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Nov 12

Rezension – Haben Sie diese Pille auch in Grün? – Risiken und Nebenwirkungen einer Apothekerin (Pharmama)

pillegruenAbsurdes aus der Apotheke – garantiert mit Lachnebenwirkungen Ältere Damen, die eine rotweiße Kapsel vorzeigen und «die gleiche in Grün» möchten, oder Mütter, die Hustenbonbons mit Fieberzäpfchen verwechseln: Apotheker sind für ihre Kunden eine Mischung aus medizinischem Notdienst, wandelndem Lexikon und seelischem Mülleimer. Die Pharmama steht seit vielen Jahren hinterm Tresen und hat schon unzählige skurrile, witzige und auch sehr seltsame Geschichten in ihrer Apotheke erlebt. Und sie weiß: Hustensaft gehört nicht ins Badewasser und Herztabletten nicht in die Mikrowelle!

Bei diesem Buch fand ich erstens das Cover und den Titel witzig und niedlich. Und zweitens lese ich immer gerne darüber, dass andere Berufsgruppen, die ebenfalls mit Kunden zu tun haben, auch nicht besser dran sind als ich. Denn Kunde bleibt halt doch Kunde! Ganz egal, wo er als solcher auftritt.
Schon bei Pharmamas Vorstellung ihrer Kolleginnen und sich selber sind Erlebnisse mit Kunden in der Apotheke eingestreut. Und bereits hier gibt das ordentlich Anlass zum Schmunzeln. Oft genug habe ich sogar lauthals lachen müssen.
Genauso ging es dann auch weiter. Ich habe lange nicht mehr so gelacht wie bei diesem Buch. Es ist gewissermaßen in Rubriken aufgeteilt, beleuchtet mal die Arbeit allgemein in der Apotheke, wobei die Komik vom Miteinander mit den Kollegen, Vertretern usw herrührt, dann wendet es sich einer Reihe Spezialfälle an Kunden zu und macht auch vor Themen wie Sex und Verhütung nicht halt.
Als Leser aus Deutschland muss man sich in ein paar Punkten umstellen, denn die Autorin hinter dem Pseudonym „Pharmama“ ist Schweizerin. Und in der Schweiz wird in den Apotheken und im Gesundheitswesen sonst wohl einiges anders gehandhabt als bei uns. Das stört aber keineswegs. Ich fand es sogar ganz interessant zu erfahren, wie es im Lande von Ricola in einer Apotheke zugeht.
Und die Kunden dort sind ohnehin keinen Deut besser als bei uns. Kunde-Sein ist wohl international. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Leute, die nicht im direkten Kundenkontakt arbeiten und dieses Buch lesen, alle paar Seiten ungläubig den Kopf schütteln. So nach dem Motto: ‚das kann doch nicht wahr sein, so kann sich doch kein Mensch aufführen!‘ Und ie es schlichtweg nicht glauben! Es sei euch versichert: es ist so, glaubt es ruhig! Kunden sind ein sehr spezieller Fall! Mit reichlich Nebenwirkungen! Für alle Beteiligten übrigens! Mich beruhigt es immer irgendwie, dass ich darüber -wenn ich davon lese- doch noch lachen kann.
Hin und wieder finden sich auch mal Abschnitte mit ernsteren Themen, und da schwenkt auch der Erzählton dann spürbar um. Das hat mir das Gefühl und die Gewissheit gegeben, dass es Pharmama nicht nur darum geht, von ihren schrägen Erlebnissen in der Apotheke zu erzählen, oder sich lustigmachen zu wollen, sondern dass sie genauso aufzeigen möchte, wie ernst Apotheker ihren Job nehmen (sollten. Es gibt nämlich auch ein Kapitel, in dem es um die lieben Kollegen in anderen Apotheken geht). Dass sie Ahnung von ihrem Metier hat, das ist ohnehin von Anfang an unverkennbar. Ich finde, das gibt Sicherheit darüber, dass hinter dem witzigen Pseudonym tatsächlich ein Apothekerin steckt. Und nicht etwa eine Komikerin, die es mal mit solch einem Buch versuchen möchte.
Und zuletzt weckt ein solches Buch bei mir immer auch die Hoffnung, dass gewissen Leuten damit ein Spiegel vorgehalten wird, sie selber nicht glauben können, wie sie sich in gewissen Situationen geben, und daran dann arbeiten. Hach, wäre das schön!

Ich habe das Buch häppchenweise gelesen. Immer mal zwischendurch einen Abschnitt. Denn die Kapitel -13 an der Zahl- sind noch einmal in Abschnitte mit eigenen Titeln unterteilt. Das lässt sich gut nach und nach lesen. Und da die Abschnitte für sich abgeschlossen sind, muss man sich nach einer eventuellen Pause auch nicht erst groß wieder einfinden. Und natürlich liest es sich super leicht, wenn man solch einen Spass dabei hat, schmunzeln und lachen kann.

Wie gesagt, ich finde diese freundlich lächelnde Pille einfach niedlich. Und ein sehr passendes Motiv für ein Buch mit Erzählungen einer Apothekerin. Das sieht so direkt nach Spass aus.

Fazit:  Kunde bleibt Kunde. Egal ob im Supermarkt oder in der Apotheke. Egal ob in Deutschland oder in der Schweiz. Das hat mir dieses Buch mal wieder gezeigt. Irgendwie ist das beruhigend zu wissen. Unsereins ist nicht alleine! Ich habe „Haben Sie diese Pille auch in Grün?“ mit allergrößtem Vergnügen gelesen und oft Tränen dabei gelacht. Meine Empfehlung für alle Leute, die in ähnlichen Jobs arbeiten. Eine ausgesprochen spaßige Lektüre voll Wahrheit!


Titel: Haben Sie diese Pille auch in Grün? – Risiken und Nebenwirkungen einer Apothekerin
Autor: Pharmama
Seiten: 336
Verlag: Rowohlt Verlag
ISBN: 978-3499630316
Preis: 9,99  (TB)

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  1. Gelesen 2013 | Leserattes Blog

    […] Haben Sie diese Pille auch in Grün? (Pharmama) […]

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