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Okt 31

Rezension – Mordsmöwen (Sina Beerwald)

mordsmöwenMöwerich Ahoi, Späher einer kriminellen Möwenbande, schlägt Alarm: Crepes-Budenbesitzer Knut ist verschwunden. Entführt, ermordet, ertrunken? Wovon sollen sich die Möwen jetzt ernähren, wenn sie nicht mehr täglich ihre Crepes-Ration von den Sylter Touristen erbeuten können? Auf der Suche nach Knut gerät die Möwenbande in aberwitzige Verwicklungen und turbulente Situationen – und kommt einem makabren Mord auf die Spur, der ganz Sylt erschüttert.

Es ist wohl offensichtlich, weshalb ich von diesem Krimi unmöglich die Finger lassen konnte. Ein Tierkrimi -dieses Mal halt mit Möwen- und ein Klappentext, der viel Spass verspricht.
Das Besonder hier ist, dass die Geschichte aus der Perspektive der Möwe Ahoi erzählt wird. Es wird nicht von außen auf die Möwengruppe geschaut und beschrieben, was sie bzw die einzelnen Möwen tun, sondern man sieht praktisch durch Ahois Augen und denkt gewissermaßen auch wie eine Möwe.
Ich bewundere es immer sehr, wenn Autoren es schaffen, sich so auf die tierische Perspektive einzulassen. Das stelle ich mir schon ganz schön schwierig vor. Aber auch interessant. Für den Leser ist es auf jeden Fall interessant. Und oft zum Totlachen komisch. Es gibt so viele Situationen, die man als Mensch sofort klar erfasst, die für die Möwen aber zunächst ein Rätsel sind, das sie nur mit ihrer Möwenlogik lösen können. Wie auch sonst?
Das macht aber nicht nur Spass, sondern erschwert dem detektivischen Federvieh auch die Ermittlungen in ihrem Krimi. Doch natürlich lassen sie sich nicht unterkriegen und stürzen sich mit Feuereifer und einer Menge recht federsträubender Ideen in die Nachforschungen.
Ich bin ja so jemand, der bei Krimis gerne mitknobelt. Das war hier eine ganz besondere Herausforderung, weil man ja aus der Möwensichtweise in die Sichtweise eines Menschen quasi übersetzen muss. Da hilft es auch nicht, wenn man ein krimierprobter Leser ist. Das sorgt an sich schon für viel Spannung, aber der Fall für Ahoi und seine Kollegen ist auch sonst nicht gerade einfach gestrickt. Man mag kaum glauben, welches Gesindel sich auf der beliebten Urlaubsinsel herumtreibt und welche menschlichen Abgründe sich selbst dort auftun. Man muss schon bei der Sache sein, die Personen auf der Reihe haben, die nach und nach auf der Bildfläche erscheinen, und beim Rätseln selbst das Schlimmsze in Betracht ziehen. Mich konnte die Auflösung jedenfalls noch mal gut überraschen.
Ganz toll fand ich es, dass ich bei diesem Krimi so oft lachen musste. Nicht nur wegen der Perspektive der Möwen auf Sylt und seine Menschen, sondern auch wegen der bunten Möwentruppe um Ahoi herum. Jede Möwe seines kleinen Schwarms ist etwas ganz Besonderes und hat in irgendeiner Weise einen liebenswerten, kleinen Knacks weg. Sei es Baron Silver de Luft, seines Zeichens Scheff, mit dem Thunfischdosenhelm, Alki (den Namen muss man wohl nicht weiter erklären) oder auch Suzette, Ahois Schwarm, mit der Tendenz zum Luxusleben. Ahoi selber ist aber mein kleiner Liebling: mutig, aber leider nicht wirklich zum Helden geboren, unglücklich verliebt, aber dennoch auf Freiersfüßen unterwegs, und in seinem Enthusiasmus hinsichtlich des Falls oft tollpatschig. Mein Lieblingssatz von ihm: „Der Abstand zwischen zwei Fettnäpfchen beträgt einen Ahoi.“ Ich hätte ihn dauernd knuddeln können!
Ich war noch nie auf Sylt, aber „Mordsmöwen“ hat mir Lust darauf gemacht, mal auf Ahois Spuren zu wandeln. Er beschreibt „seine“ Insel schon sehr einladend und einige Orte würde ich wirklich gerne mal sehen. Erfahrene Sylt-Reisende, die diesen Krimi lesen, werden ihre Lieblingsinsel danach vielleicht mit etwas anderen Augen sehen.

Dank Ahois gewitzter Erzählweise liest sich der Krimi herrlich leicht. Da fliegen die Seiten nur so dahin. Wobei mal wieder bewiesen wäre, dass Spass und Vergnügen einem echten Krimi keineswegs im Wege stehen. Ich habe „Mordsmöwen“ als eBook gelesen und da sind die Kapitel schon ganz schön lang. Ich schätze, dass sie beim Taschenbuch kürzer wirken, weil da mehr auf eine Seite passt. Sicher weiß ich es aber nicht. Muss ich mal vergleichen bei Gelegenheit.

So ein schönes Cover mit der Piratenflagge und der Möwe vor dem gewittergrauen Himmel! Da wird sofort klar, dass Möwen eine wichtige Rolle spielen. Und die Flagge lässt bereits ahnen, dass Kriminelles auf der Insel lauert.

Fazit:   Mir hat „Mordsmöwen“ ein paar Abende kriminell-amüsantes Lesevergnügen beschert. Meine Hochachtung davor, wie gut sich Sina Beerwald bei ihrem Buch in die Perspektive der Möwen versetzt. Das stelle ich mir schwierig vor. Ich fand die Ermittlungen mit Ahoi und Co. spannend, weil man als Mensch oft nochmal zusätzlich um die Ecke denken muss, aber auch, weil der Fall an sich unerwartet komplex gestrickt ist. Und ich habe ja so gelacht! Danke für diesen Spass!


Titel: Mordsmöwen
Autor: Sina Beerwald
Seiten:  208
Verlag: Emons Verlag
ISBN: 978-3954511358
Preis:  € 9,90 (TB)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

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