Situation, die die drei mit bemerkenswerter Coolness meistern, wird natürlich der Charakter einer Person besonders deutlich. Ich mochte die leicht eingebildete Albertine mit ihrem oft bösen Sinn für Humor genauso gerne wie die resolute Köchin Clementine und den kauzigen Nachbarn Hubertus. Eine illustre Truppe, die viel Spass versprach.
Es ist dann auch der Spass, der bei diesem Landkrimi im Vordergrund steht. Natürlich, es sind Morde geschehen. Das sorgt für Unruhe in dem kleinen Dorf, und bald schon sind auch andere Bewohner betroffen. Das ruft die Polizei auf den Plan, die sich allerdings nicht gerade mit Ruhm bekleckert, sodass Albertine, Hubertus, Clementine und der Dorf-Paparazzi Egon-Erwin es selbst in die Hand nehmen, den Mörder zu fassen. Das klingt so zwar richtig krimimäßig, aber die Ernsthaftigkeit normaler Krimis darf man trotzdem nicht erwarten. Das sei nochmal erwähnt, obwohl ich finde, dass man das dem Cover sofort ansieht.
Der ernsthafte Krimi wird durch mehrere Faktoren spaßig sabotiert. Da wären zunächst die durchweg schrägen und kauzigen Charaktere, über die ich wirklich häufig lachen musste. Sie sind aber nicht nur witzig, sondern lassen auch durchblicken, welch ein Filz in dem Dorf herrscht. Das kann ich mir in solch einem Kaff gut vorstellen.
Gelacht habe ich auch über Clementines, Albertines, Hubertus‘ und Egon-Erwins Ermittlungsarbeit. Die drei sind nun mal keine Detektive, geschweige denn bei der Polizei. Entsprechend chaotisch verlaufen oft ihre Nachforschungen, bei denen sie obendrein noch der Polizei in’s Gehege kommen. Die widerum ist ebenfalls so eine eigene Sache für sich. Engagiert ist anders, im beruflichen Sinne zumindest. Dagegen sind die Ermittler sehr engagiert darin, einander das Leben schwer zu machen.
Man merkt es sicher schon, in „Ernten und sterben“ ist nichts und niemand so, wie man es aus Krimis sonst kennt. In vielerlei Hinsicht wird überspitzt und der Blick auf das Leben und die Menschen in dem Dorf ist oft ganz schön bissig. Glücklicherweise ohne dabei irgendwie albern oder platt zu wirken. So macht es Spass zu verfolgen, wie die Mörderjagd sich entwickelt.
Auf die Gefahr hin zu spoilern muss ich aber sagen, dass ich mir die Auflösung anders gewünscht hätte. Ich mag es einfach lieber, wenn ich beim Lesen knobeln kann, wer der Täter ist und wieso er mordet. Entsprechend aufmerksam hatte ich gelesen, nur um am Schluss festzustellen, dass es keiner der Dorfbewohner ist, die man bisher kennengelernt hat. Umsonst geknobelt…

Ich fand das Buch so lustig, dass ich es an zwei Abenden ausgelesen hatte. Es liest sich einfach viel leichter, wenn man dabei lachen oder zumindest grinsen kann. Da die Kapitel recht lang sind, kommt man mit jedem Kapitel ein gutes Stück im Buch und der Geschichte voran. Zahlreiche amüsante Dialoge lockern zusätzlich auf.

Das Cover hat mir sofort gefallen. Ich finde einfach dieses Radieschen total witzig. Vor allem ist es schön doppeldeutig, eben weil Tote sich ja im sprichwörtlichen Sinne die Radieschen von unten anschauen. Andererseits ist es halt ein Gemüse, das gerne in Gärten angepflanzt wird. Nicht nur auf dem Land. Gegrinst habe ich auch über die Deckelinnenseiten mit dem wunderschön hässlichen Tapetenmuster. Ja, hier wird manches Klischee über das Leben auf dem Land ordentlich breitgetreten.

Fazit: Ich werde sicher noch weitere Landkrimis lesen. Mir hat „Ernten und sterben“ riesig viel Spass gemacht mit den kauzig-schrägen Charakteren, der turbulenten „Ermittlungsarbeit“ und dem Einblick in’s Dorfleben. Und auch wenn es kein ernsthafter Krimi ist, habe ich doch gespannt verfolgt, wie Albertine, Clementine, Hubertus und Egon-Erwin dem Täter auf die Spur kommen.


Titel: Ernten und sterben
Autor: Peter M. Hetzel
Seiten: 221
Verlag: cbt
ISBN: 978-3954510795
Preis: € 11,90

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