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Nov 09

Rezension – Phobia (Wulf Dorn)

phobiaEine Dezembernacht im Londoner Stadtteil Forest Hill. Sarah Bridgewater erwacht, als sie ihren Mann überraschend früh von einer Geschäftsreise nach Hause kommen hört. Doch der Mann, den sie in der Küche antrifft, ist nicht Stephen. Er trägt jedoch den Anzug ihres Mannes, hat dessen Koffer bei sich und ist mit Stephens Auto nach Hause gekommen. Der Fremde behauptet, Stephen zu sein, und weiß Dinge, die nur Sarahs Mann wissen kann.
Für Sarah und ihren sechsjährigen Sohn Harvey beginnt der schlimmste Alptraum ihres Lebens. Denn der Unbekannte verschwindet ebenso plötzlich wieder, wie er bei ihr aufgetaucht ist, und niemand will ihr glauben. Nur ihr Jugendfreund, der Psychiater Mark Behrendt, kann ihr jetzt noch helfen. Ein psychologisches Duell mit dem Unbekannten beginnt. Und von Stephen Bridgewater fehlt weiterhin jede Spur.

Wie hatte ich mich auf den neuen Roman von Wulf Dorn gefreut! Schon Tage vor der offiziellen VÖ bin ich durch Buchläden getigert in der leisen Hoffnung, dass es ein Händler mit diesem Datum nicht ganz so genau nehmen würde. Meine Hochachtung: alle in der Gegend hier haben sich daran gehalten!
Als ich es dann endlich in Händen hielt, wurde es natürlich sofort gelesen. Das Cover versprach schon eine schauerliche Geschichte und der Klappentext klang ebenfalls verheißungsvoll.
Die Grundidee ist auch wirklich klasse und erschreckend. Man stelle sich das mal vor: da kommt eines Tages ein völlig Fremder nach Hause, gibt sich für den eigenen Ehemann aus und nistet sich im Haus ein. Ich konnte mich in Sarahs Entsetzen und in ihre Angst wirklich gut hineinversetzen. Einen größeren Schrecken kann es wohl kaum geben.
Natürlich versucht Sarah, sich und ihren Sohn in Sicherheit zu bringen und herauszufinden, wer der Fremde ist, was er von ihr will, wieso er sich als ihr Ehemann ausgibt und wo ihr tatsächlicher Mann ist. Zusammen mit einem alten Freund – Mark Behrendt, Dorn-Fans kennen ihn bereits aus „Trigger“- macht sie sich daran, nach Antworten zu suchen. Aus dieser Suche zieht „Phobia“ den Großteil seiner Spannung. Wobei ich finde, dass die Geschichte nach dem starken Anfang deutlich an Spannung verliert. Darüber war ich ziemlich enttäuscht, das kenne ich von Wulf Dorns Büchern sonst nicht. Tatsächlich gibt es in „Phobia“ nur eine Szene, die ich so gruselig fand, dass ich nach dem Lesen ungern durch die halbdunkle Wohnung geangen bin. Das ist im Vergleich äußerst wenig.
Dass ich „Phobia“ nicht durchweg nägelknabbernd spannend finde, liegt daran, dass man diesen Psychopathen nach und nach recht gut kennenlernt. Das hat mir den Schrecken vor ihm genommen, den er mir anfangs eingejagt hat. Ich hatte dann darauf gebaut, dass seine Motivation für sein Tun schauderhaft sein würde. War sie aber leider nicht, und sonderlich innovativ genauso wenig. Außerdem nahm mir dieses Kennenlernen des Täters die letzte Hoffnung darauf, mit Sarahs Geisteszustand könnte etwas nicht stimmen. So etwas trifft man in Wulf Dorns Büchern ja sonst ganz gerne mal an. Ich liebe sowas und hatte sehr darauf gehofft, es in „Phobia“ wieder anzutreffen.
Wie um den wenig spannenden Mittelteil irgendwie auszugleichen, kommt die Auflösung mit einem Szenario daher, das vor Grauen, Blut und sonstigen Körperflüssigkeiten trieft. Dagegen habe ich regulär nichts einwenden, nur kenne ich von Wulf Dorn gewitztere Enden, bei denen man gut mitdenken muss und die einen überraschen, statt zu ekeln. Erst auf den letzten Seiten hat mich „Phobia“ an zwei Stellen daran erinnern, aber das war mir doch zu wenig. Das Ende des nächsten Thrillers darf meinetwegen wieder mehr Köpfchen haben, statt so roh daherzukommen.
Zuletzt wundere ich mich noch darüber, dass „Phobia“ in London spielt. So viele Autoren haben bisher bewiesen, dass Thriller sehr gut in Deutschland spielen können. Wulf Dorn ist für mich da in vorderste Reihe mit dabei! Warum dann dieser Ausflug?

Eines ist aber auch bei „Phobia“ wieder so, wie ich es von Dorns vorigen Büchern kenne: es liest sich wie geschnitten Brot. So ging es auch ganz zügig durch die Mitte, die mich nicht so recht fesseln konnte. Wäre die obendrein noch umständlich geschrieben und mühsam zu lesen gewesen, dann hätte ich wohl irgendwann die Segel gestrichen oder den einen oder anderen Absatz übersprungen. Die Kapitel sind wahre Häppchen, da flitzt man als geübter Leser nur so hindurch.

Das Cover fand ich schon beim ersten Sehen toll! Puppen sind eh nicht unbedingt Meins, solch altmodische Puppen schon mal gar nicht. Und mit den Verunstaltungen und leeren, finsteren Augenhöhlen sieht sie ganz schön gruselig aus.

Fazit:  Die Idee der Geschichte finde ich immer noch toll und sie lässt sich so wirklich gut an! Dadurch, dass man den Psychopathen aber bald recht gut kennenlernt, ließ die Spannung bei mir aber schnell nach. Und seine Gründe dafür, dass er sich als Sarahs Ehemann in’s Haus einschleicht, fand ich weder erschreckend, noch neuartig. Das Finale war mir zu brutal, zu roh, jedenfalls wenn man die gewieften Enden von Wulf Dorns übrigen Romanen kennt. Daran konnten auch zwei Fingerzeige ganz zum Schluss nichs ändern.


Titel: Phobia
Autor: Wulf Dorn
Seiten: 400
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 978-3453267336
Preis: € 19,99

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Phobia (Wulf Dorn) […]

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