«

»

Okt 28

Rezension – Hühner Voodoo (Hortense Ullrich)

huehnervoodooGwendolyn Herzog, ewige 59 Jahre jung, passionierte Hochstaplerin, hat sich selbst zur Psychologin ernennt und eine Praxis für therapeutische Gespräche eröffnet. Ihr Lieblingspatient ist Frederick Ackermann, Enddreißiger und Leichenbestatter als Leidenschaft. Er würde gerne heiraten, allerdings gibt es da ein Problem: seine Heiratsanträge sind tödlich.
Gwendolyn schätzt den hohen Unterhaltungswert dieser „Therapie Sitzungen“. Bis sie feststellen muss, dass Frederick ncht übertreibt.  Und eine weitere Mitteilung sie alarmiert: ihre Nichte Britta hat den Mann fürs Leben gefunden und hofft auf einen Heiratsantrag. An sich erfreulich – wäre der Auserwählte nicht Frederick Ackermann.

Auf dieses Buch hatte ich mich unheimlich gefreut. Ich kenne Hortense Ullrichs Jugendromane, die ich sehr witzig finde und hoffte entsprechend auch bei diesem Buch darauf, dass es viel zum Lachen geben würde. Der Klappentext stimmt da ganz optimistisch und das Cover schon mal lange. Da musste ich alleine beim Anblick schon grinsen.
Allerdings dauerte es nur ein paar Seiten und mein Enthusiasmus erhielt einen derben Dämpfer, und der ist ausgerechnet Hauptperson Gwendolyn. Und Hauptpersonen haben es nun mal so an sich, dass man meist die ganze Geschichte lang mit ihnen zu tun hat. Keine allzu schöne Aussicht so wie sich Gwendolyn gleich am Anfang gebärdet. Ich habe ja noch eingesehen, dass die Hiobsbotschaft vom Anfang jemanden wie sie wahrlich umhauen kann, und ich habe auch die anfängliche Hilflosigkeit nachvollziehen können. Aber wie sie dann darauf reagiert, das hat sie mir total unsympathisch gemacht. Arbeiten? Guter Witz! Da eröffnet man doch lieber eine Pseudo-Praxis für Psychotherapie. Da zahlen die Patienten und man hat obendrein noch Unterhaltung. Und weil die Patienten anfangs nicht gerade Schlange stehen (zum Glück! Es wäre noch viel unglaubwürdiger gewesen, man hätte Gwendolyn direkt die Bude eingerannt) und man dennoch etwas essen muss, schleicht man sich halt in Hotels ein und sackt Leckereien von Buffets ein! Nichts gegen schräge Charaktere, aber mit solchen Figuren kann ich nicht. Absahner und Faule sind nicht Meins.
Schließlich erweitert Gwendolyn ihr Praxisteam um Bernadette, die das titelgebende Hühner Voodoo praktiziert und zudem leidenschaftlich gerne Marmorkuchen backt. Und leider ganz schön leichtgläubig ist, sodass Gwendolyn von nun an auch noch ihre Taxifahrten und Einrichtungsgegestände bezahlt bekommt. Ich fand es unmöglich!
Dabei ist Bernadette mit ihrem Hühner Voodoo eine echt liebe Person! Überhaupt sind nahezu alle Charaktere außer Gwendolyn wirklich liebenswert. Frederick, Britta, Bernadette und auch Ernst Lehmann und Ewa, ich mochte sie alle. Deshalb hat es mich in erster Linie interessiert, wie es mit ihnen weitergeht. Vor allem mit Frederick und seinem Fluch und Britta, die sich frisch in ihn verliebt hat. Natürlich glaubt man als Leser nicht wirklich an einen Fluch, aber es sieht schon verdächtig danach aus. Da darf man also gespannt sein, ob er sich auch bei Britta und ihm einstellen wird. So ein gewisser Zweifel bleibt halt, wenn man bisher nur die fatalen Enden von Fredericks Partnerinnen so anschaut.
Dieser „Fluch“ sorgt auf ungewöhnliche Weise für ein an sich ganz gewöhnliches Liebeschaos. Britta möchte, Frederick eigentlich auch, nur hat er Angst und einen Hang zu Fettnäpfchen, Gwendolyn möchte die Beziehung aus naheliegenden Gründen vereiteln, da geht es schon ordentlich rund. Das gehört sich für eine ordentliche Lovestory schließlich so. Einfach sind die nie! Ich habe gerne für Britta und Frederick gehofft, und das Ende hat mich dann tatsächlich überrascht. Auch, weil mich Gwendolyn da überrascht hat und endlich mal sowas wie Herz durchblicken lässt.

Glücklicherweise liest die Geschichte sich wirklich leicht und zügig. Der Schreibstil ist gelungen und flüssig und hier und da gibt es mal Gelegenheit zum Schmunzeln.  Die Kapitel sind zwar objektiv gesehen relativ lang, aber das kam mir beim Lesen gar nicht so vor. Ich glaube, wäre das Buch obendrein noch anstrengend zu lesen gewesen, hätte ich es dank meiner Abneigung Gwendolyn gegenüber schnell abgebrochen.

Das Cover ist der Hammer! Darüber kann ich noch immer lachen. Ich finde dieses aufgehängte und gerupfte Huhn einfach total witzig. Hinten beim Klappentext ist das noch ein Hühnerknochen abgebildet. Um zu erfahren, was es damit auf sich hat, muss man allerdings erst das Buch lesen.

Fazit:  Ich habe eigentlich ein Faible für solch schräge Geschichten. Diese hier wurde mir allerdings leider durch die unsympathische Hauptperson gründlich versalzen. Wenigstens konnte ich bei der Liebesgeschichte mitfiebern. Die ist dank des Fluchs ungewöhnlich, dabei aber auch sehr schön und ein wenig romantisch.
Ab und zu darf geschmunzelt werden, aber so lustig wie bei Hortense Ullrichs Jugendromanen geht es längst nicht zu. In Summe hat mich „Hühner Voodoo“ also enttäuscht.


Titel: Hühner Voodoo
Autor: Hortense Ullrich
Seiten: 288
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3805250535
Preis: € 14,95

amazonbutton

1 Ping

  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Hühner Voodoo (Hortense Ullrich) […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: