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Nov 03

Rezension – Rosskus (Jürgen Seibold)

rosskurEin mysteriöser Selbstmord, ein lukrativer Deckhengst und Tumult am Burggener Roßtag – Kommissar Hansen ermittelt im Allgäu. Die Kripo Kempten ist in hellem Aufruhr. Nach spektakulär gescheiterten Mordermittlungen soll ein neuer Hauptkommissar übernehmen – ein Niedersachse. Ein Skandal im traditionsbewussten Allgäu und denkbar schlechte Voraussetzungen für Eike Hansen. Sein erster Fall: Ein Mann soll von der Lechbrücke gestürzt sein. Doch als die Beamten am vermeintlichen Tatort eintreffen, fehlt von der Leiche jede Spur.

Einmal mehr bin ich durch ein schönes Cover auf eine weitere Reihe Regiokrimis aufmerksam geworden.
„Rosskur“ nimmt viel Zeit ehe der Kriminalfall beginnt und so richtig interessant und spannend wird. Bis dahin hat man zunächst Gelegenheit, sich gemeinsam mit dem niedersächsischen Kommissar Eike Hansen in dem kleinen Ort im Allgäu und der Polizeiinspektion einzufinden. Auch wenn ich mir ab und zu gewünscht habe, der Fall könne endlich so richtig losgehen, so habe ich diesen Vorlauf doch auch genossen. Es ist schön, sich den Ort und die Gegen beschreiben zu lassen. Auch wenn ich bei en vielen Ortsnamen immer nur inständig gehofft habe, dass sie und die Richtungen daziwschen später bitte nicht von Belang sein würden. Denn dann wäre ich verloren gewesen.
Es hat außerdem Spass gemacht, Eike Hansen kennenzulernen. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er es als Nordlicht im Allgäu nicht leicht haben würde und war gespannt, was dort auf ihn wartet und wie er es handhabt. Dabei habe ich einen ruhigen Kommissar kennengelernt, der in seinem Job ein echter Könner ist. Und einen Vorgesetzten, der sich nicht herausfordern lässt, sondern seinen neuen Kollegen mit Ruhe, Ehrlichkeit und Fairness begegnet. Das fand ich sympathisch. Nicht wäre für mich schlimmer gewesen als wenn er dort als der tolle Hecht aus der Großstadt aufgetreten wäre, der den Dorfdeppen mal zeigen will, wie es bei der Kripo so zu laufen hat. Ein paar kleine Szenen laden auch immer mal zum Schmunzeln ein, wie ich es an Regiokrimis gerne mag. Vor allem Hansens Scharmützel mit dem Kater seiner Vermieterin haben es mir dabei angetan.
Der eigentliche Fall startet recht unaufgeregt mit dem Mann, der von der Brücke gestürzt sein soll und von dem dann jede Spur fehlt. Klar war ich neugierig, was da wirklich geschehen ist, aber so richtig kribbelig spannend war es zunächst noch nicht. Zum Glück mag ich es aber auch, wenn ich den Ermittlungen der Polizei folgen kann, und das geht hier wirklich gut. Die Geschichte nimmt sich die Zeit, die Nachforschungen von Hansen und seinen Kollegen zu beschreiben. Ihre Erkundigungen, Theorien und Befragungen. Das zieht sich ab und zu, aber das sollte man sich gefallen lassen. Denn wenn der Moment kommt, an dem man das Gefühl hat, plötzlich erste Zusammenhänge zu erkennen und Vermutungen anzustellen, dann sind diese Ermittlungen wichtig und hilfreich. Damit funktioniert es prima, selber mitzuknobeln, wer in dem Fall mit drin steckt und warum. Aber wie gesagt: vorher bei der Sache bleiben! Auch weil man es mit wirklich vielen Personen zu tun bekommt. Da sollte man den Überblick behalten!
So hat es mir schließlich Spass gemacht zu verfolgen, wie die ganzen Erkenntnisse und Ermittlungen zusammenlaufen und eine schlüssige Auflösung ergeben. Im Verhältnis zu der Zeit, die sich die Geschichte bis dahin für jedes Detail nimmt, kam mir das Ende dann aber etwas zu abrupt. Da wäre es auf ein paar Seiten mehr auch nicht mehr angekommen.

„Rosskur“ liest sich prima! Jedes Kapitel beschreibt einen Tag. Ich finde diese Kapiteleinteilung immer prima. Sie vermittelt mir das Gefühl, mit jedem Kapitel ein gutes Stück vorangekommen zu sein. Manche Kapitel sind dabei schon mal recht lang, doch durch die interessanten Ermittlungen und viele Dialoge fühlt sich das gar nicht so an.

Das Cover gefällt mir sehr! Es gibt ja mehrere Regiokrimis mit Türen auf dem Cover, durch deren Fenster man das eigentliche Motiv sieht. Das finde ich immer wieder schön. Hier mit der Landschaft und dem Pferdekopf, der so gut zum Titel passt. Und auf dem Buchrücken geht das Motiv weiter, sodass man neben dem Titel und dem Namen des Autoren einen Strohbesen sehen kann. Witzig!

Fazit: Ein schöner Regiokrimi für Krimifans, die es nicht unbedingt blutig brauchen, sondern Spass an Ermittlungen und eigenen Knobeleien haben. Genau darauf basiert die Spannung von „Rosskur“. Ein sehr sympathischer Kommissar, liebenswerte Allgäuer mit gewissen Ecken und Kanten und eine kleine Prise Humor haben mir den Aufenthalt in Kempten ausgesprochen angenehm gemacht. Ich werde sicher auch Hansens zweiten Fall lesen!

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Rosskur (Jürgen Seibold) […]

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