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Okt 16

Rezension – Falsche Nähe (Alexandra Kui)

falschenaeheDer frühe Unfalltod der Eltern hat Noa und ihre große Schwester Audrey zusammengeschweißt. Durch deren Erfolg als Krimiautorin konnten die beiden gerade in die schicke Hamburger Hafencity ziehen, als plötzlich eine unveröffentlichte Romanidee als reale Mordserie in der Tageszeitung auftaucht. Noa bekommt Zweifel, wie gut sie ihre Schwester eigentlich kennt. Was geschah wirklich an dem Tag, als ihre Eltern starben? Je mehr Noa herumschnüffelt, desto klarer wird: Es gibt jemanden in ihrem Umfeld, der nichts Gutes im Sinn hat, und diese Person ist hochgefährlich.

An Jugendthrillern komme ich nur selten vorbei, also musste ich natürlich auch „Falsche Nähe“ lesen. Der Klappentext klang ganz interessant. Vor allem wegen der Idee, eine Mordserie aus einer Geschichte in die Realität zu holen.
Allerdings habe ich mich lange Zeit schwer mit der Geschichte getan. Mir war das Leben von Audrey und Noa einfach zu weit weg, teilweise geradezu abgehoben. Mit der schicken Wohnung in der edlen Hafencity, einem Wochenendtrip nach Mallorca und teuren Weinflaschen, die einfach mal so im Streit gegen ein Fenster geschleudert werden.
Gut, Audrey ist eine berühmte Autorin, aber ich mag es einfach nicht, wenn jemand seine wohlhabendes Leben raushängen lässt. Irgendwo färbt das natürlich ab, so auch auf Noa und Audrey. Will heißen, ich habe lange eine gewisse Distanz zu den beiden empfunden. Aus Audrey wurde ich gar nicht schlau und Noa habe ich den normalen 17jährigen Teenager nur in Maßen wirklich abgenommen. Zudem ging sie mir mit ihrem widerspenstigen Benehmen dem Freund ihrer Schwester und dessen Sohn gegenüber ganz schön auf die Nerven. Über solch kindisches Verhalten sollte man -schwesterliche Verbundenheit in allen Ehren- in diesem Alter wohl hinaus sein. Entsprechend bin ich mit Noa und Audrey zunächst nicht recht warm geworden.
Es dauert eine ganze Zeit ehe das Rätsel um die Morde beginnt, die ein Abbild der Morde sind, die Audrey in ihrem neuen Buch beschreibt. Die Idee finde ich wie schon geschrieben wirklich gut. Ich denke aber, man hätte da noch mehr rausholen können. Die Entdeckung mag für Noa ein Schrecken sein, aber mir hat sie keine Gänsehaut beschert, und das erwarte ich nun mal von einem guten Jugenthriller. Das hängt ebenfalls mit dieser Distanz zusammen, die ich zu Noa empfunden habe. Alexandra Kui hält den Leser hinsichtlich der Gefühle ihrer Charaktere nämlich ganz schön kurz. Wäre sie etwas intensiver auf Noas Gefühle bei der Entdeckung der Ähnlichkeit zwischen den fiktiven und den realen Morden eingegangen, hätte es mich wahrscheinlich mehr geschaudert.
Damit soll es nun mit Kritik aber genug sein. Denn als sich Noa daran macht, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, da schlägt die Geschichte eine Richtung ein, die ganz klar mein Geschmack ist. Endlich wird es richtig spannend und ich habe mächtig geknobelt, wer der Mörder sein könnte. Da es regelmäßig Kapitel aus Sicht des Täters gibt (die seine Identität jedoch nicht verraten), sucht man dort nach Anhaltspunkten und vergleicht mit den Figuren, die in der Geschichte auftauchen.  Speziell der Teil, der auf Sande spielt, hat es wirklich in sich. Noa kommt nicht nur dem Geheimnis um ihre Familie auf die Spur, sondern läuft dem Mörder direkt in die Arme. Da war sie dann endlich: die erwartete Gänsehaut.
Die Auflösung hat mir gefallen. Sie ist schön schlüssig und war für mich eine ganz schöne Überraschung. In diese Richtung hatte ich bis dahin noch gar nicht gedacht. Muss mir durchgegangen sein, denn es mangelt ja auch sonst beim besten Willen nicht an Verdächtigen. Da kann einem schon mal jemand durchrutschen.

„Falsche Nähe“ ist in der Gegenwartsform geschrieben. Diese Erzählweise hat für mich immer automatisch ein gewisses Tempo mit an Bord. Das schlägt sich stets  auf mein Lesetempo nieder. Da die Geschichte auch sonst schön flüssig geschrieben ist, flogen die Seiten nur so dahin. Die Kapitel aus Sicht des Täters sorgen zudem noch für ein wenig Abwechslung.

Das Cover ist schön dunkel, wie es mir für einen Thriller gefällt, und das zusammengeknüllte Blatt Papier macht neugierig.

Fazit:  Ich habe mich lange schwer getan mit „Falsche Nähe“, weil mir Noas recht luxuriöses Leben zu weit weg war und weil mir ihre Gefühle nicht intensiv genug beschrieben wurden. Beides führte zu einer großen Distanz zu Noa, und so kann ich nicht mit einer Figur mitfiebern und mich in sie einfühlen. Als Noa ihre Nachforschungen anstellt, wird die Geschichte dann aber wirklich sehr spannend und rasant, und damit war es für mich dann endlich der ersehnte Thriller mit Gänsehauteffekt. Nochmal gut die Kurve gekriegt!


Titel: Falsche Nähe
Autor: Alexandra Kui
Seiten:  288
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570162569
Preis:  € 9,99 (TB)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Falsche Nähe (Alexandra Kui) […]

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