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Nov 21

Rezension – Selection (Kiera Cass)

selection0135 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe?

Ich habe mich lange um dieses Buch gedrückt. Es klang für mich nach dem x-ten finsteren Blick in die Zukunft und obendrein -was auch mit dem Cover zusammenhängt- ganz schön kitschig.
Nachdem ich es nun gelesen habe, freue ich mich bereits auf den zweiten Band. Seltsam? Nein, das hat gute Gründe.
Zunächst einmal übertreibt Kiera Cass es nicht mit den Rahmenbedingungen der Geschichte. America und ihre Familie sind zwar nicht reich, aber sie gehören auch nicht zur untersten Kaste. Viel haben sie nicht, aber sie leben auch nicht im Elend. Und trotzdem sie die Schattenseiten dieses Kastensystems kennen und täglich sehen, jammert niemand von ihnen herum oder sinnt auch Rache an der Regierung.
Die Regierung selber regelt natürlich das Leben in Illeá, aber auf mich wirkte die Königsfamilie schon zu Beginn des Buches keineswegs herrisch. Streng in manchen Belangen, aber es kam nie so rüber als würde sie ihr Volk unterdrücken. Und America und ihre Familie beispielsweise versäumen keine Sendung über die Königsfamilie. Ich hatte also den Eindruck, dass den Herrschern eine gewisse Symapthie entgegengebracht wird. Das war so für mich mal etwas völlig Neues in diesem Genre, das mir sehr gut gefallen hat.
America mochte ich ebenfalls. Sie machte einen ganz normalen Eindruck auf mich. Ein normaler Teenager, der zwar ein recht einfaches Leben führt, damit aber nicht allzu unzufrieden ist, sich an Kleinigkeiten freuen kann, ihre Familie liebt und sehr verliebt in ihren Freund Aspen ist. Mit Aspen kam ich dafür weniger gut klar. Durch Americas Beschreibungen bekommt man zwar das Bild eines gutaussehenden, tollen Typen vermittelt, aber sein Wesen war beim besten Willen nicht mein Fall. America meint es gut, bereitet eine Überraschung vor und er stößt sie vor den Kopf. Einerseits will er, dass sie an der Wahl teilnimmt, dann wieder nicht. Und zuletzt lässt er sie sitzen. Hallo?!
Diese Wahl bei der eine Partnerin für den Prinzen gesucht wird, ist zwar eine etwas seltsame Idee, aber sie passt gut in die heutige Zeit. Sie erinnert glatt an solch geniale TV-Sendungen wie zB den „Bachelor“. Mit der Wahl selber, vielen Schönheiten, die sich auf verschiedene Art bewähren müssen, Luxus und natürlich Zickenkrieg.
Nicht gerade mein Fall, aber da kam es mir zugute, dass ich America mochte und sie sich ihren bodenständigen Charakter bewahrt. Sie berichtet mit einem feinen Auge und einem schönen Funken Humor von den Vorgängen im Palast. So hat es Spass gemacht, dabei zu sein.
Prinz Maxon gefiel mir auch. Er sieht gut aus, ist nett, hat Humor, ist am Leben seines Volkes interessiert und erträgt America mit Fassung. Zugegeben, er ist ein bisschen zu „heilig“, zu gut und zu lieb. Aber solche muss es schließlich auch mal geben. Mir haben vor allem seine Diskussionen mit America viel Vergnügen bereitet. Und ganz ehrlich: bei der Wahl zwischen Maxon und Aspen könnte mir Aspen dicke gestohlen bleiben. Zum Glück hielt sich auch Americas Trauer recht schnell in Grenzen.
Doch natürlich wird Aspen später wieder zum Thema. Genauso wie ein Angriff auf den Palast, der dem Prinzen und seiner Familie die Unzufriedenheit vor Augen führt, die in den unteren Kasten herrscht. Bis zu diesem Angriff fließt die Handlung angenehm ruhig und heiter dahin. Der Angriff nimmt nur einen recht kleinen Teil der Geschichte ein. Für mich genau richtig, weil ich mich nicht gerne seitenweise durch solches Geschehen lese. Und auch danach versinkt die Story nicht in Traurigkeit und Betroffenheit. Ganz im Gegenteil! Daher freue ich mich darauf, mehr von America und Maxon zu lesen.

America erzählt schön locker und jugendlich von ihrer großen Chance. Und sie hat einen schönen Sinn für Humor, den man stets heraushört und über den ich einige Male schmunzeln konnte. Viele Dialoge und eine angenehme Kapitellänge lockerten zusätzlich auf. So las sich „Selection“ für mich sehr angenehm und flüssig.

Das Cover finde ich immer noch ziemlich kitschig mit den Kleidern und den Mädchen unter dem glitzernden Regen (?). Dafür bin ich wohl zu wenig Mädchen 😉 Ich hab’s nicht mit Kleidern und Glitzer und solchen Sachen. Aber die Farbe finde ich toll! Ein wunderschönes Blau-Grün, das das Cover zum Hingucker macht.

Fazit:   Mir hat „Selection“ wirklich unerwartet gut gefallen! Diese Wahl zur Prinzessin von Illeá erinnert stark an den „Bachelor“, hat mich aber gerade deshalb prima unterhalten. Endlich eine Geschichte, die zwar in einer nicht allzu glänzenden Zukunft spielt, aber dennoch in erster Linie das Leben auf der Sonnenseite dieser Welt beleuchtet und auch mal Gelegenheit zum Schmunzeln gibt. Endlich mal kein Krieg, keine Rache, kein Elend. Es hat Spass gemacht, mit America in’s Königshaus einzuziehen und die anderen Mädchen und die Königsfamilie kennenzulernen. Vor allem einem sehr liebenswürdigen Prinzen. Ich bin neugierig, wie es mit den beiden weitergeht. Und wehe, Aspen stellt sich quer!

Vielen Dank an den Sauerländer Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!


Titel: Selection
Autor: Kiera Cass
Seiten: 368
Verlag: Sauerländer Verlag
ISBN: 978-3737361880
Preis: € 16,99 (Broschiert)

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