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Okt 22

Rezension – Saubär (Christian Limmer)

saubaerDer ausgebrannte Kombi des Saubauern Hias stellt die Polizei von Niedernussdorf vor ein Rätsel. Nach Schweinsripperl riecht´s, findet Polizeiobermeister Schorsch. Ist der Saubauer samt Schweinen in diesem Wrack verbrannt? Oder geht ein bärengroßes Zwitterwesen um, wie die Dorfbewohner munkeln? Ein Fall für den schönsten Polizisten Niederbayerns – und den Schorsch, den Erwin und den Richie.

Nachdem mir „Unter aller Sau“ so gut gefallen hat, war „Saubär“ Pflicht für mich. Eine Pflicht, auf die ich mich sehr gefreut hatte und von der ich nicht enttäuscht wurde.
Der neue Fall für Gisela Wegmeyer lässt sich skurril an. Ein ausgebranntes Auto ist nichts allzu Ungewöhnliches. Wenn man darin aber -neben einer männlichen Leiche- verbrannte Schweinekadaver findet, sieht das schon ganz anders aus. Eine verrückte Vorstellung, zugegeben, aber eben auch ganz schön schauerlich. So nehmen Gisela und ihre drei Getreuen Schorsch, Erwin und Richie die Ermittlungen auf. Und auch der überhebliche Kriminalhauptkommissar Lederer mischt natürlich wieder mit und treibt Gisela mitunter an den Rand des Wahnsinns.
Soweit ist also alles wie ich es schon von „Unter aller Sau“ kannte. Trotzdem unterscheidet sich „Saubär“ für mich deutlich von seinem Vorgänger.
Ich finde nämlich, dass der Fall hier wesentlich mehr im Mittelpunkt steht, und das zahlt sich aus. Die Geschichte ist vom Anfang bis zum Ende spannend und ich bin den Ermittlungen gespannt gefolgt. Dabei kann man gut mitknobeln, was vor dem Unfall passiert ist und welche Hintegründe dieses „Unglück“ haben könnte. Für zusätzliche Würze sorgt die Idee des Saubären, diese sagenumwobene Schauergestalt, von der man sich im Dorf erzählt. Natürlich glaubt man beim Lesen nicht daran, aber es gibt genügend Gelegenheit um doch in’s Zweifeln zu kommen. Dank dieses Saubären kommt außerdem ein Schuss Grusel mit in die Geschichte. Für mich jedenfalls, denn mich hat dieses Wesen ganz böse an die Typen mit den Schweinemasken in SAW erinnert.
Gefallen hat es mir auch, dass dieser Fall quasi „im Dorf bleibt“, statt Keise darüber hinaus zu ziehen, wie in „Unter aller Sau“. Ich finde das so glaubhafter. Niedernussdorf und Ausland, das passt für mich nicht. Außerdem wirken die Entdeckungen, die Gisela, Lederer und Co. in diesem Fall noch machen umso erschreckender, weil man so etwas in dieser vermeintlich dörflichen Idylle nicht erwartet.
Die Charaktere sind überwiegend geblieben wie ich sie in „Unter aller Sau“ kennengelernt hatte. Die burschikose, aber doch einfühlsame Polizistin Gisela mag ich wirklich gerne. Und auch wenn ich keinen ihrer drei Kollegen leibhaftig auf der Couch sitzen haben wollen würde, in den Krimis möchte ich sie keinesfalls missen. Sie sind wunderbar kauzig und speziell ihre Wortgefechte geben immer wieder Anlass zum Schmunzeln. Ich mag es außerdem, dass sie trotz ihrer eigenwilligen Art voll hinter ihrer Chefin stehen und sie respektieren. Was den schönsten Polizisten Niederbayerns Lederer angeht, erlebt man in diesem Buch eine kleine Überraschung. Bislang waren er und Gisela wie Hund und Katze. Daran ändert sich zunächst auch nichts, weshalb man wieder in den Genuss ihrer bissigen und dabei sehr amüsanten Diskussionen kommt. Doch später raufen sie sich zusammen, und schon fand ich Lederer erheblich sympathischer. Man könnte fast spekulieren, ob nicht vielleicht…? Ich glaube es allerdings nicht 😉

Genau wie der Vorgänger lässt sich „Saubär“ wunderbar leicht und flüssig lesen. Ein wenig Dialekt sorgt hier und da für Lokalkolorit, und der Schuss Humor hat mir das Buch zu einer solch vergnüglichen Lektüre gemacht, dass ich es fast in einem Rutsch gelesen habe. Kapitel gibt es nicht. Zum Pausieren kann man sich also hächstens an Absätze halten, und da liest man schnell mal drüber hinweg, wenn man voll bei der Sache ist.

Ich hätte mich ja gefreut, auch auf dem Cover dieses Bandes wieder ein Schwein anzutreffen, aber man kann halt nicht alles haben. Dafür rüsselt einem in der vorderen Broschur eine solche Steckdosennase entgegen. Auch niedlich! Das Covermotiv passt aber auf jeden Fall gut zur Geschichte. Außerdem macht es sofort klar, in welchen „Milieu“ dieser Krimi spielt.

Fazit:  Mit hat „Saubär“ noch einen Tacken besser gefallen als „Unter aller Sau“. Der Krimi steht hier mehr im Vordergrund, ohne dass dabei Humor und Lokalkolorit auf der Strecke bleiben. Dabei ist er spannend, gelegentlich sogar ein wenig gruselig und er lässt einen den Kopf darüber schütteln, wie sehr die Schrecken der Städte auch schon in Niedernussdorf Einzug gehalten haben. Dass Lederer netter wird, gibt ebenfalls einen Pluspunkt.


Titel: Saubär
Autor: Christian Limmer
Seiten: 304
Verlag: Droemer
ISBN: 978-3426226360
Preis: 14,99 (Broschiert)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Saubär (Christian Limmer) […]

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